Die Konzertmuschel wird derzeit mit viel Fingerspitzengefühl saniert. Foto: Alt

Am Musikpavillon im Oberen Stadtgraben wird derzeit akribisch gearbeitet. Die denkmalgerechte Sanierung bringt Besonderheiten – die weitere Planung auch.

Im Oberen Stadtgraben wird kräftig gebaut. Während zum Teil schweres Gerät im Einsatz ist, ist an anderer Stelle Fingerspitzengefühl gefragt. Der Musikpavillon – von den Rottweilern Konzertmuschel genannt – wird derzeit mit viel Aufwand Stück für Stück restauriert und in Stand gesetzt.

 

Bürgermeisterin Ines Gaehn, Abteilungsleiter Stadtgrün und Gewässer Micha Sonnenfroh und LGS-Geschäftsführerin Annette Stoll-Zeitler hatten den Gemeinderat vor einigen Wochen im Zuge der Arbeiten für die Landesgartenschau über den Sanierungsstand informiert. Und der hatte für so manche Überraschung gesorgt – im positiven Sinne.

Auf Nachfrage bei Pressesprecher Tobias Hermann ist Genaueres zu erfahren. „Das charakteristische, muschelförmige Dach des Musikpavillons ist bereits fertig saniert. Ende 2024 wurde die Dachdeckung aus Bitumen abgetragen und fachgerecht entsorgt. Anschließend wurde ein Schadensbild des Betondachs erstellt. Erfreulicherweise erwies sich der Beton als in einem guten Zustand“, teilt dieser mit.

Ein Zelt fürs Muscheldach

Bei der Abdichtung des Daches sei man einen besonderen Weg gegangen. Wegen seiner anspruchsvollen Form – gewölbtes Dach mit Überzügen – hätten Fachleute dringend von einer erneuten Bitumenabdichtung abgeraten. „Nach Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege (LAD) haben wir uns daher für Flüssigkunststoff als neue Dachhaut entschieden.“

Für die Abdichtung des Daches war ein Zelt notwendig. Foto: Stadt Rottweil/Hermann

Im Herbst 2025 erfolgten bereits die Betonsanierung sowie Klempnerarbeiten – und die Flüssigkunststoffabdichtung am Dach. Weil das Betondach in einem so guten Zustand war, habe sich der Aufwand in Grenzen gehalten. „Unsere Fachleute sprechen von einer minimalinvasiven Betonsanierung“, so Hermann.

Eine Herausforderung seien da eher die großen Bäume mit ihrem Blattwerk drumherum gewesen. Damit kein Blatt sich auf dem Flüssigkunststoff verewige, habe die Dachdeckerfirma mit Hilfe eines Spezialkrans ein Zeltdach über die Konzertmuschel gespannt.

Technik und Denkmal-Auflagen

Derzeit, so Hermann, werden die Bühnentechnik und die neuen Elektro- und Datenanschlüsse durchgeplant. Die Sanierung der Wände und Stützen des Pavillons sowie der Decke, der Türen und Treppen steht bevor. Für die gibt es eine Auflage vom Landesamt für Denkmalpflege.

Bis auf eine stark beschädigte Tür werden alle Türen und das Fenster restauratorisch aufgearbeitet. Los geht’s, sobald die Nächte frostfrei sind. 2027 steht dann noch der Einbau der Bühnentechnik an, dann ist die Muschel fertig.

WC und Kiosk

Für Veranstaltungen wird neben dem Pavillon ein Nebengebäude gebaut, mit WCs und einem Kiosk. Dies hängt natürlich mit der Landesgartenschau zusammen – das Gebäude soll aber auch danach im Rahmen von Veranstaltungen genutzt werden können.

„An eine permanente Kiosknutzung ist aber nicht gedacht. Lediglich beim barrierefreien WC ist angedacht, dass es dauerhaft bereitgestellt und entsprechend gereinigt wird“, erklärt Hermann.

Sanierung statt Abriss

Im Haushalt sind 800 000 Euro für die Sanierung des Pavillons und den Bau des Nebengebäudes angesetzt. „Wir erwarten eine Bezuschussung von rund 50 Prozent.“ Dabei hätte die Muschel 2021 eigentlich abgerissen und durch eine mobile Bühne ersetzt werden sollen. Wegen statischer Probleme war der Pavillon jahrelang gesperrt gewesen. Die Wende brachte die Erweiterung des Sanierungsgebiet Stadtmitte um den Rottweiler Stadtgraben – und der Denkmalschutz.

Dass die Konzertmuschel durchaus erhaltenswert ist, betonte auch der Fachbereichsleiter Bauen und Stadtentwicklung, Rudolf Mager, immer wieder bei verschiedenen Veranstaltungen zur Landesgartenschauplanung. Die Muschel sei ein besonderer architektonischer Schlusspunkt.

Was außerdem geplant ist

Der Obere Stadtgraben – mittlerweile auch Stadtgarten genannt – wird vor dem Pavillon einen Platz aus Kies oder Schotter erhalten. Dort kann bei Veranstaltungen dann auch problemlos gestuhlt werden. Angrenzend sind Rasenflächen vorgesehen und zur Stadtseite hin eine Promenade – ebenfalls aus Kies oder Schotter.

Kinder und Eltern dürfen sich außerdem freuen, denn der Spielplatz Gänsbrünnengässle wird im Zuge der Landesgartenschau ebenfalls neu gestaltet. „Die Planung laufen 2026 bis 2027, die Umsetzung erfolgt Mitte bis Ende 2027“, sagt Hermann. Im Stadtgraben tut sich also die nächsten Monate sehr viel. Man darf gespannt sein.