Christin Sigwart, Rektorin der Rheinschule Weil am Rhein (links), überreicht ein Geschenk an Theresa Schopper, Kultusministerin von Baden-Württemberg. Foto: Maja Tolsdorf

Die Grundschüler der Rheinschule in Weil-Friedlingen sprechen 42 unterschiedliche Sprachen. Landeskultusministerin Theresa Schopper hat die Schule besucht.

Ein großes Hallo hat es am Donnerstagvormittag in der Rheinschule in Friedlingen gegeben. Eine große Schülerschar hat die Prominenz auf dem roten Platz, dem Sportplatz der Schule, mit Landeskultusministerin Theresa Schopper, Oberbürgermeisterin Diana Stöcker, Thomas Hecht vom Regierungspräsidium (RP) Freiburg und der Grünen-Landtagsabgeordneten Sarah Hagmann begrüßt. „Willkommen an in der Rheinschule, gemeinsam macht es Spaß“, rappten die Grundschüler.

 

Mit Feuereifer dabei

Schopper dankte in ihrer Ansprache allen, die sich dafür einsetzten, dass die Schüler mit Freude lernen können. Vor vier Jahren habe sie Rektorin Christin Sigwart kennengelernt und sei beeindruckt gewesen, was sie leistet. „Mit Feuereifer schaut sie danach, dass es euch gut geht“, sagt Schopper und schließt mit ihrer Armbewegung alle auf dem Sportplatz mit ein. „Das wollte ich mir mal anschauen“, erklärt sie den Grund ihres Besuchs.

Tatsächlich wird beim Betrachten der Kinderschar auf dem Sportplatz spürbar , dass Sigwart im Schulleben auf Zusammenhalt setzt und Gemeinschaft fördert aber auch fordert, von Lehrern und Schülern. Deshalb habe sie Wohlfühlregeln statt einer Schul- oder Hausordnung eingeführt.

Die Rheinschule ist eine besondere Schule. 331 Kinder vieler Nationalitäten werden dort unterrichtet und sprechen 42 unterschiedliche Sprachen.

Zudem gebe es dort keine Schüler ohne Migrationshintergrund, die gemeinsame und verbindende Sprache ist Deutsch. Und darauf achte die Rektorin, dass abgesehen von den Spielzeiten alle in dieser Sprache miteinander sprechen.

Großes Hallo auf dem Sportplatz der Rheinschule zum Empfang von Landes-Kultusministerin Theresa Schopper. Foto: Maja Tolsdorf

An der Friedlinger Grundschule gibt es 16 Klassen, darunter eine Grundschulförderklasse.

Rund 100 Personen unterrichteten an der Rheinschule und gingen empathisch offen und geduldig auf die Bedürfnisse der Kinder ein, die alle in Friedlingen lebten.

Dazu gehörten Lehrer, Schulsozialarbeiter, Pädagogische Assistentinnen, das Mittagsbetreuungs- und Mensateam, die FSJler, Schulbegleiter und außerschulische AG-Anbieter. Darüber hinaus gibt es die Musikschule „IGru“, wie Sigwart erklärt: „Jedes Kind lernt hier ein Instrument.“

Die Rheinschule sei zudem die einzige in Weil am Rhein, die „Verbindlichkeit in vier mal acht“ anbietet, also eine Ganztagsbetreuung im Zeitmodell vier Tage à acht Zeitstunden. „Das ist das Modell, das Eltern und Kinder hier brauchen“, erklärt die Rektorin.

Mit dem Gesetz zur ganztägigen Förderung von Kindern im Grundschulalter wird ein Rechtsanspruch auf eine ganztägige Betreuung für Kinder im Grundschulalter festgelegt. Damit hat jedes Kind von der ersten bis zur vierten Klasse einen Anspruch auf ganztägige Förderung in einer Tageseinrichtung. Der Rechtsanspruch wird stufenweise ab dem Schuljahr 2026/2027 eingeführt, beginnend in Klassenstufe 1.

Aufreibende Momente

Doch trotz all des guten Miteinanders, gibt es auch Schattenseiten an der Rheinschule. „Es ist nicht einfach hier zu arbeiten“, räumt Sigwart ein. Dennoch gebe es Lehrer, die sich speziell an die Rheinschule versetzen ließen.

Von den aufreibenden Momenten spricht auch Lehrerin Laura Kraft, die beim Pressegespräch exemplarisch Einblicke in ihren Arbeitsalltag gibt. „Um 6.30 Uhr steige ich in Freiburg ins Auto und um 17.30 Uhr wieder aus.“

Sie habe ein Reputat von 28 Stunden, die rein für den Unterricht vorgesehen seien. 60 Stunden pro Woche gingen für die Schule drauf und das sei „nur der Dienst nach Vorschrift“. Da seien noch keine besonderen Unterrichtspräsentationen oder Projektarbeiten dabei. Und der Betreuungsbedarf, der bei Kindern mit diagnostiziertem Autismus, Mutismus oder ADHS stetig steige, sei da ebenso noch nicht mitgerechnet. „Aber ich arbeite gern hier mit unterstützender Rektorin und tollen Kollegen“, sagt sie. Allerdings habe sie immer wieder das Gefühl, nicht genug für Kinder und Eltern getan zu haben.

Vor allem, weil die Rheinschule auch Kinder betreue, die eigentlich ein Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum (SBBZ) besuchen sollten. Diese Schulform bietet zum Beispiel die Leopoldschule.

Umschulung unerwünscht

Doch weil sich Kinder und Eltern aus Friedlingen an der Rheinschule wohl fühlten, wollten sie ihre Kinder nicht umschulen. Deshalb formuliert Rektorin Sigwart einen Wunsch: „Wir wollen Inklusionsschule werden“, sagt sie.

Dass an der Rheinschule vorbildliche Arbeit geleistet wird, darüber waren sich Schopper, Hagmann, Hecht und Stöcker einig. Lösungsansätze für die Herausforderungen zeichneten sich im Gespräch aber noch nicht ab.