Böhmenkirch sieht sich für die Zukunft gerüstet Foto: Bock

Zu den ländlichen Gemeinden im Land, die sich schon seit Jahren auf den Strukturwandel vorbereitet, gehört Böhmenkirch. Auf der Ostalb ist der Wandel zum Gewerbestandort geglückt. Förderprogramme helfen dabei.

Böhmenkirch - Die Begrüßung im Internet fällt ungewöhnlich aus. „Böhmenkirch wäre nicht Böhmenkirch ohne sein Gewerbe, den Handel, das Handwerk und die Industrie. Sie schaffen unsere Arbeitsplätze und haben großen Anteil an der positiven Entwicklung unserer Gemeinde.“ Wüsste man es nicht besser, könnte man meinen, hier informiert die Webseite einer Kommune irgendwo am Neckar ihre interessierten Besucher. Doch es handelt sich um einen Ort ganz am Rande der Region Stuttgart, oben auf der Ostalb. Einen, der traditionell bis heute auch von der Landwirtschaft lebt. Aber eben nicht nur. Wer nach Böhmenkirch hineinfährt, sieht neben weiten Wiesen und Feldern jede Menge Betriebe mitten im Ort und an dessen Rand. 

Der Strukturwandel  

„Der stark landwirtschaftlich geprägten Gemeinde ist es dank vorausschauender Politik gelungen, sich zum Gewerbestandort mit guten Arbeitsplätzen zu entwickeln, die junge Familien am Ort halten“, heißt es ­lobend im Ministerium für den Ländlichen Raum. Solche Beispiele gibt es überall im Land. Sie hängen oft mit glücklichen Entscheidungen im richtigen Moment zusammen, manchmal aber auch mit äußeren Entwicklungen, die eine Gemeinde nur bedingt oder gar nicht beeinflussen kann. „Auch unsere Bevölkerung wird älter“, sagt Bürgermeister Matthias Nägele, „aber ich denke, wir werden es schaffen, unsere Gemeinde zukunftsfähig aufzustellen.“ 

Vorausschauendes Handeln  

Die Grundlagen dafür sind schon vor Jahren gelegt worden. Die Flächengemeinde mit den Teilorten Böhmenkirch, Treffelhausen, Steinenkirch und Schnittlingen hat früh besonders den produzierenden Betrieben aus der eigenen Region große Gewerbegebiete mit Entwicklungsmöglichkeiten ausgewiesen. Die Nachfrage ist unverändert hoch. Im Tourismus setzt man auf Geschäftsreisende und Tagestouristen, neuerdings verstärkt auf den Radtourismus. Die Gemeinde geht nicht alles auf einmal an. „Man muss Schwerpunkte setzen“, weiß Nägele.
 
Einer davon soll in diesem Jahr der Ausbau des Breitband-Internets sein. Der nutzt Privatleuten genauso wie Firmen. Weil für die Telekom große Städte interessanter sind, stellt die Gemeinde die Infrastruktur selbst her und sucht einen geeigneten Betreiber. „Wir sind gefordert, gute Rahmenbedingungen zu schaffen“, sagt der Schultes bei einem Rundgang. Damit kommt vieles andere von selbst. In Böhmenkirch gibt es reichlich Geschäfte, Ärzte, mehrere Hallen, zwei Grundschulen und einen Kindergarten in jedem Ortsteil.

Die öffentlichen Töpfe 

Die Gemeinde am Rande des Landkreises Göppingen hat früh erkannt, dass Förderprogramme ein Baustein für eine funktionierende Infrastruktur sein können. Für zahlreiche Projekte hat sie in der Vergangenheit Gelder aus verschiedenen Töpfen beantragt und erhalten. Teile der Straßenbeleuchtung zum Beispiel sind so bereits auf LED umgestellt worden. In diesem Jahr sind im Entwicklungsprogramm ländlicher Raum des Landes drei Vorhaben aus Böhmenkirch enthalten. Das Dorfhaus in Schnittlingen wird barrierefrei umgebaut und erweitert, dazu an die Nahwärmeversorgung einer Biogasanlage angeschlossen. Dazu kommen zwei private Projekte. 

Die Gewerbetreibenden  

Eines dieser Vorhaben betrifft die Scheune des Landgasthofs und Hotels Rössle in Steinenkirch. Für einen Millionenbetrag sollen aus ihr 16 neue Zimmer, ein Wellness- und Fitnessbereich werden. 200 000 Euro steuert das Land bei. In einem Jahr soll alles fertig sein. „Unter der Woche kommen Tagungsteilnehmer, am Wochenende Urlauber. Die erwarten heutzutage auch auf dem Land das volle Programm“, sagt Betreiber Hans-Thomas Fahrion.
 
Den Tipp für den Zuschuss hat er von der Gemeinde bekommen. Er glaubt an die Zukunft seiner Region: „Wenn wir hier etwas machen, dann richtig.“ Dennoch ist auch in Böhmenkirch allen klar: Die Herausforderungen der Zukunft werden enorm. Doch man fühlt sich vorbereitet.
Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: