Der Beginn einer neuen Ära im Kreis Rottweil: Regierungspräsident Carsten Gabbert (links) vereidigt am Montag den neuen Landrat Christoph Keckeisen. Foto: Otto

Es ist durchaus ein historischer Moment: Mit der Vereidigung von Christoph Keckeisen beginnt eine neue Ära im Kreis Rottweil. Seine klare Botschaft lautet: Es geht nur gemeinsam.

Das kurzzeitige Donnergrollen über der Halle in Villingendorf am Montagnachmittag dürfte ganz und gar kein Omen sein für den Start ins neue Amt von Christoph Keckeisen. Im Gegenteil: In der Kreistagstagssitzung, in der der 49-Jährige als Landrat feierlich vereidigt wird, dominiert die Vorfreude auf ein gutes Miteinander, die Zuversicht, dass die konstruktive Zusammenarbeit mit dem Kreistag erfolgreich fortgeführt werden kann und die Gewissheit, dass künftige Herausforderungen nur gemeinsam zu meistern sind.

 

Dabei sind die Gäste fast dieselben wie vor drei Wochen, als Landrat Wolf-Rüdiger Michel nach 24 Jahren in den Ruhestand verabschiedet wurde. Dass die Vereidigung als „historisches Ereignis“ nun „in der modernsten und schönsten Halle im Kreis“ stattfinde, wie Gastgeber Marcus Türk, erster stellvertretender Vorsitzender des Kreistags, schmunzelnd bei der Begrüßung meinte, freue ihn besonders.

Der Kreistag hat an diesem Montag nur einen Tagesordnungspunkt: Keckeisens Vereidigung. Foto: Otto

Mit Christoph Keckeisen – zuvor Erster Landesbeamter im Bodenseekreis – beginne eine neue Ära im Kreis Rottweil. Der Kreistag habe hart dafür gearbeitet, den Landkreis zukunftsfähig zu machen, gleichwohl warten große Herausforderungen, so Türk.

Es sei eine „gewaltige Verantwortung für jeden einzelnen Einwohner“, die der neue Landrat übernehme. Doch er sei sich sicher, dass Christoph Keckeisen die Aufgabe mit seiner umfangreichen Erfahrung und seiner Persönlichkeit mit Bravour meistere. „Der Kreistag wird Ihnen ein verlässlicher Partner sein“, sicherte Türk dem neuen Landrat zu.

Wichtige Funktion in der Demokratie

Die wichtige Funktion der Landräte in der Demokratie hob Regierungspräsident Carsten Gabbert hervor – und er betonte, das Keckeisen die geeignete Persönlichkeit habe, um diesem Amt gerecht zu werden. Der Landkreis Rottweil sei ein starker Wirtschafts- und Bildungsstandort, noch dazuhin mit vielen Aushängeschildern in Sachen Tourismus, dennoch seien auch hier die aktuellen Herausforderungen zu spüren.

Allerdings, so Gabbert, sei die Stimmungslage in Deutschland schlechter, als es die Zahlen eigentlich hergeben. Es sei eben nicht richtig, dass der Staat nicht funktioniere. Dies gelte es, in der Verwaltung zu beweisen. Im Regierungspräsidium helfe man gerne dabei, dass auf die erfolgreiche Ära Michel nun eine erfolgreiche Ära Keckeisen folgt.

Freude auf hochmotivierten Landrat

„Wir freuen uns auf einen hochmotivierten Landrat, der mit Innovationskraft, Teamgeist und Führungsstärke sein Amt angehen will“, begrüßte Dornhans Bürgermeister Markus Huber, Vorsitzender des Kreisverbands des Gemeindetags, Keckeisen im Amt. Mit dem Bau des neuen Landratsamts habe der Kreistag dem neuen Landrat die Vorlage geliefert für eine „Verwaltung 4.0“. Ein Gebäude, in dem man zeigen könne, dass es sich eben nicht um einen Königspalast, sondern um ein modernes Verwaltungs- und Dienstleistungszentrum handle.

Mutige Entscheidungen gewünscht

Huber ging auch auf den „Regelungs- und Regulierungswahn“ ein, der die Kommunen ausbremse, wenn sie etwas bewegen wollen. Dass Keckeisen bei seiner Vorstellung da vielmehr von einer „Ermöglichungsbehörde“ gesprochen habe, sei ein wichtiger Schlüsselreiz gewesen. Huber wünschte sich mutige Entscheidungen und erklärte, man sei im Kreis offen auch für neue Wege der übergreifenden Zusammenarbeit.

