Wie sehr seine Kollegen den scheidenden Landrat Klaus Michael Rückert schätzen, wurde bei seiner feierlichen Verabschiedung am Montagabend im Freudenstädter Kurhaus deutlich.
Vor dem Eingang des großen Kursaals bildeten sich am Montagabend lange Schlangen. Denn Landrat Klaus Michael Rückert begrüßte jeden der zahlreichen Gäste mit Handschlag und viele auch mit einer herzlichen Umarmung.
So war dann auch der große Kursaal bis auf den letzten Platz gefüllt. Lokalpolitiker, Verwaltungsmitarbeiter, Unternehmenslenker und viele weitere Würdenträger waren gekommen. Niemand wollte sich die offizielle Verabschiedung Rückerts entgehen lassen.
Bereits im April hatte Rückert bekannt gegeben, dass er sein Amts als Landrat im Kreis Freudenstadt nach 15 Jahren vorzeitig aufgeben will. Bei der Feier am Montag bekam Rückert nun ganz offiziell von Regierungspräsidentin Sylvia Felder seine Entlassurkunde überreicht und der scheidende Landrat setzte seine Unterschrift unter das Dokument.
Ende einer Ära
Dass in diesem Augenblick eine Ära zu Ende ging, machten spätestens die vielen Redner deutlich, die Rückerts Wirken als Landrat würdigten. Dass bei solchen Anlässen nicht mit Lob gespart wird, war dabei auch Rückert bewusst.
„Nachdem sie alle so schön übertrieben haben, muss ich aufpassen, dass ich die Demut, die mir eigentlich ganz wichtig, am heutigen Tag nicht verliere.“ Dabei konnte Rückert – der teilweise sogar den Tränen nah war – seine Rührung nicht verbergen.
Damit wurde deutlich: Hier wurden nicht einfach nur leere Floskeln abgespult – hier nahmen Wegbegleiter Abschied von einem Kollegen, den sie ehrlich und aufrichtig schätzen.
So lobte zum Beispiel Bernd Leix, der Vorsitzende des Personalrats der Landratsamtsmitarbeiter, das Klima anerkennender Wertschätzung bei gemeinsamen Verhandlungen. „Besonders dankbar sind wir dafür, dass sie ihr einmal gegebenes Wort niemals gebrochen haben.“ Und Leix betonte noch mal: „Niemals! Das kommt im politischen Bereich heutzutage nur noch selten vor.“
Rückerts Stellvertreter, der Erste Landesbeamte Reinhard Geiser, erinnerte an die vielen Krisen, die Rückerts Amtszeit prägten – von der Corona-Pandemie über den Ukraine-Krieg bis hin zum aktuellen Finanznotstand. Rückert habe in der Zeit das Ruder fest in der Hand gehalten.
Und nicht nur das: „Du warst dir auch nie zu schade, auch unangenehme Entscheidungen zu treffen und eine Minderheitenmeinung zu vertreten“, meinte Geiser.
Achim Brötel, Präsident des Landkreistags, betonte auch Rückerts kämpferische Seite. Bei Kritik an höheren staatlichen Stellen habe ihn „der heilige Zorn erfasst.“ Brötel erinnerte auch daran, dass sich Rückert während der Pandemie gegen die Schulschließungen ausgesprochen habe. Damit habe er im Rückblick Recht behalten. „Die Schulschließungen waren ein Fehler“, stellte Brötel klar.
Baiersbronns Bürgermeister Michael Ruf – stellvertretend für alle Mitglieder des Kreistags und Bürgermeister, rief Rückerts Errungenschaften in Erinnerung. So nannte er die Gründung des Campus Schwarzwald, den Neubau des Krankenhauses und die Einführung des ÖPNV-Taxis.
Glaube als Anker
Immer wieder nahmen die Redner – darunter auch Dekan Andreas Streich – Bezug auf die christlichen Überzeugungen des Landrats. So meinte zum Beispiel Ruf, die Christliche Ethik sei für Rückert immer ein Anker für sein Handeln gewesen.
Und der christliche Glauben ist nun auch der entscheidende Faktor für Rückerts Zukunft. Denn künftig will er als Diakon wirken. „Da spüre ich den Auftrag aus meinem Glauben heraus ganz konkret in der Seelsorge für die Menschen da zu sein“, erklärte Rückert seine Beweggründe.
Doch Rückert zieht es auch zurück zu seinen Wurzeln als Jurist. So kündigte er überraschend an, künftig als Amtsrichter in Rottweil arbeiten zu wollen.