Gesucht – aufgearbeitetes, trockenes Brennholz für den nächsten Winter Foto: Edwin Haag

Mächtig Stress aktuell für den Wald und die Waldarbeiter. Wir haben mal mit Edwin Haag von der Holzverkaufsstelle des Landratsamtes gesprochen, wie die Lage im Wald und am Holzmarkt aktuell so ist.

Nordschwarzwald - Trockenheit und Borkenkäfer setzen den Wäldern aktuell mächtig zu. Dazu kommt, dass Holz auch einen Teil der drohenden Energiekrise lösen soll. Klingt nach mächtig Stress für den Wald und die Waldarbeiter. Wir haben mal mit Edwin Haag von der Holzverkaufsstelle des Calwer Landratsamtes gesprochen, wie die Lage im Wald und am Holzmarkt aktuell so ist.

Angesichts des Ukraine-Kriegs und drohender Gasknappheit droht eine Energiekrise. Welche Auswirkungen hat das auf den Preis von Holz?

In erster Linie verursacht der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine unvorstellbares Leid für die betroffenen Menschen. Der Überfall und die damit verbundenen geopolitischen Auswirkungen haben erhebliche Auswirkungen auf die Märkte. Sie sind in ihrem Ausmaß momentan schwer einzuordnen und werden auch durch andere Markteinflüsse überlagert. Der Holzpreis ist in erster Linie ein Marktpreis, dabei müssen wir unterscheiden von welchem Sortiment wir sprechen. Wir unterscheiden zum Beispiel jeweils zwischen Fichten, Tannen, Kiefern, Lärchen, also das Stammholz für die klassischen "Schwarzwaldsäger"; zwischen Buchen oder Eichen, also Stammholz für die "Laubholzsäger" in Süddeutschland, zwischen Verpackungs- und Palettenhölzern für die noch existierenden zahlreichen kleineren Sägen in Baden-Württemberg sowie zwischen Schleif-, Papier und Zellstoff für die Papier- und Kartonagenwerke im Murgtal. Schließlich stellen die Waldbesitzer, wenn auch in sehr überschaubarem Umfang, Brennholz und Hackholz für die energetische Nutzung bereit. Brennholz überwiegend für die örtliche Bevölkerung, Hackholz für die regionalen Hackschnitzelanlagen, etwa in Schulen und Kliniken. Die derzeitige Nachfrage nach Brennholz, insbesondere von gewerblichen Händlern, übersteigt das lieferbare Angebot. Im Übrigen findet der Laubholzeinschlag und damit das gesuchte Buchenbrennholz erst nach Laubabfall im Herbst statt. Ich erwarte für den Herbst, dass die Nachfrage nach Brennholz den Preis für das wertvollere Buchenstammholz stützen wird.

Welche Auswirkung hat das wiederum auf die Menge des geschlagenen Holzes?

Man muss wissen, dass Holz in erster Linie genutzt wird, um die Wälder zu pflegen, zu stabilisieren und zu klimagerechten Wäldern umzuwandeln. Dabei spielt die kontinuierliche Holznutzung über Jahrzehnte hinweg eine ganz entscheidende Rolle. Kurzfristige Ereignisse spielen beim Waldumbau, der auf 50 bis 100 Jahre ausgelegt ist, keine Rolle. Für die öffentlichen Wälder in Baden-Württemberg sind sogenannte Forsteinrichtungswerke für jeweils zehn Jahre vorgeschrieben. Darin sind unter anderem die Ziele und Vorstellungen der Waldbesitzer berücksichtigt als auch gesetzliche Vorgaben enthalten, nicht mehr Holz einzuschlagen als nachwächst. Ich erinnere daran, dass der strapazierte Begriff der Nachhaltigkeit schon vor mehr als 300 Jahren von Hans Carl von Carlowitz als Leitlinie einer Forstwirtschaft entworfen wurde, bei der "zu bedenken […ist] wo ihre Nachkommen Holz hernehmen sollen". Diesem Grundsatz ist jeder Waldbesitzer gesetzlich verpflichtet und wird ihm gerecht. Dies bedeutet folglich, dass die Menge an Holz, das von den Waldbesitzern eingeschlagen wird, nicht beliebig noch erhöht werden kann. Wir erleben angesichts der aktuellen Gaskrise einen Run auf Brennholz, Energieholz und Biomasse. Unsere Waldbesitzer sind aber gut beraten, den Weg der bisherigen nachhaltigen Waldbewirtschaftung beizubehalten und das Holz in erster Linie für die stoffliche Verwendung, das heißt als Rohstoff für Bau- und Werkstoffe, bereitzustellen.

Wie viel Holz ist im Kreis Calw in den vergangenen Monaten geschlagen und verkauft worden? Wie viel war das im Vergleich zu den Vorjahren?

Wir sind aktuell bei 80 000 Festmetern Holz im Jahr 2022, das sind circa 70 Prozent unseres durchschnittlichen Jahreseinschlags. Die Menge des Holzes ist für die Jahreszeit völlig normal.

Welche Rolle spielen Dürre und Borkenkäfer aktuell beim Holzeinschlag?

In den Sommermonaten wird planmäßig weniger Holz eingeschlagen. In dieser Zeit sind meine Kolleginnen und Kollegen mit Käferholzsuche und deren Aufarbeitung beschäftigt. Das ist gerade in sehr warmen, trockenen Jahren enorm wichtig, um einer Borkenkäferkalamität frühzeitig entgegenzuwirken. Unsere Bäume leiden momentan sehr unter der Hitze und dem fehlenden Wasser. Seit Mai haben wir rekordverdächtige Temperaturen im Nordschwarzwald und kaum Niederschläge. Einerseits stresst dies unsere Wälder sehr und andererseits sind dies hervorragende Bedingungen für eine rasante Borkenkäferentwicklung. Eine solche Massenvermehrung des Buchdruckers gilt es unbedingt zu vermeiden, daran arbeiten wir zurzeit. Nicht nur wir Förster hoffen auf Regen in den nächsten Wochen.

Es wird viel über optimale Rohstoffnutzung und einen verantwortungsvollen Umgang mit den vorhandenen Ressourcen gesprochen. Welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang der Rohstoff Holz?

Holz ist ein umweltfreundlicher, nachwachsender Rohstoff mit großem Potenzial. Mit über elf Millionen Hektar Wald in Deutschland ist fast ein Drittel des Landes bewaldet. Unsere Wälder produzieren kontinuierlich Holz, dabei werden Treibhausgase gebunden und Holz ist biologisch abbaubar. Jedes Produkt aus Holz speichert CO2 – und zwar eine Tonne Kohlenstoff pro Kubikmeter Holz. Je nach Verwendungsdauer bleibt dieser über viele Jahrzehnte gebunden. Wenn jetzt andere CO2-verursachende Materialen wie Beton, Aluminium, Ziegel, Stahl durch Holzprodukte ersetzt werden, wirkt sich diese Substitution positiv auf die CO2-Bilanz aus. Die klimarelevante Nutzung von Holz und natürlich auch die Wälder selbst als riesige Kohlenstoffspeicher kommen deshalb immer mehr in den gesellschaftlichen und politischen Fokus. Die Nachverdichtungen des Wohnraums in unseren Städten basiert auf dem Holzbau, zunehmend auch beim Hochhausbau. Wenn dann noch Holz aus der Region Verwendung findet, sind die Wege kurz und die Umweltbelastung sinkt. Bei einer nachhaltigen Nutzung ist Holz der Rohstoff der Zukunft.