Der Kameralamtsgarten soll Besucher anlocken – nicht nur im Jahr der Landesgartenschau. Foto: Nädele

Der Kameralamtsgarten soll neu gestaltet werden – zu einem grünen Kleinod, das auch die Besucher der Landesgartenschau begeistern kann. Doch über die Pläne für die Ruheoase in der Innenstadt kann auch gestritten werden.

Grünflächen sind in der Innenstadt rar. Der Bockshof und der Streifen am Nägelesgraben bieten sich bislang für eine ruhige Pause in der Mittagszeit an. Mit dem Blick Richtung Landesgartenschau, wenn es darum geht, für eine Million Besucher Anreize zu liefern, auch das Herz Rottweils anzusteuern, soll nun der Kameralamtsgarten als weiteres grünes Kleinod hinzu kommen. Doch so idyllisch es dort schon heute ist – das Vorhaben kann polarisieren, zum wiederholten Mal.

 

Im oberen Teil des Gartens, der über Jahrzehnte für die Öffentlichkeit verschlossen blieb, hat die Stadt schon erste Maßnahmen umgesetzt – auch mit Anregungen der Bürger aus den Quartiersgesprächen. Nun soll es weitergehen und Fachbereichsleiter Rudolf Mager stellte in der Sitzung des Gemeinderats am Mittwochabend den Entwurf für den unteren wie den oberen Teil vor.

Die Idylle

Von einem „sehr gefälligen Entwurf“ (Ingeborg Gekle-Maier, Grüne), einer „gelungenen Planung“ (Monika Hugger, CDU) und einem Plus an Attraktivität (Reiner Hils, SPD+FFR) sprachen die Stadträte. Auch Fragen zum Geländer oder der Möglichkeit, die beiden Teilbereiche barrierefrei zu verbinden, störten die Idylle im Gremium nicht.

Teilorte schauen in die Röhre

Die Geister schieden sich aber an der Idee für eine Aussichtsplattform, die Richtung Kerngebiet der Landesgartenschau hinausragen soll. Gekle-Maier wandte sich gar nicht grundsätzlich gegen eine solche Plattform, doch die Kosten dafür kommen ihrer Meinung nach die Stadt zu teuer. 38 000 Euro für die Plattform – 16 000 Euro davon muss die Stadt tragen nach Abzug der Mittel aus dem Topf der Städtebauförderung – da will sie lieber das Geld zusammenhalten. Zumal die Teilorte bislang in Sachen Landesgartenschau in die Röhre schauten. Den Blick habe man schließlich auch ohne Plattform.

„Unnützer Schnickschnack“ ist der Ausguck auch für Hils – zumal dafür eine Öffnung der Stadtmauer nötig wird. Er goss die Ablehnung deshalb sogar in einen Antrag. Auch Hermann Breucha (FWV) plädierte dafür, auf die Aussichtsplattform zu verzichten. Nicht etwa, weil er etwas dagegen hätte, sondern weil sie ihm nicht groß genug ausfällt.

Ein „netter Gag“

Zur Abstimmung über den Antrag von Reiner Hils kam es nach der Aussprache gar nicht, denn der weitergehende Vorschlag der Verwaltung – mit Plattform – hatte bereits die Zustimmung von 15 Stadträten. „Mir gefällt es uneingeschränkt gut“, hatte Rasmus Reinhardt (CDU) von einem netten Gag gesprochen, der Besuchern sicherlich gefallen werde. Für Daniel Karrais (FDP) wertet die Plattform die „super Gestaltung“ noch weiter auf. Und auch Peter Schellenberg (FWV) zeigte sich völlig überzeugt.

OB Ruf konnte also aufatmen und seinen Satz über mutige Entscheidungen runterschlucken. Kosten soll das Gesamtpaket die Stadt Rottweil übrigens etwas mehr als 103 000 Euro – nach Abzug der Fördermittel.