Landrat Thorsten Erny blickt zu Silvester zurück: Kreistag und Verwaltung haben demnach unter schwierigen Bedingungen den Handlungsspielraum gesichert.
Schwierige Finanzplanungen, harte Einschnitte aber umfangreiche Investitionen – das sich dem Ende zuneigende Jahr hatte es kommunalpolitisch durchaus in sich. Thorsten Erny zieht zum Jahreswechsel Bilanz seines ersten Kalenderjahres, dass er komplett im Amt des Landrats verbracht hat. Gleichzeitig dankt der Chef der Kreisverwaltung den mehr als 2700 Mitarbeitern des Landratsamts für ihren Einsatz für die Bürger. „Zusammen halten wir die Ortenau am Laufen“, so Erny laut Mitteilung des Landratsamts.
Jahr startet mit neuem Rekord-Doppelhaushalt: Mit dem vom Kreistag zu Jahresbeginn verabschiedeten Doppelhaushalt 2025/26 mit einem Volumen von rund 1,7 Milliarden Euro reagierte der Ortenaukreis auf deutlich steigende Sozialausgaben. Die Kreisumlage wurde auf 32,5 Prozentpunkte erhöht, um Kliniken, Soziales, Schulen, Verkehr und weitere Pflichtaufgaben finanzieren zu können. Gleichzeitig hat die Verwaltung Einsparungen in zweistelliger Millionenhöhe und eine Nullrunde beim Personal umgesetzt, heißt es im Jahresrückblick des Landratsamts. „Wir haben einen ehrlichen Sparhaushalt aufgestellt, der deutliche Einschnitte mit sich bringt, aber die Handlungsfähigkeit des Kreises erhält“, sagt Landrat Thorsten Erny zum Haushalt.
2025 reihten sich viele Gremiensitzungen aneinander: Im zu Ende gehenden Jahr kam der Kreistag zu fünf Sitzungen zusammen, hinzu kamen 16 Sitzungen der beschließenden Ausschüsse, fünf Sitzungen des Verwaltungsrats Ortenau Klinikum und drei Sitzungen des Aufsichtsrats Ortenau MVZ. Insgesamt befassten sich Kreistag und Ausschüsse mit 177 Tagesordnungspunkten und investierten dafür mehr als 64 Stunden Sitzungszeit. „Die Zahlen zeigen, wie intensiv Kreistag und Ausschüsse arbeiten“, so Erny. „Dass sie diese verantwortungsvolle Aufgabe neben Beruf, Familie und anderen Verpflichtungen ausüben, ist alles andere als selbstverständlich. Dafür gilt den ehrenamtlich tätigen Kreisrätinnen und Kreisräten mein ausdrücklicher Dank.“
Ein Schwerpunkt ist die Gesundheitsversorgung: Beim Klinikneubau in Achern steht nach rund 18 Monaten Bauzeit der Rohbau des rund 160-Millionen-Euro-Projekts; ab 2027 sollen dort jährlich mehr als 30 000 Patienten versorgt werden. Mit der feierlichen Eröffnung des Pflegeheims im Zentrum für Gesundheit Gengenbach im September nahm zudem die erste und größte Einrichtung im Neubau auf dem ehemaligen Klinikgelände ihren Betrieb auf. In Offenburg konnte auf Initiative von Landrat Erny im Oktober eine drohende Lücke in der Kinder- und Jugendarztversorgung geschlossen werden, indem das kreiseigene MVZ einen Kinderarztsitz am Ebertplatz übernommen hat. „Das ist ein starkes Signal für viele Familien“, so Erny.
Wichtige Infrastrukturprojekte vorangebracht: Erny erinnert unter anderem an den Neubau der Straßenmeisterei in Haslach, Radwegeprojekte in Friesenheim und Schutterwald, den Spatenstich für die Nordtangente Achern – die zu den größten Infrastrukturprojekten der Region zählt –, die Erweiterung am FAZ Mattenhof und die Fertigstellung des Verwaltungsgebäudes in Kehl. Ein zentrales Projekt im Bevölkerungsschutz ist der Neubau der Integrierten Leitstelle Ortenau in Gengenbach, für den 2025 der Spatenstich erfolgte. Dort werden künftig Feuerwehr- und Rettungsdiensteinsätze für den gesamten Ortenaukreis koordiniert. „Die neue Leitstelle wird Herzstück unserer nicht-polizeilichen Gefahrenabwehr“, erklärt Erny. „In Notlagen zählt jede Sekunde – mit dem Neubau schaffen wir die Grundlage, damit Hilfe auch künftig schnell und zuverlässig ankommt.“
Entscheidung für den Kauf des Burda-Areals: Lob fand Landrat Erny für die Entscheidung des Kreistags im Dezember zum Kauf eines rund 16 000 Quadratmeter großen Grundstücks auf dem Burda-Areal („Alte Druckerei“) an der Kronenstraße in Offenburg. Der Ortenaukreis sicher sich damit eine strategische Standortreserve für die langfristige Entwicklung des Landratsamts; eine kurzfristige Bauentscheidung sei damit nicht verbunden. „Wir investieren hier nicht in Beton, sondern in Handlungsspielraum“, betont Landrat Erny. „Wer eine sinnvolle Entwicklung des Landratsamts will, braucht Optionen. Mit dieser Entscheidung hat der Kreistag die Grundlage geschaffen, dass der Ortenaukreis auch in Zukunft handlungsfähig bleibt – für unsere Bürgerinnen und Bürger ebenso wie für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“
Größter Kreis im Land
Der Ortenaukreis ist mit 1861 Quadratkilometern der größte Landkreis Baden-Württembergs. Rund 445 000 Bürger leben in 51 Städten und Gemeinden zwischen Rhein und Schwarzwald, heißt es in der Mitteilung der Kreisverwaltung. Das Ortenauer Landratsamt beschäftigt mehr als 2700 Mitarbeiter an mehreren Standorten. Zudem ist der Ortenaukreis Träger des Ortenau-Klinikums, einer gemeinnützigen Kommunalanstalt des öffentlichen Rechts mit rund 6400 Mitarbeitern, die als viertgrößter kommunaler Klinikverbund Baden-Württembergs fungiert.