Picknicken am Neckar – so könnte es in Rottweil 2028 aussehen.Foto: Geitz und Partner Foto: Schwarzwälder Bote

Versperrt das neue Parkhaus am Nägelesgraben die Sicht auf die Stadt? Kann man den Friedrichsplatz für den Verkehr nicht doch sperren? Und welche Möglichkeiten bietet der "neue Neckar" in Rottweil? Auch wenn der Rahmenplan zur Landesgartenschau jetzt steht gibt es noch viele Fragen und Details zu klären. Oberbürgermeister Ralf Broß betonte in der Diskussion am Mittwoch, dass der "Blick in die Zukunft", nämlich auf Rottweil im Jahr 2028, noch "nicht in Stein gemeißelt" sei.

Rottweil - Wie viele Überlegungen in die Planung mit einfließen, zeigt sich am Beispiel neues Parkhaus. Es geht wohlgemerkt nicht um das, das nach vielen Jahren Planung auf der Groß’schen Wiese entsteht – sondern um ein weiteres am Nägelesgraben: Es soll direkt neben dem derzeit entstehenden Wohn- und Geschäftshaus, da wo sich jetzt noch die Busbucht samt Rottweiler-Hund-Wartehaus findet, gebaut werden.

Lesen Sie auch: Landesgartenschau kostet 8,5 Millionen Euro weniger

Arved Sassnick (SPD+FFR) befürchtet, dass das dreistöckige Gebäude künftig die Sicht auf die Stadtkulisse vollends versperrt. Auch Ulrike Stauss (FWV) tut sich mit der Lage schwer. Sie befürwortet eine Verschiebung Richtung Gefängnis, damit die Ankommenden durch die Rathausgasse in die Stadt kommen und nicht durch die Schlachthausgasse – "die hässlichste Straße der Stadt". Zudem sieht sie die Spielflächen hinter dem Parkhaus zu sehr eingequetscht. Der Planer vom Büro Eble Messerschmidt lenkte den Blick jedoch auf die durchgehende Grünzone vom Hochturm bis zur späteren Aussichtsplattform am Kriegsdamm und dem Einstieg Hängebrücke, die wiederum zum Testturm führt. Diese Grünzone würde durch eine Verschiebung des Parkhauses durchbrochen.

Nicht wie in Zimmern

Wichtig sei, so Jürgen Mehl (SPD+FFR), dass im Nägelesgraben "keine Zustände wie in Zimmern" entstehen. Dies sei durch eine Aneinanderreihung von großen Quadern zu befürchten. Eventuell könne man auf eins der Stockwerke verzichten, so sein Vorschlag.

OB Broß betonte, dass es sich um einen "ersten Entwurf" handle. Abgesehen davon befinde man sich im "urbanen Raum". Man müsse sich fragen, ob man den Status Quo behalten oder die Stadt weiterentwickeln wolle.

Peter Schellenberg (FWV) jedenfalls ist froh, dass mit der Verlegung des ZUP vom Friedrichsplatz in den Nägelesgraben "das städtebauliche Konzept in der Kernstadt angekommen ist". Man brauche eine Eigendynamik in der Kernstadt und könne sich nun auch mit Hilfe der Landesgartenschau "gegen den Trend stemmen". Auch die Teilorte sollte man verstärkt mitnehmen, mahnte er an.

Angesichts der aufgezeigten Möglichkeiten für den Friedrichsplatz mit Bäumen, Bänken oder Wasserspielen fragte Michael Gerlich (FDP), wie das realisiert werden solle. "Die Busse sind dann zwar weg, aber der Autoverkehr ist ja immer noch da." Jürgen Mehls Vorschlag, den Platz für die Wochenende testweise zu sperren, sehen Planer und Verwaltung als derzeit nicht umsetzbar. Man müsse den Platz für den Durchfahrtsverkehr unattraktiver machen und stattdessen die Aufenthaltsqualität steigern.

In Sachen Mobilität lenkte Bürgermeister Christian Ruf den Blick auf die Schiene. Hier stecke Potenzial. Und dass der Bahnhof künftig über eine Gleispromenade und Aufzüge zu erreichen sei, sei ein "Quantensprung". Bustaktung und DB-Fahrpäne müssten aufeinander abgestimmt werden. Für die Busse haben man mit dem neuen ZUP ausreichend Platz. "Deutschlands schönstes Wartehäuschen", so nannte Ruf ironisch den Haltepunkt am Dominikanermuseum, könne dann – zugunsten der Aussicht ins Neckartal – entfallen.

Ingeborg Gekle-Maier (Grüne) vermisste Hinweise auf die Lösungen für Radfahrer, die mit dem AK Radkultur erarbeitet wurden. Dies werde in den weiteren Beratungen noch kommen, versicherte der Oberbürgermeister.

Auf großes Interesse stießen die Ausführungen des Fachbüros Dietz zur Neckarrenaturierung. Der Wegfall des Anstaubereichs und der Wasserkraft bringe eine große ökologische Aufwertung mit sich. Im Bereich des jetzigen ENRW-Geländes zeichnete der Planer das Bild eines von Steinen durchsetzten, lebendigen Flusses, an dem gepicknickt werden kann. Auch für die Grünen sei der Wegfall der Wasserkraft durch den ökologischen Gewinn zu verschmerzen, so Ingeborg Gekle-Maier. "Ein Rottweil am Neckar wird möglich sein", meinte sie.

Auch von der CDU gab es Lob für die Planungen – nicht aber für die "zögerliche" Haltung in Sachen Personalaufstockung der Verwaltung. Dass man die Schaffung einer weiteren Stelle nicht sofort in Angriff nimmt, sondern zunächst die Finanzierbarkeit mit Blick auf zwei weitere Stellen im Bereich Stadtplanung in der Haushaltsstrukturkommission klären will, bezeichnete Monika Hugger als "fahrlässig". OB Broß verwehrte sich dagegen.

Laut eines von Rudolf Mager vorgestellten Zeitplans soll es nach dem Planungswettbewerb 2023 mit den Genehmigungen und Ausschreibungen und 2024 mit dem Bauen für die LGS losgehen.