Und auch wenn es bei den Schwaben normalerweise kein Geschenk gebe, „sondern erst mal geschafft werden muss“, gab es für den neuen Landrat, der in Begleitung seiner Familie gekommen war, ein Gutscheinbuch für den Landkreis. „Von A wie Aichhalden bis Z wie Zimmern“ könne er damit den Landkreis kennenlernen. Alle 21 Kollegen im Kreis, so Huber, wünschen ihm einen guten Start.

Markus Huber überreicht Christoph Keckeisen ein Gutscheinbuch für den Landkreis. Foto: Otto

Optimistisch nach vorn blickte auch Christoph Eberle als Vorsitzender des Personalrats. Man sehe sich nicht als Gegenpol, sondern freue sich auf eine Zusammenarbeit, die von Vertrauen und Respekt geprägt ist. Im Namen aller Mitarbeiter sagte er: „Wir stehen bereit, Sie auf ihrem Weg zu begleiten.“

Voller Dankbarkeit und Respekt

Christoph Keckeisen ordnete dann ein, wie er das neue Amt begreift. Es sei ein besonderer Tag voller Dankbarkeit und Respekt vor dem Amt, gleichzeitig voller Vorfreude und Zuversicht. Und er bezog sich auf den zuvor geleisteten Amtseid, in dem er sich verpflichtete, die Amtsführung „nach bestem Wissen und Können“ auszuüben. Das sei gut, weil es ehrlich sei. „Vollkommenheit gibt es nicht.“

Christoph Keckeisen wird an diesem großen Tag von der Familie begleitet. Foto: Otto

Die Eidesformel verlange Haltung. Der Landrat könne nicht alles wissen, doch es gebe viel Kompetenz im Kreistag, in der Verwaltung, in den Städten und Gemeinden, in den Unternehmen, den Kirchen, in der Bürgerschaft. „Diese Menschen und Kompetenzen möchte ich zusammenbringen“, betonte Keckeisen. Der Kreis funktioniere nicht durch einen einzelnen, sondern als großes Ganzes.

Viel Applaus gibt es bei der Vereidigung. Foto: Otto

Klar ist für ihn: Das staatliche Handeln müsse immer die Menschen im Blick haben. Dabei sehe er Gerechtigkeit als Maßstab. Das bedeute nicht, dass jeder zufrieden sein wird, dennoch sei jeder mit Respekt und dem gleichen Maßstab zu behandeln. Mit Verlässlichkeit und Menschlichkeit müsse in der Verwaltung geschaut werden, „was möglich gemacht werden kann“.

Großer Dank

Sein großer Dank galt den vielen Weggefährten, die gekommen waren, seiner Familie für den Rückhalt, allen, die die Kreistagssitzung in dieser Form möglich gemacht hatten – samt der Irland-Klasse der Schule und dem Ensemble der Musikschule Rottweil – und natürlich seinem Vorgänger Wolf-Rüdiger Michel, der den Landkreis 24 Jahre lang geprägt und sich große Verdienste erworben habe.

Und den vielen Menschen im Kreis, die sich engagieren, gab der neue Landrat die Bitte mit: „Bitte engagieren Sie sich weiter, wir brauchen Sie. Die Stärke liegt in den Menschen.“

Marcus Türk als erster stellvertretender Vorsitzender des Kreistags überreicht dem neuen Landrat Lektüre zum Landkreis Rottweil. Foto: Otto

Dass diese ihn auch kennenlernen können, will der neue Landrat in den kommenden Monaten möglich machen. Er will alle 21 Städte und Gemeinden besuchen. Vorbereiten darauf kann er sich mit der „Bettlektüre“, die ihm Marcus Türk – für Keckeisens Ehefrau Marcia gab es Blumen – überreichte: der zweiteilige Buchband „Landkreis Rottweil“ – wie soll es anders sein.

Keckeisen freute sich sichtlich und startet nun, nach einem ersten offiziellen Arbeitstag bereits am Freitag, endgültig in sein neues Amt. Er wisse um die Größe dieser neuen Aufgabe, versicherte er. „Es ist mir eine große Ehre.“