Testen und Impfen alleine reicht im Kreis Sigmaringen nicht, um die Inzidenz zu drücken.Foto: Nietfeld Foto: Schwarzwälder Bote

Pandemie: Kreis Sigmaringen nimmt Lockerungen zurück

Die Inzidenz ist zu hoch: Deshalb muss der Landkreis Sigmaringen die Corona-Notbremse ziehen.

Kreis Sigmaringen. Ab Samstag, 20. März, zieht der Landkreis Sigmaringen die sogenannte Corona-Notbremse.

Erst am Montag hatte der Landkreis in enger Abstimmung mit dem Sozialministerium entschieden, dass die strengeren Maßnahmen noch nicht notwendig sind. Nachdem die Inzidenz jedoch weiter gestiegen ist und das Infektionsgeschehen mittlerweile als sehr diffus eingestuft wird, sieht der Kreis es als unumgänglich an, die Notbremse zu aktivieren.

Damit werden ab Samstag fast alle Lockerungen, die zum 8. März in Kraft getreten waren, zurückgenommen. "Wir wissen, dass die Rücknahme der Lockerungen viele Einzelhändler, Dienstleister, Familien und Vereine hart trifft", sagt Landrätin Stefanie Bürkle. "Doch der Trend der vergangenen Tage ist klar: Das Virus verbreitet sich immer stärker, von Entspannung keine Spur." Daher bleibe keine andere Wahl, als die Notbremse zu aktivieren: "Die Corona Verordnung des Landes verlangt diesen Schritt nun von uns. Wir haben aber auch nur eine Chance, das Stückchen Freiheit, dass wir die letzten zehn Tage hatten, zurück zu bekommen, wenn sich jeder von uns diszipliniert an die Maßnahmen hält und sich regelmäßig testen lässt", so Bürkle weiter.

Ultima Ratio wäre eine Ausgangssperre nachts

So lange nicht klar ist, wie es mit den Astrazeneca-Impfungen weiter geht, seien Testen und Disziplin die einzigen Mittel, gegen das Virus anzukommen, so die Landrätin. Die Sieben-Tages-Inzidenz war zuletzt auf 130,7 geklettert. "In den vergangenen Tagen wurden uns nochmals deutlich mehr Fälle gemeldet als zuvor, der Trend geht nach oben", fasst Susanne Haag-Milz, Leiterin des Gesundheitsamts, zusammen.

Im Vordergrund stehe jetzt ein sehr diffuses Infektionsgeschehen: Das bedeute, dass sich das Virus flächendeckend im gesamten Kreis mit kleineren Ausbruchsgeschehen in verschiedenen Umgebungen und Zusammenhängen ausgebreitet habe.

Alleine in den vergangenen drei Tagen gab es Infektionsfälle in sieben Betrieben, fünf Schulen, zwei Kindergärten und zwei medizinischen Einrichtungen. Oft seien auch ganze Familien betroffen.

Da mittlerweile mehr als 60 Prozent der Fälle auf Virusvarianten zurück zu führen seien, erkrankten auch immer mehr enge Kontaktpersonen.

Ab Samstag, null Uhr gilt unter anderem: Es darf sich nur noch ein Haushalt mit einer weiteren Person treffen; Kinder der beiden Haushalte bis 14 Jahre werden nicht mitgezählt. Im Einzelhandel ist nur noch "Click und Collect" möglich. Körpernahe Dienstleistungen sind verboten: Kosmetik-, Nagel-, Massage-, Tattoo- und Piercingstudios müssen schließen, ebenso wie Museen, Galerien, zoologische und botanische Gärten sowie ähnliche Einrichtungen. Auch für Sport gelten wieder Einschränkungen: Vor allem ist die Nutzung von Sportanlagen für den Amateur- und Freizeit-Individualsport erneut untersagt.

Weiter geöffnet bleiben Bau- und Gartenmärkte, Blumenhandlungen, Buchhandlungen und Friseursalons. Sollten diese Maßnahmen nicht ausreichen, um das Infektionsgeschehen zu bremsen, wäre als Ultima Ratio auch eine nächtliche Ausgangssperre möglich.

Wenn der Inzidenzwert fünf Tage in Folge unter 100 liegt, können die Einschränkungen wieder zurückgenommen werden.