Bürgermeister Gunther Braun hat Landrätin Marion Dammann Verkehrsthemen erläutert, die den Steinener Bürgern schon lange „unter den Nägeln brennen“. Die Kreis-Chefin war im Rahmen ihrer Gemeindebesuche in Steinen zu Gast.
Zusammen mit einer Delegation aus Gemeinderäten, Ortsvorstehern und Mitgliedern der Verwaltung begrüßte Braun die Landrätin im Haus der Sicherheit. Bei der Auswahl der Themen legte Braun den Fokus auf die Verkehrssituation in Steinen, die seit Jahren in der Gemeinde diskutiert wird. Gemeinsam wurde diese unterwegs bei einer Busfahrt von Steinen nach Schlächtenhaus, über Weitenau und zurück nach Steinen vor Ort aufgezeigt und angesprochen.
Eine Entlastung für den Ortskern in Steinen
Ganz oben auf der Wunschliste des Bürgermeisters steht die zeitnahe Umverlegung der L 138, die im Zusammenhang mit dem Neubau des Zentralklinikums bereits geplant ist. Sie soll künftig entlang der Bahnlinie nach Steinen führen, wodurch ein neuer Ortseingang von Steinen auf Höhe des Recyclinghofs entsteht. Die Umverlegung ermöglicht zudem eine direkte Busverbindung über die Bahnhofstraße, zwischen dem Bahnhof in Steinen zum Zentralklinikum. Ein Halt auf Höhe des Freibads wäre zudem möglich. In Zukunft soll die Bahnhofstraße über die Rotzlerstraße weiter nach Steinen-Ost führen, um sie dort über die Kanderner Straße an die L 135 anzuschließen. „Diese Verbindung“, erläuterte der Bürgermeister, „wird den Durchgangsverkehr aus dem Ortskern herausnehmen.“
„Scharfes Eck“ im Ortskern entschärfen
Das „Scharfe Eck“ im Ortskern von Steinen erhielt in einem Gutachten des Regierungspräsidiums bereits die Bewertung F, die eine mangelhafte Verkehrssituation bestätigt. Ausschlaggebend hierfür ist hauptsächlich die enge Straßenführung, die vor allem Lastwagen immer wieder Probleme bereitet. Zudem tragen die fehlenden Überquerungsmöglichkeiten für Fußgänger stark zur mangelhaften Situation bei. „Wenn wir die Umverlegung der L 138 und die kleine Ortskernumfahrung über Steinen-Ost auf die L 135 umgesetzt haben, wird es eine spürbare Entlastung für das ,Scharfe Eck’ und die Eisenbahnstraße geben“, ist Bürgermeister Braun überzeugt.
Durch das städtebauliche Sanierungsprogramm sind nach der Entlastung der Eisenbahnstraße weitere Sanierungen, die zur Belebung des Ortskerns beitragen können, möglich. Ein Wermutstropfen in diesem Zusammenhang ist und bleibt der Bahnübergang in der Eisenbahnstraße, wurde nochmals unterstrichen. „Dieser wird der Gemeinde leider wohl noch lange erhalten bleiben“, heißt es in der Pressemitteilung im Nachgang des Besuchs.
Ausbau der Radwegverbindungen
Die Gemeinde Steinen hat sich mit dem Klimaschutzkonzept, welches vom Gemeinderat im März 2024 verabschiedet wurde, eine Mobilitätswende inklusive Ausbau der Fahrradinfrastruktur auf die Fahnen geschrieben. Hierzu zählt ein gutes Radwegenetz, das sowohl für Pendler und Schüler zum nächstgelegenen ÖPNV als auch für Freizeitradler und für den Tourismus von Bedeutung ist. Ein attraktiver Radweg soll nicht nur im Rahmen des RS7-Projekts umgesetzt werden, sondern auch mit guten Radwegverbindungen von den Ortsteilen in den Kernort zum ÖPNV.
Hier steht ein Radweg von Schlächtenhaus an den bereits bestehenden Radweg, der von Weitenau kommt, auf der Wunschliste der Gemeinde. Er soll bis nach Steinen weitergeführt werden und dort mit einer verkehrsberuhigenden Insel am Ortseingang enden. Der Landkreis hatte seinerzeit den Radweg von Weitenau in Richtung Steinen angelegt. Ein Rad- und Fußweg in dieser einfachen Ausführung würde der Gemeinde für die Strecke Schlächtenhaus – Steinen völlig ausreichen, heißt es im Pressebericht weiter. Dieser liege jedoch genau wie der Lückenschluss des Radweges von Weitenau nach Steinen in der Baulast und damit Zuständigkeit des Landes.
