Landrat Thorsten Erny (Mitte) hat Hausach und Bürgermeister Wolfgang Hermann (links) besucht. Mit ihm und den Gemeinderäten hat er einen Rundgang von Geschäftsführer Sebastian Hildbrand bei Kienzler Stadtmobiliar bekommen. Foto: Agüera

Landrat Thorsten Erny hat sich beim Besuch der Stadt Hausach unter anderem Sorgen und Nöte der Unternehmer angehört.

Kreisumlage, Hochwasserschutz und Breitbandausbau – all das waren Themen, die die Hausacher Firmeninhaber beschäftigen, wurde beim Besuch von Landrat Thorsten Erny am Mittwoch deutlich. Bei seinem Besuch nutzte Erny auch die Gelegenheit, hinter die Kulissen von Kienzler Stadtmobiliar in der Vorlandstraße zu schauen – zumindest theoretisch.

 

Geschäftsführer Sebastian Hildbrand erklärte anschaulich die innovativen Produkte, Dienstleistungen und Möglichkeiten im Bereich des Stadtmobiliars, unter anderem von Wartehallen und Schließanlagen über Radparksysteme bis hin zu deren Buchungs- und Zugangsmodalitäten. Dies stieß auf großes Interesse beim Landrat und Bürgermeister Wolfgang Hermann mit seinen Amtsleitern und den Fraktionsvorsitzenden aus dem Hausacher Gemeinderat.

Hochwasser-Themen und bürokratische Probleme

Selbst Hand anlegen durften die Beteiligten bei den ausgestellten Radboxen und anderen Radparksystemen. Kommunalpolitisches Thema war zudem der unterbrochene Hochwasserdamm im Bereich Neumatten. Bei einem Jahrhunderthochwasser würde das Unternehmen erheblichen Schaden erleiden, betonte Hildbrand, was auch später in der Gesprächsrunde mit weiteren Unternehmern im Rathaus erneut Thema war. Dort zeigte sich, dass auch andere Hausacher Firmen vom Hochwasser betroffen sind.

Aktuell sei sie in Gesprächen mit ihrem Versicherer, der absurd hohe Auflagen verlange „dafür, dass wir überhaupt noch versichert sind“, veranschaulichte zum Beispiel Meike Beck-Uhl von der Firma Kies Uhl. Sie sprach außerdem lange Wartezeiten bei Anträgen an: „Wir haben einmal zwölf Jahre lang auf eine Genehmigung zur Erweiterung gewartet, weil die Antwort vom Landratsamt so lange gedauert hat.“

Erwin Moser von Moser Herrenmode fragte, „wie wir es schaffen, dass die Menschen wieder den Einzelhandel in der Region unterstützen, denn das sind die, die sich auch für die Vereine engagieren und viel mehr machen als Amazon und Co., die sich das Geld nur in ihre eigene Tasche stecken“. Erny bezweifelte, dass es damit klappen könnte, „die Leute an die Tränke zu führen, dass sie selbst saufen“. Vielmehr müsse der Einzelhandel noch mehr zusammenarbeiten und mit kulturellen Aktionen die Leute wieder in den Ort locken.

Es müsse einen Sinneswandel bei den Lehrern geben.

Die Jugend und ihr fehlendes Interesse an Handwerksberufen sprach Sandy Fleig vom gleichnamigen Versorgungstechnik-Unternehmen an. „Wie kriegen wir die Jugend wieder da hin, dass sie in ein sinnvolles Berufsleben einsteigen und wieder Interesse daran kriegen, sinnvolle Arbeit mit den Händen zu lernen?“ Sie bemängelte die fehlende Entwicklung im Kindergarten und der Grundschule in Richtung Berufsausbildung. „Das ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, bei der ich als Landrat nur der Randplayer bin. Es ist eine Herausforderung, in einem so großen Landkreis wie der Ortenau alle zusammenzubringen“, erklärte Erny. Es müsse auch einen Sinneswandel bei den Lehrern geben.

Ein flächendeckendes Problem erklärte Martin Wenz vom E-Werk Mittelbaden: „Wir haben ein Netzentgeltproblem, weil wir erneuerbare Energien irgendwo in der Walachei ausgebaut haben und für Übertragungsnetze in den Boden liegen die Kosten und Auflagen beim Faktor fünf. Es wurde uns versprochen, die Stromsteuer abzuschaffen, doch nun hängen wir in der Schwebe.“

„Wir müssen das genau so im Städtetag auch formulieren, dass wir uns nicht mehr gehört fühlen und uns die Verlässlichkeit fehlt, die wir als Kommune und Landratsamt bieten wollen“, pflichtete der Landrat ihm bei.