Diese zwei Bewerber sind im Rennen: Frank Bonath und Christoph Keckeisen. Der künftige Landrat wird dann auch das neue Landratsamt einweihen. Foto: Hagen/Schwarz/Drees&Sommer/Montage: Ganter

Die Frist ist um, jetzt steht fest: Zwei Bewerber wollen Landrat im Kreis Rottweil werden. Einige Fraktionen sagen auf unsere Nachfrage deutlich, wer für sie der klare Favorit ist.

Um Mitternacht endete am Montag die Frist für Bewerbungen um die Nachfolge von Landrat Wolf-Rüdiger Michel. Es hätte also durchaus sein können, dass man im Rottweiler Landratsamt am Dienstagmorgen noch eine Überraschung aus dem Briefkasten zieht.

 

Doch dem ist nicht so, wie wir auf Nachfrage bei Pressesprecherin Andrea Schmider erfahren. Es gibt zwei Bewerber: Frank Bonath (53), derzeit FDP-Landtagsabgeordneter für den Schwarzwald-Baar-Kreis, und Christoph Keckeisen (49), derzeit Erster Landesbeamter im Bodenseekreis.

Frank Bonath hatte zuerst seinen Hut in den Ring geworfen – vergangenen Donnerstag gab Christoph Keckeisen seine Bewerbung bekannt. Unsere Redaktion hat inzwischen auch direkt mit ihm gesprochen.

Deutliche Signale vorab Bei Gesprächen vorab mit der CDU – Keckeisen war für die CDU als parlamentarischer Berater im Landtag tätig – und den Freien Wählern habe er „offensichtlich überzeugen können“, freut sich Keckeisen. „Ich gehe mit einem guten Gefühl in die Wahl, ich wurde ermuntert, diesen Weg weiterzugehen“, so Keckeisen.

Der Jurist wohnt mit Frau und Kindern in Immenstaad am Bodensee – und ja, bekräftigt er auf Nachfrage, er werde im Falle seiner Wahl umziehen. „Ein Landrat sollte seinen Wohnsitz im Landkreis haben“, ist er überzeugt. Das habe er mit der Familie bereits besprochen.

Traditionen und starke Wirtschaft

Er sehe bei den beiden Landkreisen viele Gemeinsamkeiten, wie das große Traditionsbewusstsein, und die starke Wirtschaft mit einigen „Hidden Champions“. Gleichzeitig aber auch gerade hier aktuell ähnliche Herausforderungen. Und auch der Bodenseekreis sei wie der Kreis Rottweil sehr ländlich geprägt. „Die Vielfalt macht den Kreis Rottweil aus“, sagt Keckeisen.

Auch Bewerber Frank Bonath, der mit dem Kreis Rottweil in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg immer wieder Berührungspunkte hat, sieht die Themenvielfalt im Kreis Rottweil als besonders reizvoll an, wie er uns im Gespräch Anfang November sagte. Der Kreis stehe als starker Industrie- und Wirtschaftsraum und zugleich ländlicher Raum gut da – es sei ihm vertraut, und doch komme er von außen. Das könne sich als gute Kombination erweisen, wie er meint.

Und auch wenn beide Bewerber betonen, wie wichtig ihnen als künftiger Landrat die überparteiliche Arbeit ist, so spielen die Parteifarben bei der Wahl im Kreistag natürlich sehr wohl eine Rolle.

Das sagen die Fraktionen

Dementsprechend bringt unsere Nachfrage bei den Fraktionen im Kreistag, wie sie den zweiten Bewerber einordnen, wie bisherige Gespräche verlaufen sind und wie die Prognose für die Wahl am 23. März ausfällt, teilweise klare Aussagen.

