Ein wenig schief und stark belastet – die Schindelbrücke in der Au. Foto: Alt

Zwei Brücken sollen künftig in die Au und wieder heraus führen. Eine neue für den Verkehr und die altehrwürdige Schindelbrücke für die Fußgänger. Dabei sah der Plan zunächst ganz anders aus.

„Wir bauen eine Kfz-Brücke und lassen die historische Brücke an Ort und Stelle“, kündigte der Mobilitätsbeauftragte der Stadt Horst Bisinger im Ausschuss für Umwelt, Bauen und Verkehr an. Markus Vollmer vom Büro Tragwerkeplus erklärte dann was geplant ist.

 

Damit die historische Schindelbrücke in der Au ihre Denkmalstatus behält, die Au aber für den Alltagsverkehr erreichbar ist, wird eine Brücke parallel zur Schindelbrücke gebaut, die mit zwei Mal 2,50 Meter dann allein dem Kfz-Verkehr vorbehalten ist. Weil die Fußgänger ja die alte Brücke nutzen sollen, kann auf ein Trottoir verzichtet werden.

Die neue Brücke soll der alten optisch nicht die Schau stehlen. Schlank und unscheinbar soll sie daherkommen. Das Planungsbüro schlägt eine Stahl-Beton-Verbundbrücke vor. Als Geländer könnte sich Vollmer ein Netz vorstellen, das eine gewisse Transparenz wahre. Ira Hugger (Grüne) hatte nach einem Holzgeländer oder eine Verblendung aus Holz gefragt. Doch dieses, so der Experte, könnte optisch zu sehr auftragen.

Die alte Dame leidet unter der Verkehrsbelastung

Die Stadt hatte gedanklich zunächst einen anderen Weg eingeschlagen. Eine Behelfsbrücke hätte den Baustellenverkehr zur Neckarrevitalisierung und zur Landesgartenschaubaustelle aufnehmen sollen. Dann wäre die Schindelbrücke saniert und wieder aufgebaut worden.

Doch mit ihren 30 Tonnen Traglast und 3,20 Meter Durchfahrtshöhe wäre die alte Dame auch nach der Sanierung auf Dauer nicht alltagstauglich gewesen.

Die Schindelbrücke wurde erstmals 1384 erwähnt, erste Abbildungen wie die von David Rötlin zeigen sie 1564. Die heutige Brüche wurde 1804 erbaut, nachdem sie zuvor von einem Sturm zerstört worden war. 1973 wurde sie wegen Bauarbeiten am ENRW-Areal umgebaut. Die hölzerne Gehbahn wurde durch einen stählernen Unterbau mit darüberliegender Betonplatte ersetzt.

Der Überbau ist seither nicht mehr in den Unterbau eingespannt. Inzwischen sind beide Teile beschädigt, die Konstruktionsmängel kommen auch durch die strake Beanspruchung durch den Verkehr. Nun soll sie saniert werden und künftig nur noch als Fußgängerbrücke dienen – das gefällt auch dem Denkmalschutz.

Eile ist geboten

Mit dem Bau der neuen Kfz-Brücke werden nun quasi zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Die Au ist nach dem Bau für Fahrzeuge bis 60 Tonnen zugänglich, und die ortsbildprägende Schindelbrücke behält ihren Denkmalschutz und wird vom Verkehr und den dadurch resultierenden Schäden entlastet.

Immerhin wird die neue Brücke während der Neckarrevitalisierung und Landesgartenschaubaustelle zur Hauptverkehrsader für den Baustellenverkehr. Darum ist auch Eile geboten.

Die Stadt plant die Bauzeit zwischen Februar 2025 und Dezember 2025. Während des Baus wird der Verkehr nur geringfügig eingeschränkt.

Bisinger geht von Kosten in Höhe von 1,7 Millionen Euro aus. Da sind die Baunebenkosten schon miteingepreist. Eine Förderung soll es auch geben, die Zusage steht noch aus. Die Stadt geht hier von etwa 740 000 Euro aus.