Die „Landlädele“ in Gauselfingen, Stetten und Killer haben sich gut etabliert. Sie stellen einen Zugewinn für das Dorfleben dar. Umso mehr ärgert es die Ortsvorsteherinnen Silvia Roos, Sandra Schäfer (links) und ihren Kollegen Gerd Schäfer, dass dort immer wieder geklaut wird. (Was schon im großen Stil der Fall war.) „Wir wollen uns unsere Läden von so etwas nicht kaputt machen lassen.“ Schutz bietet die Wachsamkeit der Bevölkerung, die das offenbar genauso sieht. Mit auf dem Foto: Geschäftsführerin Yvonne Gebert. Foto: Matthias Badura

In Stetten, Killer und Gauselfingen greifen Kinder und Kunden ein, wenn gestohlen wird. Die Selbstbedienungsläden leben vom Vertrauen – und der Wachsamkeit.

Emil und die Detektive oder Die ??? – Kinder und Jugendliche stellen Ladendiebe“. So könnte die Schlagzeile lauten. In mehreren Fällen haben es Kinder und Jugendliche in den Nahversorgungsläden in Stetten, Killer und Gauselfingen geschafft, dass Diebe in die Hände der Polizei übergeben wurden.

 

In einem weiteren Fall war es allerdings eine Mutter, die für die Maßregelung eines Langfingers sorgte. Es handelte sich um ihren Filius, der, wie sie empört feststellte, eine Süßigkeit hatte mitlaufen lassen. Mama überantwortete ihn allerdings nicht der Polizei, sondern schleppte ihn vor die Ortsvorsteherin. Der junge Mann wurde infolge von Sandra Schäfer, Stetten, dazu verdonnert, als Sühne auf dem Platz vor dem Geschäft Papier und anderen Abfall aufzusammeln.

Mehr als nur Nahversorger

Aufmerksam wachen über die Vorgänge und mögliche Vergehen in den drei Burladinger „Landlädele“ ebenso die Anwohner. Sie melden sich telefonisch bei den Ladenbetreibern, wenn ihnen etwas verdächtig vorkommt. Aus gutem Grund. Die drei Selbstbedienungsgeschäfte in Gauselfingen, Stetten und Killer werden – so wie landauf, landab – immer wieder bestohlen.

Freilich, was den Raum Burladingen betrifft, aktuell nicht in dem Umfang, wie das im Jahr 2024 geschah. Damals füllte sich ein Familienverband in Stetten mehrfach ganze Taschen zum Bersten voll mit Grillfleisch, Kosmetika oder Softdrinks und schleppte sie unbezahlt davon. Wie berichtet, hat man die Gruppe ermittelt und ihre Drahtzieher, die auch überregional auf Beutefang gingen, wurden im Februar 2025 am Amtsgericht Hechingen verurteilt.

Wachsamkeit erfreut

Die Wachsamkeit der Nachbarn und der Kunden freut die Ortsvorsteherinnen Sandra Schäfer, Silvia Roos (Gauselfingen) und ihren Kollegen Gerd Schäfer (Killer). Jedoch nicht nur, weil Missetäter geschnappt werden. In ihren Augen zeigt das vor allem: Die Läden liegen der Dorfgemeinschaft am Herzen! „Wir wollen nicht, dass die Einrichtungen, um die wir und die Stadtverwaltung hart gekämpft haben, durch ständiges Stehlen kaputt gemacht werden“, sagt Silvia Roos. Die Geschäfte, bestätigen die beiden anderen, seien mehr als nur Nahversorger, sie hätten sich als Teil des Dorflebens etabliert. So avancierten sie – oder die Plätze daneben – schnell zu Treffpunkten, die in der Form vorher nicht mehr existierten. Man begegne da nicht nur der Dorfjugend, die sich mittags oder abends bei einer Cola versammelt, sondern auch vielen Gruppen älterer Mitbürgerinnen und Mitbürger würden regelmäßig herkommen, um bei einem Kaffee oder einem „Süßen Stückle“ zu plaudern.

„Wir sind sehr zufrieden, wir fühlen uns absolut wohl hier, unsere Landlädele sind gut integriert“, sagen Yvonne und Christian Gebert. Man erinnert sich: Das Ehepaar betrieb die Geschäfte zunächst im „Franchise“-System, bevor sie sie vor gut zwei Jahren in die eigene Regie und Geschäftsführung überführten.

