Der Ernstfall könnte jederzeit eintreten: Beim Landratsamt Rottweil ging kürzlich probeweise die Meldung über ein ASP-positives Wildschwein auf der Gemarkung Deißlingen ein. Was ist in so einem Fall zu tun?
„ASP“ ist die Kurzform für „Afrikanische Schweinepest“, eine hochinfektiöse Viruserkrankung, die in nahezu allen Fällen für die infizierten Tiere tödlich endet.
Mit diesem Virus infizieren können sich nur Haus- und Wildschweine – für den Menschen ist das Virus ungefährlich. In Deutschland sind aktuell vor allem die Bundesländer Brandenburg und Sachsen betroffen, in denen es infizierte Wildschweine gibt.
Größte Gefahr: Abfälle
In Baden-Württemberg ist derzeit kein Fall von einem ASP-infizierten Tier gemeldet, jedoch könne sich das schnell ändern.
„Wir haben das vielleicht schon morgen“, sagt der Leiter des Veterinäramtes Jörg Hauser, der selbst auch bei der Übung vor Ort war.
Die größte Gefahr sehe er in der Übertragung des ASP-Virus durch weggeworfene Fleisch- und Wurstabfälle aus infiziertem Fleisch. Gelangen Wildschweine an diese, übertrage sich das Virus schnell.
Krisenstab plant Ausführung der Aktion
Um die Übung möglichst realitätsnah umzusetzen, wurde in Rottweil ein Krisenstab einberufen. Es wurden Geo-Daten aufgearbeitet, Drohnenbilder erstellt, Grundstücksbesitzer, Förster und Jäger informiert und so schließlich entschieden, einen Elektrozaun unterhalb der Autobahnbrücke im Neckartal anzubringen. Damit werde der Wildwechsel und eine damit einhergehende Verbreitung des Virus unterbunden, so Jörg Hauser.
Dieses Gebiet unterhalb der Brücke sei durch ein starkes Gefälle „herausforderndes Gelände“, wie der Amtsleiter betont, „wir haben es uns nicht einfach gemacht“. Im Ernstfall wäre dies natürlich nicht die einzige Maßnahme, sondern nur eine von vielen.
Durch eine Allgemeinverfügung könnten beispielsweise so genannte „Restriktionszonen“ eingerichtet werden. Im schlimmsten Fall dürften diese nicht einmal mehr betreten werden, selbst Straßen könnten gesperrt werden.
Auf den Ernstfall vorbereitet
Trotz der erschwerten Umstände gelang es den Helfern, innerhalb von zwei Stunden knapp einen Kilometer Elektrozaun zu verlegen. Helfer waren zahlreich vor Ort: Angestellte des Landratsamtes Rottweil aus verschiedenen Bereichen, der Katastrophenschutz, Vertreter der Forst- und Jägerschaft, das Technische Hilfswerk und die Gemeinden Deißlingen und Zimmern.
Der Zaun wurde aus Aulendorf geliefert. Dort sind für den Ernstfall 120 Kilometer Elektrozaun gelagert, auf die schnell zugegriffen werden kann.
Eine weitere Präventionsmaßnahme sei die spezielle Ausbildung von ASP-Suchhunden, die die Überreste von infizierten Tieren oder deren Ausscheidungen, die für andere Tiere weiterhin infektiös sind, erschnüffeln können.
Probleme der Praxis haben sich gezeigt
Die Aktion war sehr erfolgreich, so die erste Einschätzung des Landratsamtes. „Selbst der schönste Film nützt manchmal nichts. Man muss es mal selber in die Hand genommen haben und es mal gesehen haben“, sagt Ulrich Niefer vom Katastrophenschutz.
„Probleme der Praxis“ zeigten sich schnell. Zum Beispiel habe man gemerkt, dass man im Ernstfall Funkgeräte bräuchte, um die Kommunikation innerhalb des Teams zu verbessern.
Schnelle Reaktion ist wichtig
Die Krisenübung wurde dieses Mal bereits nach zwei intensiven Tagen wieder beendet, im Ernstfall allerdings würden sich die Maßnahmen über mindestens zwei Jahre hinweg fortsetzen. Das würde einen hohen Arbeitsaufwand und enorme Kosten nach sich ziehen.
Deshalb appelliert der Veterinäramtsleiter immer wieder an Förster, Jäger und Landwirte, tote Tiere zu untersuchen, um eine frühzeitige Erkennung des Virus zu ermöglichen. Das wichtigste Ziel im Umgang mit einem ASP-Fall sei nämlich eine schnelle Reaktion, um das Ausbruchsgebiet so klein wie möglich zu halten.
Man brauche jetzt aber nicht vor Angst erstarren, so die abschließenden Worte des Amtsleiters, „wenn es soweit ist, werden wir tun, was zu tun ist.“