Der Landrat ist sich sicher: Hier an der B 415 in Langenwinkel ist das neue Lahrer Krankenhaus gut aufgehoben. Foto: Stadt Lahr

Angesichts unsteter Zeiten im Gesundheitsbereich mehrten sich zuletzt Zweifel, dass in Langenwinkel tatsächlich wie geplant ein neues Krankenhaus gebaut wird. Der neue Landrat wischt diese nun beiseite.

Die Ankündigung von Gesundheitsminister Karl Lauterbach, in Deutschland werde es in naher Zukunft „ein paar Hundert Krankenhäuser weniger“ geben, gepaart mit möglichen baldigen Regierungswechseln in Bund und Land, sorgten in der Region zuletzt für Unsicherheit: Wird die Zusage aus Stuttgart Bestand haben und in Lahr wirklich ein neues Klinikum entstehen? Unsere Redaktion hat diese Frage an Neu-Landrat Thorsten Erny weitergegeben. Seine Antwort: ein klares Ja.

 

Aus Sicht des Landrats hat der „Ortenaukreis seine Hausaufgaben deutlich früher erledigt“ als andere. Die Auswirkungen der sogenannten Agenda 2030 hat Erny als damaliger Bürgermeister von Gengenbach 2018 leidvoll erfahren müssen, als nicht nur für seine Stadt, sondern auch in Ettenheim, Oberkirch und Kehl Klinikschließungen beschlossen wurden. Dazu wird es in Offenburg künftig nur noch ein statt wie bisher zwei Häuser geben. „Wir machen aus neun Standorten vier“, rechnet der Landrat vor – und leitet daraus „für den größten Kreis im Land einen gewissen Anspruch“ ab. Konkret: Neben dem Bestand in Wolfach und den bereits begonnenen Bauten in Offenburg und Achern werde es auch in Lahr ein neues Krankenhaus geben. „Das ist gesetzt. Diesen Ehrgeiz und diese Zuversicht habe ich“, so der 55-Jährige.

Noch als Mitglied des Kreistags habe er schon früh für einen Neubau in Lahr plädiert, statt für eine lange Zeit angedachte Sanierung des aktuellen Klinikums am Altvater, berichtet Erny: „Die Investitionen und Anbauten, die man in Lahr in der Vergangenheit getätigt hat, waren seinerzeit richtig und wichtig. Als sich nun aber die Chance abzeichnete auf ein neues, modernes Krankenhaus, war mir sofort klar, dass man diese ergreifen muss.“

„Optimale Erreichbarkeit“

Vorteile des avisierten Standorts sieht der Landrat vor allem in der Lage direkt an der B 415 und nur einen Steinwurf von der Autobahn entfernt: „Die Erreichbarkeit ist für Patienten, Ärzte und Pflegekräfte optimal. Nicht zu vergessen: die Entlastung für die Anwohner am aktuellen Standort.“

Ziel des Landrats ist, die Gesundheitsversorgung in der (südlichen) Ortenau auf stabile Beine zu stellen, auch finanziell. Bekanntlich will der Ortenaukreis im Januar einen Förderantrag für die Lahrer Planungskosten auf den Weg bringen. Insgesamt erhofft man sich für den 283-Millionen-Euro-Bau, der einmal über 330 Betten verfügen soll, einen Landeszuschuss von mindestens 60 Prozent. Das Lahrer Krankenhaus, ist sich Erny sicher, werde dazu beitragen, das Betriebsdefizit des Ortenau-Klinikums deutlich zu reduzieren. Das Versprechen: „Mit einer sehr guten Grundversorgung, gepaart mit einigen medizinischen Schwerpunkten, wird das Lahrer Krankenhaus zu einem Erfolgsmodell. Dafür sorge ich.“

Keine Zweifel an der Stadt Lahr

Doch bis es so weit ist, wird es noch dauern – und ist zunächst die Stadt Lahr gefordert. Denn sie muss, so lautet der Deal, dem Ortenaukreis bis zum geplanten Baustart im Jahr 2027 das Klinik-Grundstück baureif und erschlossen zur Verfügung stellen.

Hat der Landrat angesichts avisierter Kosten im klar zweistelligen Millionenbereich und der schwierigen finanziellen Lage der Stadt Bedenken? Von Erny kommt ein „deutliches Nein“. Er ist sich sicher, dass „Verwaltung und Gemeinderat fokussiert arbeiten“ und „die richtigen Prioritäten für die Zukunft setzen“. Denn: „So eine Chance bekommt man nicht zweimal.“