Am 8. März tritt der 74-jährige Hans-Peter Hörner erneut für die AfD bei der Landtagswahl im Wahlkreis Balingen an. Der pensionierte Lehrer will das dreigliedrige Schulsystem erhalten.
Die Rädchen in seinem Kopf drehen sich unaufhörlich. Abschalten ist ihm schon immer schwergefallen, sagt Hans-Peter Hörner – in seiner Zeit als Lehrer ebenso wie heute als Landtagsabgeordneter der AfD. Selbst im Urlaub an der Ostsee, bei langen Spaziergängen zwischen den feinsandigen Dünen, trägt er das Smartphone in seiner Jackentasche.
Liest er die Nachrichten, die in sein Postfach einlaufen. Hundert am Tag seien es manchmal. Der 74-Jährige aus Frommern stellt sich am 8. März erneut zur Wahl. Wer ist der groß gewachsene Mann im blauen Jackett mit ordentlich gebundener Krawatte – und welche politischen Vorstellungen vertritt er in einer Zeit, in der seine Partei als Gefahr für die demokratische Ordnung diskutiert wird?
„Rechts, nicht rechtsextrem“
Seine sechs Kinder und seine Enkel haben ihn politisiert, sagt Hörner. Für ihre Zukunft wolle er Verantwortung übernehmen und politisch mitgestalten. 2016 ist er in die AfD eingetreten, vorher war er Mitglied der CDU. Die Union habe sich aus seiner Sicht zunehmend von ihrem politischen Kern entfernt. „Ich war schon bei der AfD, als sie noch CDU hieß.“ Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ. „Ich bin rechts, aber nicht rechtsextrem. Das ist ein entscheidender Unterschied.“
Mit dieser Selbstverortung verbindet sich die Frage, wo Hörner die Grenze zwischen konservativem Kurs und extremistischen Positionen innerhalb seiner Partei zieht. Es gebe in jeder Partei Politiker mit extremen Ansichten, behauptet er. „Dahinter stehe ich nicht. Antisemitismus und Rechtsextremismus finde ich furchtbar.“
AfD-Aussteiger erhebt Vorwürfe
Laut einem Bericht des „Tagesspiegel“ aus dem Jahr 2021 taucht Hörner allerdings als einer von vier AfD-Abgeordneten im Gutachten des Bundesamts für Verfassungsschutz auf. Ein AfD-Aussteiger warf ihm darin vor, gemäßigte Parteimitglieder im Kreisverband Zollernalbkreis „an den Rand gedrängt“ zu haben. Die Vorwürfe dementiert er auf Nachfrage bis heute – sie bleiben jedoch politisch umstritten.
Hörner selbst blickt mit einer gewissen Verwunderung auf seine politische Laufbahn zurück: „Ich hätte vor fünf Jahren nicht gedacht, dass ich gewählt werde.“ Mittlerweile ist er der Strippenzieher der AfD im Zollernalbkreis. Sitzt unter anderem im Bildungsausschuss, seit 2018 ist er Kreissprecher. Seine Chancen, wiedergewählt zu werden, stehen gut. Der Wahl blickt er, abgesichert über den Listenplatz, gelassen entgegen. Arbeitsintensiv sei der Wahlkampf dennoch, bemerkt Hörner. Geprägt ist Hörners politischer Blick nicht zuletzt durch seinen Beruf: 45 Jahre lang stand er selbst als Lehrer des Beruflichen Schulzentrums Hechingen im Klassenzimmer.
Erster in der Familie, der studiert habe
Nach seinem Studium der Biologie und Betriebswirtschaft an der Universität Tübingen hat er mit 24 Jahren sein Referendariat in Ulm gemacht. Er sei der erste in seiner Familie, der studiert habe: „Rumbummeln gab es bei mir nicht, so wurde ich erzogen.“ Er plädiert dafür, das dreigliedrige Schulsystem zu erhalten, und spricht sich für die verbindliche Grundschulempfehlung aus.
Das letzte Kindergartenjahr sollte kostenfrei und verpflichtend sein, als „Juniorklasse“, so die Position des Landtagskandidaten. „Damit jedes Kind Deutsch lernt und das Rechnen im einfachen Zahlenraum und damit gut vorbereitet ist für die Schulzeit.“ Finanzieren sollte das kostenlose Angebot das Land. Mit welchen Mitteln? Es gebe viel Einsparungspotenzial, etwa im Bereich der Entwicklungshilfe, so Hörner. Diese Mittel ließen sich aus seiner Sicht besser in Schulen und Ausbildung investieren.
Verbrenner und Kernkraft
Neben der Bildungspolitik ist die Wirtschaft ein zentrales Thema für Hörner – insbesondere die Automobilindustrie. Für ihn gehört der Verbrennungsmotor nach wie vor zu Baden-Württemberg, dem „Autoland“. Auch die Zulieferindustrie sei stark darauf ausgerichtet. Deshalb setzt er auf synthetische Kraftstoffe, die in Kombination mit angepassten Strompreisen genutzt werden könnten, um die Wirtschaftskraft zu erhalten. Zugleich fordert er den Ausbau der Kernkraft, unter Einsatz von sogenannten Dual-Fluid-Reaktoren, bei denen radioaktives Material flüssig statt fest verwendet wird. Fachleute weisen jedoch darauf hin, dass solche Reaktoren noch weit von der Einsatzreife entfernt seien und Sicherheits- und Kostenfragen offenbleiben.
Auf seine Position zur Migration angesprochen, schickt Hörner vorweg: „Wir können nicht alle aufnehmen.“ Er spricht sich für eine restriktivere Zuwanderungspolitik aus: „Wohnraum für Asylbewerber: ja. Aber nicht für Wirtschaftsflüchtlinge. Die Gemeinden schaffen das nicht mehr.“
Es gehe darum, das Dublin-Abkommen durchzusetzen. Hörners Haltung spiegelt dabei die Positionen seiner Partei wider: Die AfD will Menschen ohne Bleiberecht abschieben und spricht sich für eine verschärfte Migrationspolitik aus.Was an diesem Februarmorgen, drei Wochen vor der Landtagswahl, deutlich wird: Der Balinger ist ein erfahrener Politiker. Ein Mann, der es gewohnt ist, vor Zuhörern zu sprechen. Hans-Peter Hörner ist kein Bummler: Er tritt kontrolliert auf, wirkt fokussiert. Für seine Partei sieht er die Chancen vor allem in der Ausschussarbeit. Dort, so seine Überzeugung, ließe sich mit gezieltem Engagement etwas bewegen – auch für seinen Wahlkreis.