Oberbürgermeister Christian Ruf (Zweiter von links) mit den Siegern und deren Entwurf Foto: Weisser

Die Entscheidung ist gefallen. Für die geplante Fußgänger- und Radfahrerbrücke hatte die Stadtverwaltung einen Architektenwettbewerb ausgelobt.

Für die im Jahr 2028 stattfindende Landesgartenschau sucht die Stadt eine direkte, funktionelle, dennoch ansprechende, aber nicht zu dominierende Verbindung zwischen der historischen Innenstadt und den beiden Seiten des Neckars.

 

Nach Auffassung des Preisgerichts unter Vorsitz von Professor Jörg Aldinger erfüllt der Entwurf des Mannheimer Architekten Johannes Pellkofer und dessen Partners, dem Ingenieurbüro MSing Matthaei und Schotte aus Stuttgart, die Kriterien am besten. Das Wettbewerbsergebnis wird nun im Gemeinderat beraten.

19 Entwürfe eingegangen

Für die geplante Fußgänger- und Radfahrerbrücke hatte die Stadtverwaltung einen Architektenwettbewerb ausgelobt. 19 Entwürfe – einer kam sogar aus den Niederlanden – waren eingegangen. Für die vier Preise werden 65 000 Euro ausgeschüttet. Mit 26 000 Euro ist der erste Preis dotiert.

Die Namen der Verfasser waren der Jury nicht bekannt. Diese wurden erst nach der einstimmig getroffenen Entscheidung verraten. Zum Preisgericht zählten Architekten, Ingenieure, Statiker, Gemeinderatsmitglieder und Vertreter der Stadt. Weitere Personen aus den Bereichen Denkmalschutz, Naturschutz und Landschaftsschutz unterstützten die Preisrichter mit ihren Expertisen.

Zehn Stunden lang getagt

Das Gremium hatte am Freitag in der Stadthalle zehn Stunden lang getagt und sich beraten. Der Wettbewerb mit starker Konkurrenz habe eine große Bandbreite mit höchst unterschiedlichen Entwürfen hervorgebracht, „gespinnerte“ seien jedoch nicht dabei gewesen, fasste Oberbürgermeister Christian Ruf bei der Präsentation des Siegerentwurfs am Samstagmorgen zusammen.

Juryvorsitzender Aldinger sprach von einer „hochkomplexen Aufgabenstellung“. Denn: „Es gab herausragende Alleinstellungsmerkmale zu berücksichtigen.“ Einmal die Stadtsilhouette („eine großartige Kulisse“), dann der tief eingeschnittene Neckar mit seinen Windungen und zuletzt die vorhandenen Gleisanlagen der Bahn. Zudem seien die Höhen der Andockpunkte unterschiedlich. Diese sorgten für eine Steigung von fünf Prozent, was gerade noch als barrierefrei einzuordnen sei.

Direkte Verbindung von der Innenstadt ins Grüne

Ein wichtiger Aspekt: Die Brücke muss auch nachhaltig über die Zeit der Gartenschau hinaus wirken und als direkte Verbindung von der Innenstadt in das zukünftige Naherholungsgebiet funktionieren. Ruf meinte: „Das ist eine lauschige Ecke, in drei Minuten ist man im Grünen“.

Die Brücke sorge somit für die Belebung der Innenstadt und sei eines der zentralen Projekte für die Gartenschau. Der Neckar rücke näher an die Stadt heran und erleichtere Fußgängern, Radfahrern, Senioren, Eltern mit Kinderwägen wie auch Rollstuhlfahrern den Ausflug in das Neckartal. Der gesamte Naturraum östlich der Stadt werde mit dieser Verbindung dauerhaft als Naherholungszeitraum aufgewertet.

Spannweite: 160 Meter

Aldinger sprach von einem „interdisziplinären Wettbewerb. So seien nicht nur Architekten, sondern auch Tragwerksplaner gefordert gewesen. „Die Brücke muss auch statisch funktionieren“, gab der Vorsitzende des Preisgerichts zu bedenken. Manche der Planverfasser hätten nicht die direkte Verbindung gewählt, sondern sich für geschwungene Varianten entschieden.

Beim Siegerentwurf handle es sich um eine direkte Verbindung. Die Brücke bestehe aus Stahl-Hohlkörpern. Vier schlanke Stützen trügen das Bauwerk. Die Spannweite betrage 160 Meter. Mit Holzbau käme man bei dieser Weite an die Grenze, sagte Aldinger. Stahl habe sich bei solchen Situationen dagegen bewährt.

Besichtigung in der Stadthalle möglich

Die Konstruktion wurde als robust angesehen. Die Brücke – so hieß es - sei gut herzustellen, einfach zu transportieren und lasse einen geringen Unterhaltungsaufwand erwarten. Große Gradlinigkeit, Leichtigkeit, spielerische Elemente und eingebaute kleinere Aussichtsbalkone hätten den Ausschlag für den Entwurf des Siegerteams gegeben.

Architekt Pellkofer und Geschäftsführer Andre Muck vom Ingenieurbüro verwiesen auf Referenzbrückenobjekte (unter anderem eines in Rottenburg). Beide lobten das „gut vorbereitete“ Wettbewerbsverfahren. Alle eingereichten Entwürfe können noch bis Mittwoch, 20. März, täglich von 14 bis 18 Uhr, in der Stadthalle besichtigt werden.

Die weiteren Preise gehen an:

2. Preis
C4 engineers GmbH mit BUERO BB freie Architekten, Stuttgart

3. Preis
baustatikrelling, Singen mit Feuerstein Hammer Pfeiffer Architekten, Lindau

4. Preis
Büro IB Miebach Ingenieurbüro für Holzbau und Holzbrückenbau, Lohrmar mit Next architects Kauwgomballenfabriek, Amsterdam Niederlande

Anerkennungspreise erhalten
Ponting Ingenieurbureau d.o.o. (GmbH), Slowenien mit KRP Architektur GmbH, Berlin