CDU geschlossen für Keckeisen

Herbert Halder antwortet für die CDU-Fraktion: „Wie bei Landratswahlen üblich, melden sich Interessenten schon im Vorfeld und während der Ausschreibung der Stelle. Dies war auch bei unserer Fraktion so, wir haben mit allen Interessenten Gespräche geführt. Herr Keckeisen überzeugte mit seiner umfangreichen Erfahrung in einer Rechtsanwaltskanzlei, verschiedenen Stellen in den Diensten des Landes, insbesondere als Erster Landesbeamter des Bodenseekreises und natürlich auch mit seiner persönlichen Präsentation. Nach einer finalen Runde hat sich die Fraktion geschlossen für Herrn Christoph Keckeisen ausgesprochen.“ Eine Wahl bleibe natürlich bis zum Schluss spannend, „wir hoffen aber, dass Herr Keckeisen sich bei der Wahl am 23. März durchsetzen kann.“

Favorit der FWV

Für die Freie Wähler Vereinigung (FWV) bekräftigt Thomas Haas: „Die FWV hatte seit Monaten viele Gespräche mit verschiedenen Interessenten. Herr Keckeisen ist der klare Favorit der FWV. Er ist Jurist, dies macht bei der Beurteilung, der überwiegend rechtlichen Sachverhalte Sinn und er kennt als Erster Landesbeamte den Geschäftsgang in einem Landratsamt und die Anforderung an einen Landrat.“

FDP steht hinter Bonath

D ie FDP wird sich am Samstag im Rahmen der Fraktionssitzung mit Christoph Keckeisen unterhalten, wie Dieter Kleinmann auf Nachfrage erklärt. Zwischen Keckeisen und ihm als Fraktionsvorsitzendem habe es bereits ein Telefonat vor der Abgabe seiner Bewerbung gegeben. „Er weiß um die Kandidatur von Frank Bonath, und dass die FDP-Kreistagsfraktion Herrn Bonath unterstützen wird.“ Man habe zwei interessante und qualifizierte Bewerber, bilanziert Kleinmann: einen Diplomvolkswirt und einen Juristen.

Den besten Kandidaten herausfiltern

Für die SPD sagt Berthold Kammerer, dass der Fraktion über Christoph Keckeisen bislang nur das von unserer Redaktion Veröffentlichte bekannt sei. „Das reicht aber noch nicht für eine Bewertung. Wir sind dabei, uns weitere Informationen zu beschaffen.“ Die Fraktion werde versuchen, sich über beide Bewerber ein möglichst umfassendes Bild zu machen, „um den bestmöglichen Kandidaten herauszufiltern“. Bezüglich einer Prognose wolle man denn auch nicht spekulieren, „sondern einen Beitrag zu einer guten Stellenbesetzung leisten.“

Demokratische Auswahl

Sonja Rajsp-Lauer erklärt: „Herrn Keckeisen kennen wir von der Fraktion Grüne/ÖDP persönlich noch nicht, sind aber gespannt, ihn kennenzulernen.“ Dass einige potenzielle Bewerber sich vorgestellt, ihre Bewerbung dann aber später wieder zurückgezogen hätten sei schade, zeige aber auch „wie anspruchsvoll das Amt ist.“ Man freue sich, dass es nun eine demokratische Auswahl gebe und dabei zwei Bewerber zur Wahl stehen, „die erkennbar beide ein fachliches Fundament mitbringen, um dieses wichtige Amt auszufüllen“, so Rajsp-Lauer.

Für AfD „beide geeignet“

Auch Emil Sänze von der AfD hält „beide Kandidaten für geeignet“. Man habe sich aber in der Fraktion noch nicht entschieden und werde darüber noch beraten.

Die Ausgangslage

Die Sitzverteilung

Die Ausgangslage für die Wahl im Kreistag ist wie folgt: die CDU hat 14 Sitze, die FWV zwölf, die AfD sechs, Grüne und SPD fünf und die FDP vier Sitze. Das ergäbe nach den derzeitigen Aussagen ein Votum für Christoph Keckeisen als neuen Landrat. Doch auch der Favorit weiß: „Eine Gremienwahl hat ihre eigenen Gesetze.“

Weitere Hürde

Nun gibt es für die Bewerber noch eine weitere Hürde: Am Montag, 1. Dezember, tagt um 15.45 Uhr der besondere beschließende Ausschuss zur Vorbereitung der Landratswahl und gibt die Bewerbungen bekannt, die dann vom Innenministerium geprüft und offiziell –zugelassen werden müssen.