Die 19-jährige Loo Elena Krein kandidiert für die Linken für den Landtag in Baden-Württemberg. Foto: Vera Bender

Für die Linke kandidiert die 19-jährige Schülerin Loo Krein im Zollernalbkreis. Sie wünscht sich, dass ihre Partei in die Opposition kommt und für soziale Gerechtigkeit kämpfen kann.

Eines wird im Gespräch mit Loo Krein schnell klar: Sie brennt für ihre Themen und weiß, welche Probleme die Jugend – aber nicht nur die – vor allem im ländlichen Raum hat. Loo Krein kandidiert bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg am 8. März für die Linken im Wahlkreis Balingen.

 

Auf den Wahlzetteln steht sie noch als Elena Krein, denn die Namensänderung wurde erst zwei Tage nach dem Druck der Wahlunterlagen rechtswirksam. Loo wurde die 19-Jährige immer schon genannt. So heißt sie jetzt auch ganz offiziell auf ihren Ausweisdokumenten. Aber ob Elena oder Loo oder beide Namen hintereinander, das sei eigentlich egal, meint die Schülerin der Walther-Groz-Schule in Ebingen.

Dort macht sie ihre Fachhochschule in Fremdsprachen und Wirtschaft und, quasi nebenher, noch eine schulische Berufsausbildung als fachgeprüfte Wirtschaftsassistentin. Das Thema Wirtschaft hat sie also auf dem Schirm. Dabei sind es die sozialen Themen, die sie an- und umtreiben.

Für Balingen brennt ihr Herz

Das liegt auch an ihren eigenen Erfahrungen. Seit 2014 wohnte sie in Balingen. Für diese Stadt brennt auch immer noch ihr Herz. Und trotzdem ist Loo Krein vor einem Jahr nach Hechingen umgezogen. „In Balingen ist der Wohnraum knapp“, erläutert die Landtagskandidatin auf Nachfrage. Und schon ist man praktisch mitten im Thema.

Geprägt von beiden Elternteilen

Durch den Lebenslauf von Loo Krein ergeben sich noch viele weitere Themen, für die sie sich einsetzt. Dass sie überhaupt einen politischen Weg einschlage, liege an ihrem deutschen Vater, der vor eineinhalb Jahren verstorben ist, und ein sehr politischer Mensch war.

Ihn hat sie immer sehr bewundert, wie er sich beispielsweise für politische Gefangene eingesetzt und für Magazine und Tageszeitungen geschrieben hat. Geprägt habe sie nicht nur dieser Hintergrund, sondern die Situation zu Hause mit der Mutter, die als Thailänderin einen Migrationshintergrund und schlecht deutsch gesprochen hat und dazu krank war. „Wir haben in tiefer Armut gelebt“, erklärt Loo Krein und beschreibt Szenen, wie sie drei migrantische Frauen – also gemeinsam mit der älteren Schwester – in Stadtvierteln unterwegs waren, die stark von Gewalt geprägt sind.

Schon mit 13 Jahren auf Demos

Auch diese Probleme kennt Loo Krein. Aus der eigenen Erfahrung und nicht nur aus irgendwelchen Schlagzeilen und Publikationen. Deshalb war sie auch schon mit 13 Jahren auf Demos gegen Rechts, hat bei Protesten mitgemacht und sich Sozialbewegungen angeschlossen. Beispielsweise bei „Fridays for future“.

„Und was ist daraus geworden? Nichts! Es ist alles im Sande verlaufen und nichts hat sich verändert“, meint Loo Krein, die aber sehr wohl bemerken musste, dass zu jener Zeit praktisch alle politischen Gruppierungen von dieser Umweltbewegung profitieren wollten.

Warum so viele junge Menschen rechts wählen?

Warum so viele junge Menschen – vor allem junge Männer – heute vor allem extrem rechts wählen? Weil auch sie wollen, dass sich endlich etwas zum Positiven für die junge Generation verändert.

Und dann springen sie laut Loo Krein auf so Schlagworte wie „Heimat“ auf. Die richtigen Themen werden benannt, aber eben keine Lösungen angeboten. Und auch hier nimmt man eine stark männerbetonte Ausrichtung war, sagt die Schülerin. Ob sie öfter mal mit dem Vorwurf „die sollen erst einmal arbeiten und Steuern zahlen, bevor sie mitreden“ konfrontiert wurde? „Ja, oft“, bekennt Loo Krein und erwidert, dass sie schon gearbeitet hat und auch Praktika absolvierte, aber auch viel im Ehrenamt unterwegs war.

Kein oder teurer Wohnraum

„Für Kinder und Jugendliche gibt es keine Lobby“, bemerkt Loo Krein. Nachhilfe? In ärmeren Familien kaum denkbar. Der Besuch einer Hector-Akademie für hochbegabte Schüler? Ja, schön, aber oft muss man Zusatzkurse bezahlen. Kinder aus finanziell schwachen Familien haben einfach kaum eine Chance.

Einfach mal als Jugendlicher an Kunst und Kultur teilhaben? Wenn es einen Rufbus oder dergleichen geben würde. Wie soll man sonst am Abend oder in der Nacht von Balingen zurück nach Hechingen oder auf die Dörfer kommen? Da müssen einen die Eltern mit dem Auto abholen. Also wieder nichts für sozial Schwache. Und obwohl sie Balingen und den Zollernalbkreis liebt, meint sie deshalb: „Hier gibt es keinen Grund zu bleiben.“ Viele wandern deshalb in die Großstädte ab. Aber dort gibt es wieder keinen oder nur teuren Wohnraum. „Man verliert hier den Anschluss und niemand interessiert sich dafür.“

Verbrenner-Aus: „Weit weg von der Realität“

Bei der letzten Podiumsdiskussion habe man über das Verbrenner-Aus debattiert. „Weit weg von der Realität“, findet die Schülerin, die sich keinen Führerschein leisten kann. Wie ihr gehe es vielen jungen Menschen.

„Politik wird für große Betriebe gemacht“, stellt Loo Krein fest, die sich für soziale Gerechtigkeit stark macht. „Wohnen und Mobilität sind Grundrechte.“ Auch die Rente beschäftigt viele Menschen. Ob sie Chancen sieht, in den Landtag einzuziehen? „Eher weniger. Aber ich beobachte mit Stolz und Freude die Liste. Und ich kann die Chancen für diese Leute erhöhen“, bleibt Loo Krein zuversichtlich.

Auch mit der Hoffnung, dass man „den Laden etwas aufmischen“ könne, die Podien nutzen und vielleicht in der Opposition sein zu können. „Wir brauchen Politik für Menschen und nicht für Wohlhabende, damit sich etwas ändert.“