Die Feuerwehren von Schopfheim und Maulburg wollen stärker zusammenspannen – womöglich bis hin zur gemeinsamen Feuerwache. Ein Projekt mit Pionierstatus.
Die Feuerwehren sehen sich vor wachsenden Herausforderungen: Einsätze und Technik werden komplexer, die Anforderungen an die großteils ehrenamtlichen Einsatzkräfte wachsen, zugleich fehlt es zunehmend an Menschen die bereit sind, das Ehrenamt auf sich zu nehmen.
Um der Verpflichtung zu einer leistungsfähigen Feuerwehr unter diesen Bedingungen nachzukommen, forcieren die Feuerwehren in Schopfheim und Maulburg nun die interkommunale Zusammenarbeit, womöglich bis hin zur gemeinsamen Feuerwache. Auch von einer „gemeinsam geführten Feuerwehr“ als möglichem Ergebnis ist in einem von den Kommandanten erarbeiteten Papier die Rede.
Ein Prozess, dem Fachbereichsleiter Patrick Bender vom Schopfheimer Rathaus einen Ausnahmecharakter attestiert:„Das Projekt ist sehr innovativ. In dieser Größenordnung hat es Pionierstatus im Land.“ Als weitere Mitglieder der Verwaltungsgemeinschaft Schopfheim sind auch die Gemeinden Hasel und Hausen in den Prozess involviert – Hausen dabei allerdings sehr zurückhaltend.
Was da im Zeichen von Synergieeffekten unter dem Stichwort „interkommunale Zusammenarbeit“ angedacht ist, ist ausgesprochen umfassend. Angefangen bei Pool-Lösungen unter anderem in den Bereichen Atemschutz, Schlauch, Kleidung oder Funktechnik über die gemeinsame Geräte- und Fahrzeugwartung und zentrale Lagerungsmöglichkeiten bis hin zur Zusammenführung von Verwaltungsaufgaben, Aus- und Fortbildung. „Maulburg und Schopfheim können sich auch die Nutzung eines gemeinsamen Gebäudes vorstellen“, heißt es nach Abstimmung unter den Kommandanten.
Rückendeckung vom Rat
Vom Schopfheimer Gemeinderat holten sich die maßgeblichen Akteure aus Feuerwehr und Verwaltung unlängst die Rückendeckung für das Voranschreiten in Richtung interkommunaler Zusammenarbeit. „Ziel ist die dauerhafte Sicherstellung einer leistungsfähigen Freiwilligen Feuerwehr, die Entlastung des Ehrenamtes, die Optimierung organisatorischer und administrativer Abläufe sowie die zukunftsfähige Aufstellung des kommunalen Brandschutzes“, heißt es dazu im einstimmig gefassten Beschluss.
Beteiligung ist wichtig
Neben der Frage nach Synergie-Potenzialen und möglichen Kooperationsformen steht bei der weiteren Arbeit die Kommunikation im Fokus: Ein besonderes Augenmerk soll darauf gelegt werden, die ehrenamtlichen Feuerwehrleute am Prozess zu beteiligen, denn: „Strukturelle Veränderungen im Feuerwehrwesen können nur mit der aktiven Mitwirkung und Akzeptanz der Ehrenamtlichen nachhaltig umgesetzt werden“, so die Erkenntnis.
Bedarfsplan als Basis
In diesem Sinne soll die Bereitschaft der ehrenamtlichen Einsatzkräfte zur verstärkten interkommunalen Zusammenarbeit, zu möglichen Standortveränderungen sowie zu organisatorischen Anpassungen erhoben und bewertet werden.
Grundlage der Pläne ist der Feuerwehrbedarfsplan, der über zwei Jahre hinweg erarbeitet und 2024 verabschiedet wurde.
Wichtiges Ergebnis schon damals: Statt der aktuell sieben den Ansprüchen teils nicht mehr genügenden Standorten soll es künftig nur noch zwei moderne Feuerwachen geben (die in Gersbach nicht mit eingerechnet).
Bereits damals gehörte es zum Auftrag, mögliche Synergieeffekte mit den Kommunen Hausen im Wiesental und Maulburg zu evaluieren.
Vereinbarung mit Maulburg
„Das Projekt schreitet mit großen Schritten in die richtige Richtung voran“, hielt Patrik Bender in der Sitzung zufrieden fest – auch unterm Eindruck eines gerade an diesem Tag geführten Gesprächs mit der Maulburger Bürgermeisterin Jessica Lang, das direkt in eine Konkretisierung des Gemeinderatsbeschlusses mündete: Statt der eigentlich anvisierten Absichtserklärung soll die Verwaltung nun direkt eine Vereinbarung mit Maulburg aufgleisen, die dann auch schon die Kostenfrage klärt: Diese sollen gemäß Einwohnerschlüssel aufgeteilt werden. Aktuell geht es dabei ausschließlich um die „Vorplanungskosten“, unter anderem für externe Fachleute.
Hasel mit im Boot
Mehr oder auch weniger mit im Boot sind Hasel und Hausen als weitere Mitglieder der Verwaltungsgemeinschaft. Hasel muss zunächst seine Hausaufgaben machen und einen kommunalen Feuerwehrbedarfsplan erstellen lassen, – will sich „nach Abschluss der Untersuchung wieder der interkommunalen Zusammenarbeit widmen“, führt die Verwaltung aus.
Zurückhaltung in Hausen
Größere Zurückhaltung gibt es im Hebeldorf: „Die Gemeinde Hausen möchte derzeit nicht über die Zusammenarbeit in einzelnen Bereichen hinausgehen und vollständige Souveränität erhalten“, heißt es im Zwischenstandsbericht.
„Wir lassen die Hausener Kameraden nicht einfach links liegen“, hinterlegte der Schopfheimer Kommandant Steffen Hofmann auf Rückfrage aus dem Gemeinderat. Letztlich aber hänge der Grad der Zusammenarbeit von der der Bereitschaft in den einzelnen Kommunen ab, und da überwiege in Hausen aktuell die Zurückhaltung. Bender äußerte Verständnis: „Es gibt durchaus Gründe, erst einmal abzuwarten und vielleicht später einzusteigen. Wir wissen ja selbst noch nicht, ob es funktioniert“, so der Fachbereichsleiter mit Blick auf den Novums-Charakter des Vorhabens.
Neue Standorte
„Ein konkreter Standort für die beiden neuen Feuerwachen ist noch nicht festgelegt“. bestätigte Hofmann auf Nachfrage von Sven Hendrik Wünsch (FW). Für zwei „perspektivische Standorte“ (Wache West und Wache Mitte) seien Personal- und Fahrzeugansätze definiert und der Flächenbedarf ermittelt worden; die Ergebnisse wurden im März zur weiteren Grundstücks- und Flächenprüfung an die Stadtplanung übergeben.
Eine grobe Idee zu einem möglichen künftigen Standort gab Hofmann immerhin: „Der errechnete optimale Punkt für die Wache West wäre im Bereich Gündenhausener Kreisel.“ Analog könnte auch für die Wache Mitte ein Standort zwischen Schopfheim und Hausen errechnet werden.