Das Risiko ist groß, die möglichen Krankheiten gefährlich, die Vorsorge intensiv. Im Calwer Landratsamt ist das Thema Zecken gerade allgegenwärtig.
Das Risiko ist groß. In ganz Baden-Württemberg. Bis auf den Stadtkreis Heilbronn ist das ganze Land Hochrisikogebiet in Sachen Zecken und FSME. In den Risikogebieten kann jede 20. bis 50. Zecke Virusträger sein. Die Zahl der registrierten FSME-Erkrankungen in Baden-Württemberg liegt zwischen 100 und 250 Fällen pro Jahr. Im gesamten Bundesgebiet liegt diese Zahl zwischen 300 und 500 Fällen. Das bedeutet, dass die Hälfte aller FSME-Erkrankten in Deutschland in Baden-Württemberg gemeldet werden.
Und mit der FSME ist nicht zu spaßen. FSME-Infektionen verlaufen oft ohne Krankheitserscheinungen. Bei etwa einem Drittel der infizierten Personen können jedoch grippeartige Erscheinungen mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen auftreten.
Schwere und bleibende Schäden bei bis zu zehn Prozent der Betroffenen
Bei fünf bis zehn Prozent aller Infektionen kommt es nach Angaben des baden-württembergischen Gesundheitsministeriums aber nach einem symptomfreien Intervall zu Hirnhaut- und Gehirn-Entzündungen, die vor allem bei älteren Menschen zu bleibenden Schäden führen können.
Bei der FSME gibt es keine Behandlungsmöglichkeit. Einen sicheren Schutz bietet laut Ministerium nur die Impfung, die allen Personen empfohlen wird, die gegenüber Zecken exponiert sind.
In den Reihen der Mitarbeiter des Calwer Landratsamtes setzt sich ein großer Teil dieser Gefahr aus. Mara Müssle, Sprecherin des Calwer Landratsamtes, gibt die Zahl der betroffenen Kollegen auf Anfrage der Redaktion mit 116 an. Dazu gehören nicht nur die, die im Wald arbeiten, wie Förster, Revierleiter oder andere Mitarbeiter der Abteilung Forstbetrieb und Jagd.
Es sind auch die Straßenwärter, die sich um die Sicherheit auf und an den Straßen im Landkreis kümmern, die in Gefahr schweben. Besonders wenn es um Mäh- und Gehölzarbeiten an den Straßenrändern geht.
Gefahr selbst bei der Geschwindigkeitsmessung
Aber auch Mitarbeiter, bei denen man es nicht sofort vermuten würde, sind in Zeckengefahr: Dazu zählen auch die Kollegen von der Vermessung, die sich in der Natur aufhalten, oder aus der Abteilung Landwirtschaft und Naturschutz, ergänzt Susanne Rentschler von der betrieblichen Gesundheitsförderung und der Koordinationsstelle für Arbeitssicherheit beim Landkreis Calw. Selbst die Kollegen, die bei der Geschwindigkeitsmessung unterwegs sind, sind potenzielle Zeckenopfer. Denn: Für einen Zeckenangriff reicht oft auch ein kleines Wiesenstück, weiß Rentschler.
Der Gefahr ist man sich bei der Behörde natürlich bewusst, deswegen haben alle gefährdeten Kollegen Zeckenwerkzeug mit dabei, damit man die lästigen Insekten schnell vom Körper entfernen kann.
Doch dabei bleibt es nicht. Gemäß Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) und speziellen Unfallvorschriften ist vom Arbeitgeber Schutzkleidung für die in der Gefährdungsbeurteilung festgelegten Tätigkeiten zu stellen, informiert Pressesprecherin Mara Müssle.
Wer Schutzkleidung bekommt, entscheidet die zuständige Führungskraft, die für die Erstellung der Gefährdungsbeurteilung zuständig ist. Berufsgruppen wie Straßenwärter oder Revierleitende tragen grundsätzlich Schutzkleidung für ihre Tätigkeiten (lange Hose, evtl. langes Hemd, Sicherheitsschuhe). Dafür gibt es beim Landratsamt sogar ein eigenes Budget.