Im Westen von Steinen soll der bestehende Radweg südlich der Bahntrasse asphaltiert werden, um ihn als Radwegverbindung in Richtung Zentralklinikum ganzjährig attraktiv zu gestalten. Auch die aktuelle Situation auf der Wiesenbrücke widerspricht den Vorstellungen in Steinen von einem attraktiven Radwegkonzept. „Zu oft entstehen auf dem engen Abschnitt gefährliche Begegnungen zwischen Auto und Radverkehr“, heißt es weiter. Zahlreiche Schüler und Pendler nutzen die Brücke, um von Höllstein oder Hüsingen entweder die Schule oder den Bahnhof zu erreichen. Die von der Gemeinde Steinen gewünschte Temporeduzierung auf 30 km/h und eine neue Beschilderung – Überholverbot für Radfahrer – auf diesem kurzen Brückenabschnitt konnten im Rahmen des Straßenverkehrsrechtes nicht umgesetzt werden.
Bahnhof Steinen künftig noch mehr Drehscheibe
Schon heute nutzen hunderte Schüler und Pendler täglich die S-Bahn-Anschlüsse oder die Busverbindungen von und nach Steinen. Zu Stoßzeiten kommt es mehrmals täglich zu Rückstaus sowohl in der Eisenbahnstraße als auch in der Bahnhofstraße. Mit der Eröffnung des Zentralklinikums wird dem viel frequentierten Abschnitt in Steinen noch mehr Bedeutung zukommen, wissen die Verantwortlichen. Ein direkter S-Bahn-Anschluss an das Zentralklinikum wird erst Mitte der 2030er Jahre realisiert werden. Steinen wird damit über viele Jahre, neben Brombach, ein Umsteigepunkt zum Zentralklinikum werden, heißt es in der Mitteilung weiter.
Um diesen stark von Fußgängern frequentierten Bereich rund um den Bahnhof Steinen vom Durchgangsverkehr zu entlasten, wäre eine zweite Wiesenbrücke, die vom Gewerbegebiet in der Wiesenstraße zum Eichmattweg führt, sinnvoll, so der Bürgermeister. Vor Jahren hat die Gemeinde hierfür bereits einen Zugang aus der Wiesenstraße geschaffen. Der Eichmattweg auf der gegenüberliegenden Seite der Wiese, entlang der Kläranlage, hätte die Kapazität, den Durchgangsverkehr aufzunehmen und ihn direkt über den Kreisel auf die B 317 zu führen, heißt es. Bürgermeister Braun stellt fest: „Mir ist bewusst, dass vor dem Hintergrund der aktuellen finanziellen Möglichkeiten der Kommune und des Landkreises eine zweite Wiesenbrücke nicht so schnell umgesetzt werden kann. Trotzdem möchte ich diese Möglichkeit der Entlastung für den Ortskern und den Bahnhofsbereich von Steinen erwähnen und aufzeigen. Auch vor dem Hintergrund, dass wir vor Jahren hierfür in der Wiesenstraße bereits vorgearbeitet haben.“
Öffentlicher Termin mit dem RP steht an
Landrätin Dammann meinte: „Im Hinblick auf die Vielzahl der geplanten Projekte und vor dem Hintergrund der angespannten finanziellen Situation kann ich der Gemeinde Steinen nur empfehlen, gut zu priorisieren und zu prüfen, welche Möglichkeiten realistisch umgesetzt werden können.“ Mit Blick auf die Eröffnung des Zentralklinikums hob Dammann hervor, dass dieses eine Chance für die positive Entwicklung der Gemeinde darstellt und bereits jetzt dazu beiträgt. Es seien vermehrt Zuzüge des Krankenhauspersonals nach Steinen zu verzeichnen und auch auf Seiten der niedergelassenen Ärzteschaft steige die Attraktivität von Steinen als Praxisstandort.
Die Landrätin informierte abschließend über einen öffentlichen Termin mit dem Regierungspräsidium Freiburg im Frühjahr, bei dem über den Ausbau des S-Bahn-Netzes, den Ausbau des Radwegnetzes und der RS 7 sowie den aktuellen Stand beim Neubau des Klinikums umfangreich informiert wird. Die Bevölkerung ist dazu eingeladen. Der Termin wird noch bekannt gegeben.