Mehr als 100 Interessierte lassen sich geplante Maßnahmen am Neckar von Oberbürgermeister Christian Ruf erläutern.
In den vergangenen sechs Wochen ist am Neckar zwischen ENRW und Schwarzem Felsen eine ganze Menge passiert – die Vorbereitungen für die Landesgartenschau gehen mit riesigen Schritten voran. Bei Führungen wurden die Maßnahmen am Samstag erläutert.
Und das Interesse war riesig. Zwei waren geplant, doch da sich mehr als 100 Interessierte anmeldeten, wurde kurzerhand beschlossen, einen dritten Termin einzuschieben. Immerhin sollen die Teilnehmer auch etwas mitnehmen.
Großes Interesse
„Wir wollen diesem Interesse unbedingt Rechnung tragen“, betonte Oberbürgermeister Christian Ruf. Und die Teilnahme lohnte sich allemal. In den eineinhalb Stunden erfuhren die Teilnehmer eine ganze Menge über die Gewässerökologie, die Hintergründe der Maßnahmen, dass man Eidechsen „angeln“ muss und manches mehr.
Landesgartenschau hat große Strahlkraft
„Die gewässerökologische Seite ist eine ganz wichtige Komponente der Landesgartenschau“, machte Ruf deutlich und betonte, dass auch viele andere Maßnahmen in der Stadt, wie die Sanierungen einiger Schulen, wie DHG, Achert- und Johanniterschule nur in diesem Umfang möglich geworden seien, weil wegen der Landesgartenschau Zuschüsse fließen würden. „Eine Landesgartenschau hat stadtentwicklungstechnisch eine größere Strahlkraft als ‚nur‘ die Blümlesschau“, so Ruf.
Hohe Kosten
Bei den Kosten einer solchen gewässerökologischen Maßnahme, die übrigens vom Regierungspräsidium getragen wird, liege man dann schon mal in Richtung der zehn Millionen Euro, „aber dann haben wir lieber so eine Maßnahme hier in Rottweil, als anderswo im Land“, so der OB.
Landesgartenschau bietet neue Möglichkeiten
Dass der Weg am Schwarzen Felsen für die Maßnahme weichen musste, das sorgt bei vielen Bürgern in der Stadt für Unmut, und auch OB Ruf gab zu, dass er anfangs gezögert habe, ob dies richtig sei, doch mittlerweile ist er von der Planung überzeugt.
Marlene Reichegger vom Regierungspräsidium stellte heraus, dass die gewässerökologische Maßnahme ohne die Landesgartenschau nicht möglich gewesen wäre, da in einem „gestauten Gewässer keine Fließgewässer-Ökologie“ installiert werden könne.
Flora und Fauna soll zurückkehren
Kritisiert wird von vielen Bürgern immer wieder, dass die Maßnahme ein großer Eingriff in Flora und Fauna sei. Beim Rundgang erfuhren die Teilnehmer aber, dass man mit der Umgestaltung nahezu zur ursprünglichen Situation zurückkehre, da der Neckar beim Bau des Bahnhofes umgeleitet und „verdrängt“ wurde, um mehr Fläche zu schaffen.
Beim Rundgang auf dem künftigen Rad- und Fußweg, der später von Göllsdorf über eine Brücke bei der Primmündung auf die Bahnseite führen, und kurz vor dem ENRW-Gelände den Neckar mittels Brücke erneut schräg queren soll. Von dort aus komme man dann zur Landesgartenschaubrücke.
Bauleiter Thomas Kusche vom Stuttgarter Planungsbüro Geitz und Partner zeigte auf, mit welch großem Aufwand schon allein die Einrichtung der Baustelle verbunden war. Die Baulogistik sei durch das Bahngelände und die Felswand sehr fordernd gewesen. „Es ist eng ohne Ende“, so Kusche. Durch den regenbedingten höheren Wasserstand des Neckars der vergangenen Tage sei die Baustraße direkt am Ufer jetzt teilweise zerstört worden und müsse nun wieder einsatzbereit gemacht werden. So gebe es immer wieder neue Herausforderungen, machte er deutlich.
Neckar bekommt ursprüngliche Form
Er zeigte auf, wie es „früher“ an dieser Stelle mal ausgesehen hat und dass man dem Neckar – wie er schonmal war – wieder Raum geben wolle. Er erläuterte, wie man das Ufer gewässerökologisch gestalten wolle, so dass sich Groppe, Äsche, Döbel, Bachforelle, Gründling und Co. und weitere Arten wieder richtig wohlfühlen können. „Was im Stahlbau die Armierung ist, das sind die Wurzeln bei lebendem Baustoff“, erläuterte Kusche die Uferbefestigung. Der Neckar bekommt wieder einen Bogen, so dass er wie ursprünglich an den Felsen gelangt. „Ich weiß, die Rottweiler verlieren ihren schönen Weg, aber sie bekommen einen noch viel schöneren“, hieß es weiter. Zudem wurde erläutert, wie es gelingen konnte, heimische Erlen und Eschen im Muttergarten anzusiedeln.
Die nächsten Monate bleiben spannend
Es bleibt also spannend in den nächsten Monaten unten am Neckar. Bis in knapp einem Jahr soll diese Maßnahme abgeschlossen sein, so dass die Tiere und Pflanzen ihren „neuen alten Lebensraum“ wieder zurückerobern können. „Wir werden eine wahnsinnig schnelle Besiedelung bekommen, deswegen bauen wir auch so schnell“.
Auch über den Artenschutz und die Umsiedlung von Fischen, Reptilien und Amphibien war eine Menge zu erfahren, so dass die Teilnehmer mit einem umfangreichen Wissensschatz nach Hause gehen konnten.