Vorzugsweise am Wochenende

Seither hat sich das Warensortiment verändert. Großen Wert legen Geberts darauf, regionale Produkte hiesiger Erzeuger anzubieten, so etwa täglich frische Backwaren oder auch Eier. Die Kundschaft dankt es ihnen offensichtlich. „Unser Sortiment ist nicht groß“, sagt Christian Gebert fast entschuldigend… „Aber vollkommen ausreichend“, unterbricht ihn Sandra Schäfer. „Man erhält sämtliche Dinge des täglichen Gebrauchs.“ Und Gerd Schäfer schmunzelt: Ihm sei die übersichtliche Auswahl weitaus lieber als das verwirrende Hyperangebot in den Supermärkten.

Eingekauft wird in den Dorfläden vorzugsweise am Wochenende, wenn zu Hause auffällt, dass dies oder das nicht vorhanden ist. Auch die Kundenfrequenz von Fahrradfahrern auf der Suche nach einem Getränk oder einem Imbiss erhöht sich dann. Deshalb war die Novellierung des Ladenschlussgesetzes den Betreibern, ebenso wie den Kommunen, wo sie ansässig sind, so überaus wichtig.

Seit Februar Sonntagsöffnungen zulässig

Seit Februar dieses Jahres sind jetzt die Sonntagsöffnungen rund um die Uhr offiziell zulässig. Zuvor waren sie nur „geduldet“. „Bei einer Streichung der Sonn- und Feiertage hätten wir und viele Kollegen im Land dichtmachen können“, meint Gebert.

Dazu fällt Silvia Roos eine Anekdote ein. Die Kirchen hatten gegen die Sonntagsöffnungen Bedenken vorgebracht. In der Novellierung wurde zuletzt festgelegt, dass die Läden an bestimmten christlichen Feiertagen dann doch kategorisch geschlossen bleiben müssen, so an Ostern. Daran hat man sich gehalten. „Der Hofladen des Klosters Beuron war aber geöffnet“, weiß Roos dazu. 

Der Termin mit unserer Zeitung wurde vonseiten der Ortsvorsteherinnen und des Ortsvorstehers anberaumt. Sie wollten nochmals die Wertschätzung für die Läden ausdrücken und deren Wichtigkeit für die Gemeinden unterstreichen. Außerdem wollte sie klarstellen, was auf dem Spiel steht, wenn den Geschäften wegen Diebstahls oder Sachbeschädigung die Grundlage entzogen wird.

Die Geberts sagten bei der Gelegenheit, sie würden sich neben dem Ladenbetrieb weiter fördernd in kommunalen Veranstaltungen und Dorffeste einbringen.

Aus „Tante M“ wurde „Landlädele“

Namensänderung
 Die Geschäfte heißen unter der Leitung der Geberts neuerdings nicht mehr „Tante-M-Läden“, sondern wurden in „Landlädele“ umbenannt. Die Betreiber wollen sich damit vom früheren Sortiment und Service unterscheiden.

Videoüberwachung
  Alle drei Kleinstsupermärkte werden von Videokameras überwacht. So hat im Grunde niemand eine Chance, mit gestohlenem Gut davonzukommen. Bei einmaligen Vergehen oder der Mitnahme kleinster Waren lohnt sich die Recherche beziehungsweise die Identifizierung der Täter oft nicht. Doch fällt die Summe übers Jahr doch ins Gewicht.

Häufigkeit
In den Selbstbedienungsläden, sagt Christian Gebert, wird statistisch betrachtet nicht mehr geklaut als in Supermärkten. Einerseits. Andererseits verleite die Abwesenheit von Personal doch dazu, vermeintlich unbeobachtet zuzulangen. Bei denen, die im großen Stil abräumten (wie in Stetten, aber auch in Gauselfingen), erzählt seine Frau Yvonne, fand die Polizei auf den Handys der Täter ganze Listen mit Adressen von Selbstversorgerläden. Heißt, die Diebe klapperten auf ihren Beutezügen tatsächlich die gesamte Region ab.

Öffnungszeiten
Kleinstsupermärkte mit einer Größe von nicht mehr als 150 Quadratmetern dürfen in Baden-Württemberg generell an sieben Tagen in der Woche 24 Stunden geöffnet haben – also auch an Sonn- und Feiertagen, sofern der Betrieb vollautomatisch funktioniert und an den entsprechenden Tagen kein Personal beschäftigt ist. Ausnahme bilden kirchliche Hochfeste. Die drei Burladinger Landlädele der Geberts stehen Kunden wie bisher an sieben Tagen der Woche von 5 bis 23 Uhr zur Verfügung. Bezahlt werden kann mit Scheckkarten und/oder Bargeld.

Eröffnung
Die Nahversorgungseinrichtung in Gauselfingen wurde im September 2021 eröffnet, in Stetten im Oktober 2022, Killer folgte im Mai 2023.