Timm Kern im Gespräch mit der Redaktion. ​ Foto: Thomas Kiehl

Timm Kern ist bildungspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion und kandidiert bei der Wahl.

Die FDP hat in ihrem Stammland Baden-Württemberg Chancen, in den Landtag einzuziehen. Dieser Satz wäre noch vor wenigen Jahren allenfalls in der Satirezeitschrift Titanic erschienen.

 

Jetzt, nach einer Reihe verlorener Wahlen, bei denen die Liberalen unter fünf Prozent geblieben sind, hofft die FDP auf eine politische Kehrtwende. „Es geht um etwas“, drückt es Dr. Timm Kern aus.

Der promovierte Pädagoge ist noch FDP-Landtagsabgeordneter für den Wahlkreis Freudenstadt, bildungspolitischer Sprecher seiner Landtagsfraktion, deren Stellvertreter er ist, und tritt bei dieser Wahl erstmals im Wahlkreis Hechingen-Münsingen an, wo er Rudi Fischer beerbt, der nicht mehr kandidiert.

Dreigliedriges Schulsystem erhalten

Kern war bis zu seinem Einzug in den Landtag 2011 Gymnasiallehrer für katholische Religion, Geschichte, Gemeinschaftskunde und Wirtschaft. Logisch, dass Bildungspolitik für ihn ein Schwerpunktthema ist: „Ich leide seit 15 Jahren unter grüner Schulpolitik.“ Wobei er die von der CDU im Jahr 2004 beschlossene Abkehr vom G9 in seine Kritik einbezieht. Aber: „Dieses Thema ist durch, wir sind wieder bei G9.“

Anders verhält es sich mit dem dreigliedrigen Schulsystem, das er erhalten möchte. „Rettet die Realschulen.“ Gäbe es sie bislang nicht, müsste man sie erfinden, sagt er. Ebenfalls wichtig für ihn: Schule muss durchgängig sein, sodass nicht allein das Gymnasium den Weg zum Abi bereitet: „55 Prozent derjenigen, die eine Hochschulzulassung haben, kommen schon jetzt nicht übers Abi.“ Die verbindliche Grundschulempfehlung begrüßt er, fordert aber, sie möge nicht nur fürs Gymnasium, sondern für alle Schularten gelten.

Aus der Perspektive des normalen Alltags

Der in Tübingen lebende Politiker beurteilt die Dinge gerne aus der Perspektive des normalen Alltags. Er nennt es „Kern-Praktikum“, wenn er einen Tag lang in einem Betrieb aus dem Wahlkreis hospitiert. Vier Mal im Jahr macht er das. In einem Malerbetrieb machte ihn der Meister einst mit einem Formular vertraut. Es heißt „Leitern-Prüfbericht“, auszufüllen vom Leiterbeauftragten des Betriebs. Kern kanzelt so etwas als Bürokratiewahnsinn ab. „Ein Handwerksbetrieb hat ein eigenes Interesse daran, dass seine Leitern funktionieren“, sagt Kern. Er fordert den rigorosen Abbau von Vorschriften, die den Arbeitsalltag erstens erschweren und zweitens verteuern.

​Bürokratieabbau im Fokus

​Bürokratieabbau ist in aller Munde. Kern indes verweist auf Pläne zur Verschlankung des Verwaltungsapparats, die die FDP fordert. Die Liberalen möchten aus fünf Verwaltungseinheiten zwei streichen. Die Aufgaben der Regierungspräsidien will die FDP an die Landkreise delegiert wissen, die der Regionalverbände ans Land.

Timm Kern sucht die Mitte, positioniert sich weit weg von politischen Rändern, die es immer wieder schaffen, mit populistischen Forderungen zu polarisieren. Als Beispiel führt er das Thema „Migration“ an: „Die ganz Linke meint, man braucht gar keine Steuerung, die ganz Rechte sagt, gar keine Einwanderung sei richtig. Beides ist falsch.“ Es müsse leichter sein, nach Deutschland zu kommen, um hier zu arbeiten, präzisiert der FDP-Kandidat, „aber Einwanderung ins Sozialsystem will ich nicht.“

Gelegentlich äußert sich die FDP kritisch, wenn es um Windkraft geht. Kern scheint nicht restlos begeistert: „In manchen Ländern mag sich Windenergie lohnen“, sagt er, aber in Baden-Württemberg sieht er Geothermie, Photovoltaik und die Chancen des Wasserstoffs vorn.