Kalte Duschen sind für die Lehrer in VS eine Zumutung – sie berufen sich auf die Empfehlungen der Landesregierung. Foto: © rh2010 – stock.adobe.com

Die kalten Duschen in VS-Sporthallen bringen nun auch Lehrer auf die Palme – und entsprechen zudem nicht den Empfehlungen des Ministeriums. Folgt bald der Schimmel-Schock?

Villingen-Schwenningen - Seit 20 Tagen muss in den Sporthallen der Stadt VS auf warmes Wasser verzichtet werden – so hatte das der Gemeinderat auf Empfehlung der Stadtverwaltung beschlossen. Nicht nur die Sportvereine gehen deswegen auf die Barrikaden, auch die Lehrer fassen sich angesichts der Entscheidung an den Kopf.

 

"Das ist absoluter Populismus", ereifert sich ein Lehrer, der namentlich nicht genannt werden möchte, im Gespräch mit unserer Redaktion. Für ihn sei klar: Die angeblichen Energiesparmaßnahmen würden nichts bringen. "Da wird keine Energie gespart, das Duschen wird halt nach Hause verlagert", findet er.

Ordentliches Waschen ist nicht möglich

Viel mehr seien die kalten Duschen sowohl für Schüler aber auch für Lehrer unhaltbare Zustände. Es sei nicht möglich, sich ordentlich zu waschen, "da kriegt man ja Gehirnfrost". Viel mehr würden die Lehrkräfte nach dem Sport dazu gezwungen, ungeduscht zurück in den Unterricht zu gehen. "Ich kann doch nicht kalt duschen und dann bei -14 Grad die Pausenaufsicht draußen machen!", echauffiert man sich.

Und: Angesichts der Tatsache, dass die Hallen mittlerweile derart kalt seien, müssten auch Lehrer sich bewegen. "Sonst müssten wir mit Winterjacke in der Halle sitzen, anders ist das nicht möglich." Schließlich habe er an einem Tag sage und schreibe 12 Grad Celsius im Inneren gemessen – weit entfernt von den 17 Grad, die die Stadt festgesetzt hat.

Sind die Heizungen einfach abgestellt?

Dass die 17 Grad nicht erreicht werden, dürfte wohl damit zusammen hängen, dass es vielerorts gar nicht möglich, die Temperatur herunter zu regeln, viel mehr würde die Heizung ganz abgestellt.

Damit sei für den Lehrer klar: "Da kommt ein Millionenschaden auf die Stadt zu." Bei solch kalten Außenwänden sei es nur eine Frage der Zeit, bis sich Schimmel bilden würde.

Land empfiehlt warme Duschen in Hallen

Die Lehrkräfte ärgert "dieser Aktionismus" umso mehr, weil das Kulturministerium hinsichtlich der Energieversorgung an Schulen und Kitas eigentlich klare Vorgaben macht. Auf der Internetseite ist zu lesen, dass bei Sporthallen Duschen "zu den gewöhnlichen betrieblichen Abläufen" gehört, "daher sind die Gebäude dieser Einrichtungen für den bestimmungsgemäßen Gebrauch auf den Einsatz von warmem Wasser angewiesen".

Unsere Redaktion hakt beim Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg nach. Doch dort gibt sich Pressesprecher Fabian Schmidt hinsichtlich der veröffentlichen Empfehlungen plötzlich wachsweich. So sei man auf warme Duschen seinen Angaben zufolge nur "in der Regel" angewiesen. Und Schmidt erklärt: "Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, dass eine ausreichende Körperhygiene gegebenenfalls auch mit kaltem Wasser erfolgen kann."

Landratsamt hält sich an Empfehlungen des Landes

Aber: Zumindest hinsichtlich der Keimbildung sei nach Kenntnisstand des Ministeriums "aber eine Wassertemperatur von mindestens 60 Grad Celsius (Ausgang des Speichers) beziehungsweise 55 Grad Celsius (in der gesamten Trinkwasser-Installation) notwendig".

Genau auf jene Veröffentlichungen der Landesregierung beruft sich übrigens auch das Landratsamt des Schwarzwald-Baar-Kreises. So gibt es in den Hallen in der Zuständigkeits der Kreisverwaltung – dazu gehört die Alleensporthalle sowie die Sporthallen der Kaufmännische Schulen 1, Christy-Brown-Schule, Carl-Orff-Schule, Albert-Schweitzer-Schule und Landesberufsschule – weiterhin Warmwasser. "Die Dusch- und Waschmöglichkeiten bestehen in unseren Sporthallen entsprechend der Vorgabe des Kultusministeriums weiterhin", so Heike Frank, Pressesprecherin des Landratsamtes.

Kultusministerium weiß nichts von Beschwerden

Für einige Lehrer in der Doppelstadt sind die Zustände hinsichtlich der Duschen Anlass gewesen, sich beim Kultusministerium zu beschweren – auch hinsichtlich des Arbeitsschutzes sei man aktiv geworden. Entsprechende Schreiben seien an die Verantwortlichen in der Regierung gegangen.

Dort weiß man aber angeblich nichts vom Ärger aus VS. "Hinweise auf entsprechende Beschwerden von Lehrkräften aus dem Raum Villingen-Schwenningen liegen uns nicht vor", erklärt Pressesprecher Schmidt. Es scheint, als wenn das Kultusministerium das Thema im wahrsten Sinne des Wortes kalt stellen möchte.