Das Landratsamt betreut mehr als 130 Gebäude, größtenteils im Eigentum des Kreises. Zwei Büros stellten nun einen Investitionsrückstand in dreistelliger Millionen-Höhe fest.
Es tropft von der Decke, riecht modrig oder fehlt am Platz – eine Führung durch die Georg-Wimmer- und die Maria-Furtwängler-Schule in Lahr diente dem Kultur- und Bildungsausschuss des Kreistags am Dienstag als Einstimmung seiner Sitzung.
Dabei ging es unter anderem ums Geld: Für Sanierungsprojekte an kreiseigenen Schulen veranschlagt die Verwaltung im Doppelhaushalt 2027/28 Ausgaben in Höhe von rund 13 Millionen Euro – bei einer erhofften Förderung von rund vier Millionen. Für Neubauprojekte sollen 20 Millionen eingestellt werden, bei einer geplanten Förderung in Höhe von ebenfalls rund vier Millionen Euro.
Für diese Planung wollte sich die Verwaltung grünes Licht vom Ausschuss einholen. Das Gesamtvolumen der Maßnahmen bis 2034 ist jedoch weitaus umfangreicher, wie Julian Siefert, Leiter des Gebäudemanagements im Landratsamt, vorstellte. Der Kreistag hat bereits 2013 ein Sanierungsprogramm aufgesetzt und seither im Haushalt fortgeführt, um die Gebäude entsprechend zu ertüchtigen.
Bisher investierte der Kreis schon 70 Millionen in Sanierungen
Insgesamt investierte der Kreis so bisher mehr als 70 Millionen Euro für Sanierungsprojekte. Der Schwerpunkt lag zunächst auf der energetischen Sanierung der Gebäude, um Energiekosten zu sparen. Daneben wurden erforderliche Brandschutzmaßnahmen wie Rauchschutztüren und zusätzliche Flucht- und Rettungswege errichtet. Die Schulgebäude sind inzwischen von außen betrachtet in einem guten und ordentlichen Zustand, so das Fazit der Kreisverwaltung – jedoch ist mittlerweile die Haustechnik stark veraltet.
Verwaltung und Kreispolitik sind dazu übergegangen, immer mehr vollständige „Kernsanierungen“ anstatt kleinere Einzelmaßnahmen umzusetzen. Beispiele aus dem aktuellen Haushalt sind etwa die Gewerblichen Schulen Lahr oder die Beruflichen Schulen Kehl, wo nach der Sanierung quasi neue Gebäude entstehen. Um den genauen Sanierungsbedarf der Kreisgebäude zu ermitteln, wurden die Büros WWG-Architekten aus Biberach und das Ingenieurbüro Vertec aus Ettenheim mit der Untersuchung sämtlicher Gebäude beauftragt.
Kreisräte geben grünes Licht für Planungen
Und deren Untersuchungsergebnis hat es in sich: Insgesamt stellten die Büros ein Sanierungsstau von etwa 270 Millionen Euro – ohne Verwaltungsgebäude und Straßenmeistereien – fest. Es gelte angesichts klammer Kassen zu beachten, dass sich die Gefahr von Kabelbränden, Rohrbrüchen und Heizungsausfällen jährlich erhöhe. Insbesondere die elektrotechnischen Anlagen der Gebäude seien eine Achillesferse, heißt es dazu von der Verwaltung.
Um die größten sicherheitsrelevanten Bereiche sowie die Objekte mit dringend benötigtem zusätzlichen Schulraum aufzuzeigen, haben Gebäudemanagement und Amt für Schule und Kultur die Gesamtübersicht der beiden Planungsbüros angepasst.
Die aus Sicht beider Ämter dringendsten Maßnahmen wurden auf einen Zeitstrahl übertragen, der aufzeigt, dass sich die Sanierung der Gebäude gut bis 2034 verteilen lasse. Bei einigen Projekten werden Anbauten oder komplette Neubauten erforderlich sein (siehe Info).
Laut Vorlage sieht die Verwaltung so bis 2034 rund 190 Millionen Euro vor. „Realistisch liegen wir so bei 130 bis 150 Millionen Euro“, erläuterte Siefert unter anderem mit Blick auf zu erwartende Förderungen. Finanzdezernentin Ulrike Karl betonte: „Wir haben so gerechnet, dass wir es uns personell und finanziell zutrauen.“ Die Kreisräte beauftragten die Verwaltung einstimmig, die dringlichsten Projekte in den Entwurf des Doppelhaushalts 2027/28 aufzunehmen.
Neubau-Pläne für Lahrer Schulen
Die Maria-Furtwängler-Schule und die Georg-Wimmer-Schule (SBBZ) in Lahr sind stark sanierungsbedürftig. Zudem haben beide zusätzlichen Raumbedarf. „Hier eine Sanierung anzugehen wäre schon sehr mutig, darum schlagen wir den Neubau vor“, erklärte Landrat Thorsten Erny. Allein die Furtwängler-Schule zu sanieren würde Kosten von mindestens 20 Millionen Euro mit sich bringen, rechnete Julian Siefert, Leiter des Gebäudemanagements im Landratsamt vor. Daher habe sein Amt mögliche Synergie-Effekte geprüft, wenn man beide Schulen in einem Neubau zusammenfassen könnte. Dabei gebe es drei potenzielle Standorte: Am aktuellen Standort der Georg-Wimmer-Schule, in der Nachbarschaft am aktuellen Standort der Maria-Furtwängler-Schule und an der Westendschule. Die Kreisverwaltung favorisiere einen neuen Schulcampus am jetzigen Standort der Georg-Wimmer-Schule. „Wir haben die Chance, einen Standort zu bereinigen: Mit überdimensioniertem Parkplatz und versiegelten Flächen“, so Siefert. Das Grundstück der Furtwängler-Schule könne man nach Abschluss der Zusammenlegung verkaufen. Eine Interimsunterbringung der Schüler der Georg-Wimmer-Schule in Containern sei gut umsetzbar. „Nach ihrer Zustimmung würden wir in die Absprachen mit dem Land gehen“, erklärte Siefert an die Kreisräte gewandt. „Wir stehen ganz am Anfang“, betonte Landrat Erny, vieles hänge von der Absprache ab. Der Ausschuss beauftragte die Verwaltung einstimmig, die Aberkennung der beiden Bestandsgebäude zu forcieren, die drei zur Auswahl stehenden Standorte näher zu untersuchen und anschließend dem Kreistag zur Beschlussfassung vorzulegen.