Landratsamt spricht eine Impf-Empfehlung aus
Als präventive Maßnahme können die Mitarbeiter vor der Tätigkeit ein Zeckenspray auftragen. Nach der Tätigkeit wird das Absuchen nach Zecken empfohlen. Als Schutzmaßnahme für Personen mit Zeckenexposition empfiehlt die STIKO die FSME-Impfung.
Dieser Empfehlung schließt sich das Landratsamt an. Die Impfungen können bei Bedarf vom eigenen Betriebsarzt verabreicht werden. „Eine Impfpflicht gibt es bei uns aber nicht“, klärt Susanne Rentschler abschließend auf. „Es gibt nur eine Empfehlung.“
INFO
Schutz vor Zeckenstichen
Geschlossene Kleidung – zum Beispiel die Hosenbeine in die Socken stecken – und festes Schuhwerk erschweren der Zecke den Kontakt zur Haut, bieten aber keinen absolut sicheren Schutz. Auch insektenabweisende Mittel, so genannte Repellentien, können einen gewissen, aber keinen umfassenden Schutz bieten. Wer sich in einem möglichen Zeckengebiet aufgehalten hat, sollte sich nach dem Aufenthalt in der freien Natur oder in naturnahen Gärten am ganzen Körper sorgfältig untersuchen. Zecken stechen nicht direkt beim Kontakt mit dem Wirt, sondern suchen sich zunächst eine passende Körperstelle. Sie setzen sich bevorzugt in feucht-warmen Körperregionen fest, also in der Kniekehle, Leistengegend oder Achselhöhle. Den besten Schutz gegen die FSME bietet die aktive Schutzimpfung, die für alle Personen, die gegenüber Zecken exponiert sind, in ganz Baden-Württemberg öffentlich empfohlen ist. Die Impfung kann ganzjährig durchgeführt werden. Es empfiehlt sich jedoch, mit der Grundimmunisierung in der kalten Jahreszeit zu beginnen, damit zu Beginn der Zeckenzeit ein Immunschutz besteht. Es besteht aber auch die Möglichkeit einer schnellen Immunisierung, bei der zwei bis drei Impfungen in kurzen Abständen gegeben werden. Es stehen gut verträgliche FSME-Impfstoffe für Erwachsene und Kinder zur Verfügung.
Wer ist gefährdet?
Zecken finden sich vor allem im lichten Unterholz bis ein Meter Höhe und im hohen Gras, aber auch in stadtnahen Parks und Gärten. Deshalb sind Jäger, Waldarbeiter, Wanderer, Pilzsucher und Camper besonders gefährdet. Auch Spaziergänger und Kinder sind potenzielle Wirte, selbst wenn sie sich nur kurz in Wald und Wiese aufgehalten haben.
Was tun nach einem Zeckenstich?
Zecken verankern sich durch ihre mit Widerhaken versehenen Mundwerkzeuge in der Haut und sollten nach einer Entdeckung schnellstmöglich entfernt werden. Dies gelingt zum Beispiel mit Hilfe einer sehr feinen Pinzette, mit der die Zecke ganz vorn an den Mundwerkzeugen gefasst und langsam nach oben herausgezogen wird. Andere Hilfsmittel sind so genannte Zeckenkarten oder eine feine Drahtschlinge (Zeckenlasso). Die Zecke sollte möglichst schnell entfernt werden, da die Stichdauer, besonders bei der Übertragung der Borrelien eine entscheidende Rolle spielt. Wenn möglich, sollte die Stichstelle anschließend desinfiziert werden. Manchmal gelingt es nicht, die Zecke im Ganzen zu entfernen und Teile der Zeckenmundwerkzeuge bleiben in der Haut zurück. Diese sind jedoch unbedenklich, denn es befinden sich keine Krankheitserreger in ihnen. Nur beim Auftreten von Entzündungen sollte ein Arzt aufgesucht werden.