Auf Schautafeln können sich die Gäste im Detail über die Maßnahmen informieren. Foto: Schmidt

Spätestens im Oktober wird es am Neckar spannend. Das Land beginnt mit der Revitalisierung des Flusses. Die Landesgartenschau zeigt ihr erstes Gesicht.

„Jetzt geht’s los“. Oberbürgermeister Christian Ruf versprüht bei der Infoveranstaltung im Sonnensaal des Kapuziners Vorfreude. „Bis jetzt haben wir Pläne gezeigt, jetzt geht es ans Eingemachte“.

 

In nicht einmal vier Jahren, im April 2028, eröffnet die Stadt Rottweil ihre Landesgartenschau. Ein riesen Projekt, das Ruf als „einmalige Chance“ für die Stadt wertet. Gemeinsam mit der Bürgerschaft wolle er die Landesgartenschau zum Erfolg führen: „Unterstützen sie uns, wo sie nur können“.

Wenn der zeitliche Rahmen klappt („Wir werden dafür kämpfen“, so Oliver Stenzel vom Regierungspräsidium Freiburg) rollen direkt nach den Sommerferien die Bagger an. Die erste Bauphase beginnt mit der Revitalisierung des Neckars. Auftraggeber ist allerdings nicht die Stadt, sondern das Regierungspräsidium Freiburg, das für den Neckarabschnitt zwischen Schindelbrücke und Primmündung verantwortlich zeichnet.

Der Neckar wird revitalisiert – und dafür aus seinem Korsett befreit. Foto: Stadt Rottweil

Freilich sieht sich das Regierungspräsidium mit der Stadt in einem Boot, ist aber vordergründig damit beauftragt, die Revitalisierung des Neckars, also den ökologischen Zustand wieder herzustellen, wie Marlene Reichegger vom Regierungspräsidium den interessierten Gästen erläuterte. Der erste Bauabschnitt begrenzt sich dabei zwischen Primmündung und Wehr. Die Kanalsituation in Neckar und Prim werde zurück- und dynamische Elemente eingebaut. Zum Einsatz kämen natürliche Materialien, wie Steine, Hölzer und Wurzelstöcke, die geeignet seien, den Fluss zu vitalisieren und Lebensräume zu schaffen. Mit der Verschwenkung des Flusslaufes, um zwei kleine Inseln, werde selbiges Ziel erreicht.

Ins ursprüngliche Flussbett

Weiter Richtung ENRW werde der Neckar verbreitert, um im Ergebnis sein ursprüngliches Flussbett, das dann bis zum Fels reiche, zurückzuerobern. Der bisherige Geh- und Radweg entfalle dadurch, werde aber durch Landgewinnung auf der Bahnseite ersetzt.

Parallel entstehe auf demselben Abschnitt der neue Landespegel, der im Frühjahr 2025 in Betrieb genommen werden soll. Der Rückbau des alten Pegels erfolge erst 2027, da ein Parallelbetrieb für den Datenabgleich notwendig sei. Bei der Maßnahme werden Tonnen an Material bewegt. 15 000 Kubikmeter für den Aushub, 10 000 Kubikmeter für den Einbau und 11 000 Tonnen an Wasserbausteinen.

Der Zugang zur Baustelle erfolgt über die Au und das Berner Feld. Entlang des Neckars werde eine Baustraße eingerichtet.

Phase drei von neun

Die Stadt selbst bleibt in dieser Zeit nicht untätig. Man befindet sich derzeit in Phase drei von neun, sagte Bürgermeisterin Ines Gaehn, die das Projekt als Geschäftsführerin der Landesgartenschau GmbH begleitet. Neben der neuen Gartenschaubrücke, die die Verbundenheit zwischen der Landesgartenschau und der Innenstadt symbolisiere, werde ein Panoramaweg mit Blick auf die historische Innenstadt durch die Au führen. Die alte Unterführung unter den Bahngleisen bleibe bestehen, werde aber aufgewertet. Das alte Gaswerk werde zurückgebaut und voraussichtlich als Veranstaltungsbühne genutzt.

Besonders spannend wird es im Bereich der ENRW-Gebäude, der im großzügigen Umfang mit eingeplant wird. Geplant seien ein Gastronomiebetrieb und ein Spielplatz, der auf mehreren Ebenen bis zum Wasser angelegt werde. Schwimmen sei allerdings nicht erlaubt, reagierte Ruf auf Nachfrage, wenngleich mit einem zwinkernden Auge. Die Wasserqualität bei einem Fließgewässer, etwa nach Hochwasserereignissen, könne nicht durchgehend gewährleistet sein.

Verbindung zur Innenstadt

Der Gedanke, die Landesgartenschau mit dem Geschehen in der Innenstadt zu verbinden, findet sich in verschiedenen Plänen. Etwa in der Aufwertung des Stadtgrabens oder dem Park beim Hochturm. Mit ins idyllische Ensemble rücke zudem der Spitalgarten, der über den Kreuzweg angeschlossen werde. Der Zwischenbau im Innenhof werde abgebrochen.

Neben den Fragen zum Umgang mit dem Aushubmaterial, interessierten sich die Bürger auch fürs Lichtkonzept und den Zwergtaucher, für den bereits ein Habitat im Bombentrichter geschaffen wurde. Im vergangenen Jahr saß er oft im Trockenen. Dennoch bleibe der Bombentrichter als zusätzliches Habitat erhalten, werde aber nachgebessert. Auf Gegenliebe stieß auch die Nachfrage aus dem Publikum, die ortsansässigen Kulturveranstalter wie Jazzfest, Sommersprossen und Ferienzauber auf der Landesgartenschaubühne zu integrieren. Und die letzte Wortmeldung aus dem Publikum erhielt viel Beifall: „Das wird eine tolle Sache, ich bin begeistert“.