Eingerahmt von DHBW-Student Roman Fontana und der Auszubildenden Melina Idig präsentiert Martin Rupp die Landesurkunde für das Projekt Philosop-Hear Foto: Markus Greiß

Die Kaltenbach-Stiftung ist für ihr Projekt „Philosop-Hear“, das in der sozialen Jugendarbeit eingesetzt wird, mit einem Landespreis ausgezeichnet worden.

Landessozialminister Manne Lucha hat kürzlich 35 Projekte mit kreativen Ideen gegen die Einsamkeit von Menschen ausgezeichnet. Mit dabei war auch das Projekt „Philosop-Hear – alle anderen sind nur genervt vom Bass“ der Lörracher Dieter-Kaltenbach-Stiftung, das mit 6000 Euro prämiert wurde.

 

Das Wortspiel „Philosop-Hear“ setzt sich aus „Philosophieren“ und „to hear“ (Englisch für „hören“) zusammen. Beim Projekt geht es darum, Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, über aus dem Internet gestreamte Lieder ins Gespräch zu kommen und darüber zu philosophieren.

Eine Ausdrucksmöglichkeit für Gefühle: die Musik

Martin Rupp, der bei der Stiftung als Jugendsozialarbeiter arbeitet und die Projektidee hatte, erklärte im Gespräch mit unserer Zeitung: „Jugendlichen wird das Philosophischsein oft nicht zugetraut. Ich habe mich früh dafür interessiert, wie sich Jugendliche ausdrücken, denen die sprachlichen Fähigkeiten dazu fehlen. Die Musik ist da eine Ausdrucksmöglichkeit für ihre Gefühle.“

„Ich höre dich auf deiner Sprache, mit deiner Musik“

Rupp schildert das Beispiel eines Jugendlichen, der ein mit Schimpfwörtern gespicktes Musikvideo heruntergeladen hat. Im Gespräch erfährt Rupp, dass der Jugendliche verlassen worden ist und der Text deshalb für ihn in diesem Moment stimmig war. „Ich höre dich auf deiner Sprache und mit deiner Musik“, ist Rupps Angebot an die Jugendlichen, die sich auf „Philosop-Hear“ einlassen wollen. „Das trifft einen Nerv“, ist Rupp überzeugt, was zum Beispiel auch das Interesse der Theodor-Heuss-Realschule an einer Kooperation zeige.

30 Prozent der Menschen im Land fühlen sich einsam

Grundlage des Ideenwettbewerbs waren die Ergebnisse der im November 2025 veröffentlichten Studie „Einsamkeit und gesellschaftlicher Zusammenhalt – Baden-Württemberg“. Demnach fühlen sich rund 30 Prozent der Menschen im Land einsam, darunter auch junge Menschen.

Diesem Einsamkeitsgefühl wollen die drei Fachkräfte für mobile und offene Jugendarbeit der Kaltenbach-Stiftung, die von einem DHBW-Studenten und einer Auszubildenden unterstützt werden, entgegenwirken. Bei der mobilen Jugendarbeit suchen sie die Jugendlichen im öffentlichen Raum auf, um ihnen ein offenes Ohr anzubieten, ohne sich jedoch aufzudrängen.

Einen Teil des Preisgeldes aus dem Landeswettbewerb möchte Rupp dafür einsetzen, dass „Philosop-Hear“ auch auf der Straße funktioniert. Er denkt beispielsweise an die Anschaffung einer Bluetooth-Box und eines Beamers sowie an die Konzeption eines „Gefühls-Lied-Tagebuchs“. Dort könnten die Jugendlichen eintragen, welche Lieder sie von einer Session mitgenommen haben.

Die mobile Jugendarbeit im öffentlichen Raum betrachtet Rupp als „Vernetzungsinstrument“ zum ersten Kennenlernen. Jugendliche, denen dieses Angebot gefällt, nehmen dann oft die weitergehenden Angebote der offenen Jugendarbeit in Lörrach in Anspruch.

Angebote der offenen Jugendarbeit

Sie finden an insgesamt sechs Terminen in der Woche in den Jugendräumen in Tumringen (bei der Grundschule), in Brombach (im Schlössle unter der Ortsverwaltung) sowie in Hauingen (Astrid-Lindgren-Grundschule) statt und stehen allen Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen von elf bis 25 Jahren offen.

Sie finden dort unter anderem verschiedene Spielmöglichkeiten sowie Unterstützung in schulischen Dingen und Bewerbungsfragen. „Der Bedarf ist riesengroß“, so Martin Rupp. E-Mail-Kontakt: M.Rupp@ kaltenbach-stiftung.de