So kennt man ihn: Martin Krauss nach dem Training in seinem derzeitigen Heimatort Königsfeld. Auch mit 85 Jahren bleibt er sportlich aktiv. Foto: Lutz Rademacher

Schwimmen, radfahren, laufen – das alles direkt hintereinander. Ein Triathlon ist Schwerstarbeit für den Körper. Nach zwei Jahren Pause startet nun wieder der Laien Man, ein Kurzdistanz-Triathlon für Amateursportler. Einer freut sich ganz besonders darüber: Martin Krauss aus Königsfeld. Dass er oft als Letzter ins Ziel geht, nimmt der 85-Jährige mit Humor.

Bräunlingen - Krauss war einer der Ersten, die sich angemeldet haben. Es ist die zehnte Teilnahme des Seniors. Beim Laien Man ist er längst eine Ikone. Besonders freuen sich die Zeitnehmer auf ihn, denn seine Zieleinläufe sind legendär. Eher gehend als rennend, immer mit einem coolen Spruch auf den Lippen, der zur allgemeinen Belustigung beiträgt.

 

Manchmal bleibt er stehen und diskutiert mit Leuten

Manchmal bleibt er auch stehen, diskutiert noch mit den Anwesenden und trottet dann ganz gemächlich über die Ziellinie. Oft kommt er als Letzter ins Ziel, gefolgt vom Schlussfahrer, der die Strecke noch einmal kontrolliert. Die Zeit ist ihm egal, wichtig ist ihm der Spaß und etwas für die körperliche Fitness getan zu haben. Seine Karriere beim Laien Man startete im Jahr 2007. Zu dieser Zeit absolvierte der damals 70-Jährige noch den ein oder anderen Iron Man als Amateur. Er suchte eine Triathlon-Veranstaltung in der Gegend und wurde am Kirnbergsee fündig. Seither versucht er immer, dabei zu sein. Lediglich 2011, 2013 und 2014 musste er aufgrund von Terminüberschneidungen passen.

"180 Kilometer? Das schafft nicht mal mein Auto am Stück"

"Solche Sachen gefallen mir", sagt er, "mit kurzen Distanzen." Das sei anders als ein Iron Man: "Nach 3,8 Kilometern kommst du aus dem Wasser wie so eine Pflaume, die ganzen Finger sind eingeschrumpfelt." Dann 180 Kilometer auf dem Fahrrad, "das schafft nicht mal mein Auto an einem Stück, da muss ich mich unterwegs mal abkühlen. Und dann noch ein Marathon hinterher. Und dann gibt es tatsächlich Leute, die machen zwei hintereinander."

Ersten Iron Man 1976 in Montreal absolviert

Und er weiß, wovon er spricht. Seinen ersten Iron Man absolvierte er 1976 im kanadischen Montreal. Zusammen mit anderen bereitete er die Olympischen Spiele vor und konnte im Vorfeld die späteren Wettkampfstätten nutzen – zum Spaß unter Kollegen. Später, als er in den USA lebte, habe er unzählige Triathlons absolviert, an der Ostküste und am Golf von Mexiko, erzählt Krauss. Ebenso hat er fünf Mal am New York-Marathon und sechs Mal am Marathon in Boston teilgenommen.

Auf den höchsten Berg Amerikas? Söhne ziehen Notbremse

Seinen letzten Versuch, in Köln mit 80 einen Iron Man zu absolvieren, musste er abbrechen, weil er auf dem Fahrrad bei starkem Gegenwind Krämpfe bekommen hatte. Seine beiden Söhne sorgen sich oft um ihn ob seiner sportlichen Aktivitäten, lassen ihn aber machen. Doch erst, als er mit 82 den Aconcagua besteigen wollte – mit 7000 Meter der höchste Berg Amerikas – zogen sie die Notbremse.

Der älteste Einzelstarter

Schon in seinem ersten Jahr war Martin Krauss der älteste Einzelstarter beim Laien Man, und das sollte bis heute so bleiben. Die Zeit war damals mit 55:35 Minuten recht passabel, Krauss landete auf Platz 31 und ließ sechs Teilnehmer hinter sich. Mit zunehmendem Alter wurden die Zeiten immer länger, bei den letzten drei Teilnahmen 2017 bis 2019 lag er ungefähr bei eineinhalb Stunden. In der Gesamtbilanz war er drei Mal Letzter und vier Mal Vorletzter. Doch das nimmt er mit Humor, das sei wie in der Bibel, "die ersten werden die letzten sein." Doch, "ganz im Ernst" sei er froh, dass er sich in seinem Alter noch in die Fluten werfen oder auf dem Fahrrad in die Pedale treten könne. "Ich brauche kein E-Bike."

Rückwärts ins Ziel?

Und weiter: "Ich fahre sowieso Fahrrad und lasse das Auto oft stehen. Laufen tue ich jeden Tag zwei Stunden, nach dem Frühstück von 9 bis 11 Uhr, ganz strikt, zehn Kilometer ist das Minimum. Das mache ich, weil ich nicht im Altersheim enden möchte." Schwimmen geht er regelmäßig im kalten Klosterweiher in St. Georgen. Auch beim Einschwimmen war er dort dabei. Er freut sich auf den Laien Man. Er sei froh, dass es nach der Pandemie wieder losgeht. Das gilt auch für andere Veranstaltungen, an denen er jedes Jahr teilnimmt. Beispielsweise der Eberbacher Triathlon bei Heidelberg mit etwas längerer Distanz im Neckar. Hierfür braucht er über drei Stunden, startet konkurrenzlos in der Klasse über 80 und steht dann als Sieger auf dem Treppchen. Und auch hier habe er seinen Spaß mit den Leuten. Dafür bekomme er beim Laien Man den ein oder anderen schönen Sachpreis. Für seine zehnte Teilnahme am Samstag müsse er sich irgendetwas einfallen lassen. Er könnte sich beispielsweise vorstellen, den Zieleinlauf rückwärts laufend zu absolvieren. Mehr verrät Martin Krauss nicht. Und aufhören will er noch lange nicht.

Zur Person

Martin Krauss ist 1937 in Brasilien geboren, weil sein Vater dort seit 1934 einen Job als Lehrer hatte. Im März 1939 kehrte die Familie nach Deutschland zurück und lebte in Königsfeld, wo sein Vater Gustav Krauss 1946 bis 1962 Bürgermeister war. Martin Krauss besuchte das Gymnasium und ging dann nach Oxford, wo er einen Abschluss als Sprachlehrer machte. Ab Mitte der 1950er-Jahre lebte er im Ausland, arbeitete an deutschen Schulen als Englisch- und Deutschlehrer. Zunächst in Monrovia, Liberia, dann in Rio de Janeiro und ab 1964 in Thailand. In den verschiedenen Ländern eignete er sich die jeweilige Landessprache an. 1966 wurde er für die Vorbereitung der Olympiade in Mexiko engagiert. Es folgten Uganda und Australien und schließlich die Vorbereitung für München 1972 und im Anschluss ab 1972 die Vorbereitung für Montreal 1976, wo er sesshaft wurde. Von dort aus arbeitete er auch in der Administration für die Spiele 1980 in Moskau und 1984 in Los Angeles mit. