Marion Gentges am Tag ihrer Vereidigung.Marion Gentges am Tag ihrer Vereidigung. Foto: AFP/Marjan Murat

Baden-Württembergs neue Justizministerin heißt Marion Gentges. Sie ist erst die zweite Frau in diesem Amt – und ihr Weg aus ihrer Heimatgemeinde bis zur Arbeit ist weit.

Stuttgart - An der Seite versteckt warten noch ein paar Eimer und Leitern darauf, abgeholt zu werden – es riecht nach Neu im Justizministerium am Schillerplatz. Das Haus ist zwar nicht extra für die neue Hausherrin renoviert worden, aber irgendwie passt es doch ganz gut, dass der frische Wind und das frische Weiß an den Wänden Hand in Hand miteinander gehen. Wer die große Steintreppe nach oben läuft, der steht ganz automatisch vor Zimmer 116. „Gentges, Ministerin der Justiz und für Migration“ steht auf dem matt silbern glänzenden Türschild.

 

Migration anstelle von Tourismus

Marion Gentges betritt mit schnellem Schritt den Besprechungsraum. Wo die Kaffeemaschine stehe, das wisse sie schon, sagt die CDU-Politikerin, die seit Mitte Mai das Justizressort führt. Nach der nur zwei Jahre andauernden Amtszeit von Corinna Werwigk-Hertneck bis zum Jahr 2004 ist Gentges erst die zweite Frau an der Spitze des Ministeriums. Das ist künftig nicht länger zusätzlich für Tourismus, dafür aber für die Migration zuständig. Das bedeutet weniger angenehme Fototermine und mehr Arbeit. Doch das ficht Gentges nicht an. Als ihre Tochter sie vor vielen Jahren einmal gefragt hat, was sie eigentlich in ihrem Beruf mache, da habe sie gesagt „Probleme lösen“, sagt Gentges. Und sie legt nach: „Ich kümmere mich gerne um echte Probleme.“

Damals war Marion Gentges Anwältin. „Drei Damen“ haben zuletzt in der Kanzlei gearbeitet. Der Abschied sei nicht einfach gewesen, sagt Gentges. Nach dem Ministergesetz ist er zwingend. Doch das bedeutet auch: Marion Gentges ist vom Fach. Sie kennt sich aus – davon ist nicht nur der CDU-Landesvorsitzende Thomas Strobl überzeugt, der sie für den Posten nominiert hat. Auch Sandra Boser ist sich sicher, dass Gentges „ihre Kompetenzen als Anwältin in diesem neuen Amt einsetzen wird“. Die Grünen-Landtagsabgeordnete muss es wissen: Boser war im Wahlkreis Lahr die Gegenkandidatin von Marion Gentges – und hat ihn gewonnen.

Uneitel im positiven Sinne

Gentges wurde 1971 in Haslach im Kinzigtal geboren, lebt in Zell am Harmersbach – und in Stuttgart im Hotel. Zwei Stunden Fahrt nach Hause sind nicht jeden Tag zu machen. Das war in den vergangenen fünf Jahren als Abgeordnete schon so. In drei Untersuchungsausschüssen hat sie da mitgearbeitet, in zweien als Obfrau ihrer Fraktion. Ihr Engagement und ihre Art haben Wirkung hinterlassen. Gentges ist im positivsten Sinne uneitel. Dass sie nicht reagiert hat, als ihr neulich in den Parlamentsgängen jemand „Frau Ministerin“ nachgerufen hat, das war auch keine Arroganz. „Ich bin das einfach noch nicht gewohnt“, sagt Gentges.

Kurz vor ihrer Ernennung zur Justizministerin ist Marion Gentges wiedergewählt worden – als Präsidentin des Landesverbandes der Musikschulen. Ob sie dieses Ehrenamt weiter ausführen kann, muss nun die Landesregierung entscheiden. Dass sie es gerne machen würde, daran lässt sie keinen Zweifel. Über die Arbeit der Musikschulen in der Pandemie ist sie voll des Lobes: „Ein tolles Angebot, das vielen Kindern und Jugendlichen Halt gegeben hat.“ Die eigenen Fähigkeiten im Bereich klassische Gitarre beurteilt sie kritischer. Ihre 17-jährige Tochter habe gesagt, dass man ihr heute nur noch die Triangel anvertrauen könne, sagt Gentges.

Kunsthochburg in Harmersbach

Der Ehemann von Marion Gentges betreibt zu Hause, in Zell am Harmersbach, eine Galerie, hauptsächlich für zeitgenössische Malerei und Bildhauerei. Er hat damit einen Anteil, dass die 8000-Seelen-Gemeinde in Südbaden zu den heimlichen Kunsthochburgen des Landes gehört: im Ort findet sich noch ein zweiter Galerist. Eine Galerie auf 4000 Einwohner, das sei schon beachtlich, sagt Marion Gentges. Und dass sie es genießt, gelegentlich in diese „andere Welt“ der Kunst zu wechseln.