Schüler des Albertus-Magnus-Gymnasiums haben mit Landtagspräsidentin Muhterem Aras über Politik und die Bedeutung von Demokratie diskutiert. Aber auch das Privatleben der Politikerin interessierte.
Was macht eigentlich eine Landtagspräsidentin? Wie steht sie zu den Klimaklebern und wie sieht ihr Arbeitsalltag aus? Fragen über Fragen hatten die Schüler der Klassen 8 bis zur Kursstufe 1 für den Besuch der Landtagspräsidentin vorbereitet, die auf ihrer mehrtägigen Rottweil-Tour auch dem Albertus-Magnus-Gymnasium (AMG) einen Besuch abstattete.
Schulleiter Jochen Schwarz hieß die Landtagspräsidentin zu der Politischen Matinee herzlich willkommen und gab einen kurzen Einblick in die Schulgeschichte des AMG. Die Schüler Moritz Heimburger (AMG) und Niko Franjkovic (LG) moderierten die Veranstaltung und hatten auch Fragen des Leistungsfachs GK KS1 mit auf der Agenda.
Politik muss man verstehen
Oberbürgermeister Christian Ruf begleitete die Veranstaltung ebenfalls und freute sich über das große Interesse der Schüler, bedauerte zugleich aber auch, dass junge Leute heute nur wenig Interesse an Politik zeigen würden. Auch Muhterem Aras sieht diese Entwicklung kritisch. Politik kann mit nicht mögen oder nicht mögen. Politik muss man verstehen, oder verstehen lernen“, sagte sie.
Großes Interesse hatten die Schüler daran, wie die aus der Türkei stammende Politikerin, nach Deutschland, in die Politik und zu den Grünen kam. „Ich war gerade zwölf Jahre alt, als wir mit meinen Eltern und Geschwistern nach Filderstadt zogen. Aufgewachsen war ich in einem kleinen Dorf namens Elmaağaç in Ostanatolien; mit viel Natur und Platz zum Spielen, aber ohne Elektrizität und fließendes Wasser“.
Liebe zu Deutschland
Ihr Vater habe als Gastarbeiter gearbeitet und die Willkommenskultur habe ihr bereits damals sehr gut gefallen. „Hier habe ich gelernt, was es heißt, frei zu sein. Deshalb ist Deutschland meine Heimat geworden. Je mehr ich von der Welt sehe, umso mehr liebe ich Deutschland“, sagte sie.
In der Türkei habe sie vieles nicht sagen dürfen, da sie sonst sofort angefeindet worden wäre. „Als wir nach Deutschland kamen durchliefen wir quasi ein Integrationsprogramm, das getragen war von Zuwendung, von einer ganz selbstverständlichen Willkommenskultur. Das hat nicht nur praktisch Vieles erleichtert. Das hat auch den Weg dahin bereitet, dass ich mich zugehörig fühlte, mich schließlich auch engagieren wollte“, sagte sie. So sei sie schließlich zur Politik gekommen und zu den Grünen. „Nicht wegen der Umweltthemen. Mit meinen Einstellungen zu Gleichberechtigung, Grundwerten und Umweltschutz fühlte ich mich bei den Grünen am besten aufgehoben“.
Hausordnung für die Gesellschaft
Ganz wichtig ist für Muhterem Aras das Grundgesetz – „das ist wie eine Hausordnung für die Gesellschaft, und es sind viele Facetten möglich“, sagte sie. Die Demokratie und die freie Presse hält sie für einen funktionierenden Staat unerlässlich. „Doch Rechte sind nicht selbstverständlich. Die sind auch nicht vom Himmel gefallen“, machte sie deutlich.
Eine Frage, die die Schüler offenbar sehr bewegte war, ob die Demokratie in Europa – gerade mit Blick auf Italien und Frankreich – noch stabil sei. Die Entwicklungen in Frankreich und Italien hält Aras für „besorgniserregend“. Die dürfe man keinesfalls auf die leichte Schulter nehmen. „Die rechtspopulistischen Parteien sehe ich mit großer Sorge“. Doch man müsse sich auch klar darüber sein, dass „unsere Demokratie noch ein sehr junges Pflänzchen ist“, ergänzte Christian Ruf. Erst vor etwa 100 Jahren habe man erste demokratische Gehversuche gemacht.
„Demokratie scheitert oft an Demokraten ohne Rückgrat“, ist die Landtagspräsidentin überzeugt. Deshalb solle man Zivilcourage zeigen. „Jeder ist gefordert zu sagen, wann die rote Linie überschritten ist“, sagte sie.
Zwei Schulstunden lang wurden im Festsaal der Gymnasien viele weitere Themen diskutiert. Die Veranstaltung wurde im Anschluss von den Schülern sehr gelobt und auch Muhterem Aras war sehr angetan von dem Interesse der jungen Leute.