Die Gemeinde Schliengen wählte am Sonntag grün-schwarz. Viele Stimmen gingen indes auch an die AfD, die auf dem dritten Platz landete und gegenüber 2021 deutlich zulegte. Foto: Claudia Bötsch

In Liel und Niedereggenen hat die AfD erneut Spitzenwerte geholt. Unsere Redaktion hat mit den beiden Ortsvorstehern über das Ergebnis der Landtagswahl gesprochen.

Die Schliengener wählten am Sonntag vor allem Grüne und CDU – die größten Zugewinne konnte indes die AfD für sich verbuchen.

 

Bei den Erststimmen hatte die CDU die Nase vorn: Patrick Rapp holte 35,3 Prozent, seine Konkurrentin Anna Deparnay-Grunenberg 28,9 Prozent. Bei den Zweitstimmen machten indes die Grünen das Rennen, sie lagen mit 32,1 Prozent deutlich vor der CDU (27,6 Prozent). Diese hat damit dennoch im Vergleich zur vergangenen Wahl zugelegt, damals betrug der Stimmenanteil für Patrick Rapp und die CDU 22,1 Prozent.

Auf Platz drei liegt die AfD mit starken 20,1 Prozent bei den Erststimmen (Zweitstimmen: 19,3 Prozent). 2021 war sie in Schliengen mit der gleichen Direktkandidatin Martina Böswald noch bei 8,9 Prozent gelegen. Das entspricht einem Zugewinn von mehr als zehn Prozentpunkten.

FDP fällt in den Keller, die SPD auch, aber etwas weniger tief

Die SPD und die FDP bleiben mit 5,2 (SPD) und 3,7 Prozent (FDP) der Zweitstimmen deutlich unter den Erwartungen. Zum Vergleich: Bei der Landtagswahl 2021 hatte die SPD in Schliengen, damals mit Kandidatin Birte Könnecke, noch 9,1 Prozent der Stimmen erringen können, die FDP mit Helge Kaltenbach sogar 11,4 Prozent.

Blick in die Dörfer

Interessant ist ein Blick in die Dörfer. Was dabei sofort ins Auge fällt: das starke Abschneiden der AfD in Liel und Niedereggenen. Wobei die Ergebnisse nicht überraschen: Die Blauen hatten dort bereits bei der Bundestagswahl vor einem Jahr Spitzenwerte erzielt mit 27,7 Prozent in Niedereggenen und 25 Prozent in Liel.

In Liel holte die AfD bei den Zweitstimmen den höchsten Wert in der ganzen Gemeinde: 28,2 Prozent. Bei der Erststimme konnte Kandidatin Böswald 25,7 Prozent für sich verbuchen – 2021 waren es noch 17 Prozent.

Sprich ist „schockiert“

Nicht nachvollziehen kann das Ergebnis der Lieler Ortsvorsteher Ottmar Sprich. „Die wissen nicht, was sie da wählen“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Das Ergebnis schockiere ihn – gleichzeitig fühle er sich „machtlos“. Er habe schon zig Diskussionen geführt, dabei allerdings die Erfahrung gemacht, dass „wer die AfD wählt, nicht für andere Argumente empfänglich ist“.

Wählen ab 16 sieht er kritisch

Kritisch sieht er in diesem Zusammenhang inzwischen das Herabsenken des Wahlalters auf 16 Jahre, was er zu Anfang noch als positive Entwicklung gesehen habe. Sprich befürchtet, dass gerade junge Leute sich leicht beeinflussen lassen könnten – zum Beispiel durch irgendwelche Internet-Clips. „Dann wird das Kreuzchen gemacht, ohne genau zu wissen, worum es eigentlich geht und wen sie da wählen.“ Schließlich hätten bereits vergangene Wahlen gezeigt, dass die AfD vor allem auch bei Jungen populär sei.

Doppelt so viele

Besonders stark abgeschnitten hat die AfD auch in Niedereggenen. Bei AfD-Kandidatin Böswald machten am Sonntag 29,2 Prozent (77 Stimmen) ihr Kreuzchen – bei der Wahl 2021 waren es mit 15,5 Prozent noch etwa halb so viele. Mehr Stimmen holte nur Patrick Rapp (35,6 Prozent). Bei den Zweitstimmen landeten die Blauen mit 25,2 Prozent (66 Stimmen) exakt gleichauf mit den Grünen auf dem zweiten Rang (CDU: 31,7 Prozent).

Hemmer: Enttäuschte konservative Wähler

„Die CDU hat es nicht geschafft, eine Alternative für die enttäuschten konservativen Wähler zu sein“, kommentiert Niedereggenens Ortsvorsteher Timo Hemmer das Wahlergebnis.

Die Leute seien gefrustet, was er teilweise durchaus nachvollziehen könne. Hemmer verweist auf „unzufriedene Wähler aus dem bürgerlichen Lager“. Die CDU habe es leider nicht geschafft, diese „abzuholen“.

Irgendwelche Rechtsradikale gebe es im Dorf jedenfalls nicht. „Ich kenne die Leute“, betont der 41-jährige Hemmer, der seit seinem 24. Lebensjahr dem Ortschaftsrat angehört. Seit 2022 ist er Ortsvorsteher, davor fungierte er als Stellvertreter.

„Mache niemandem einen Vorwurf“

Den Frust könne er teilweise durchaus nachvollziehen, auch wenn er selbst nicht viel von der AfD halte. „Wenn die Stimmen bei der CDU gelandet wären, wäre mir das definitiv lieber gewesen“, meint Hemmer, der für die Freien Wähler im Schliengener Gemeinderat sitzt. „Dann hätte man eine starke CDU und die Chance auf eine Veränderung. So bleibt es beim Kompromiss.“ Er mache jedoch niemandem einen Vorwurf: „Wir haben eine freie Wahl, und jeder darf und soll wählen was er will.

Wenig AfD-Stimmen in Mauchen

Den niedrigsten Wert holte die AfD übrigens in Mauchen (15,6 Prozent / 38 Stimmen). Hier triumphierte die CDU mit knapp 35 Prozent (85 Stimmen), Patrick Rapp holte mit 105 Stimmen sogar 43,3 Prozent. Die Grünen kommen auf 26,7 beziehungsweise 32,4 Prozent.