Akribisch arbeitet Tanja Dorer in der Maske bei der Laienspielgruppe Linach. Foto: Andreas Trenkle

Schminken, Perücken auswählen, die Schauspieler komplett verwandeln. Das macht Tanja Dorer mit viel Liebe zum Detail. Diesmal spielt sie aber noch eine Rolle.

Die vier Aufführungen der Laienspielgruppe Linach sind ausverkauft. Für die darauffolgenden zwei Jahre legen die Theaterspieler an Weihnachten erstmal eine Pause ein. Sie konzentrieren sich stattdessen auf ein Freilichttheater 2027 an der Linachtalsperre.

 

Wenn am Montag, 5. Januar, auf der Theaterbühne in der Festhalle gespielt wird, ist auch Tanja Dorer in einer Hauptrolle mit dabei. Sie gehört schon seit vielen Jahren zur Truppe. Aber meist eher im Hintergrund. Dort hat sie eine wichtige Aufgabe: die Maske. Penibel achtet sie darauf, dass jeder Schauspieler für seine Rolle das passende Aussehen hat. So erkundigt sie sich schon Wochen vorher nach dem Charakter der Rolle, dessen Alter und insbesondere auch nach den Schauspielern. Denn oft gilt es, den Darsteller entsprechend älter oder jünger zu machen.

Eine große Herausforderung war es beispielsweise vor einigen Jahren, Armin Dorer mit knapp 40 Jahren in einen alten Mann zu verwandeln. Für die damalige Aufführung des „Hotzenblitz“ fuhr Tanja Dorer extra nach Stuttgart zum Chef-Maskenbildner des Stuttgarter Musicaltheaters, Denny Stoi, und holte sich nützliche Tipps.

Ansonsten brachte sie sich alles selbst bei. Tanja Dorer hat mittlerweile auch eine große Sammlung an Perücken zu Hause, etwa 80 Stück. Fehlt ein passendes Exemplar, wird eins hinzugekauft. Und Tanja Dorer nimmt sich vor einer Aufführung viel Zeit, um detailliert und exakt arbeiten zu können. Dabei arbeitet sie schon seit vielen Jahren mit Christine Müller zusammen, die sich hauptsächlich um Frisuren kümmert. Diese Teamarbeit funktioniere sehr gut, so Dorer.

Wer noch zum Friseur will, braucht ihr Okay

Aber wer von den Schauspielern vor Weihnachten noch zum Friseur will, der braucht die Erlaubnis von Tanja Dorer.

Noch größer sind die Herausforderungen beim Freilichttheater. Dann gibt es mehr Helfer in der Maske, da viel mehr Schauspieler und Statisten geschminkt werden müssen. Tanja Dorer legt in einem Plan fest, wer wann vor der Aufführung zu erscheinen hat.

Bei der kommenden Aufführung der Laienspielgruppe Linach ist auch Tanja Dorer wieder mit dabei. Hier zusammen bei der Aufführung vor 13 Jahren mit Gerhard Dotter. (Archivbild) Foto: Andreas Trenkle

Ihre Arbeit wird nicht nur in Linach geschätzt, sondern auch bei den Theaterspielern in Döggingen, ihrem jetzigen Wohnort, in Hausen vor Wald, Wolterdingen und Bräunlingen. Dabei ist Tanja Dorer längst nicht nur hinter den Kulissen eine zuverlässige Kraft. Manchmal betritt sie zusätzlich selbst die Bretter, die die Welt bedeuten. Etwa bei der kommenden Aufführung „D’Konfirmand“, in einer Rolle, die sie schon vor 13 Jahren gespielt hat.

Schon als Kind zum Theater

Zum Theater kam sie im Grundschulalter. In der dritten Klasse spielte sie beim „Fehlerteufel“ den Kasper. Auf der Realschule war sie in der Theatergruppe von Doris Hägele dabei. In der zehnten Klasse wirkte sie zum ersten Mal bei einem Musical mit und so brach bei ihr das Musicalfieber aus. 1993 hatte sie beim Furtwanger Musical „Kätz“ die Hauptrolle der Grisabella. Zur Linacher Laienspielgruppe kam sie bei ihrer Hochzeit. Ihr Mann Martin spielte schon mehrere Jahre Theater und die Schauspieler präsentierten eine kleine Aufführung. Regisseur Alois Straub meinte, Martin solle noch lange dabei bleiben. Da sagte Tanja: „Dann spiel ich am liebsten selbst mit.“ So hatte sie hin und wieder zu ihrer umfangreichen Maskenarbeit noch eine Schauspielrolle. Vererbt hat Tanja Dorer ihr Schauspieltalent an Sohn Stefan, der als ausgebildeter Schauspieler in Freiburg arbeitet.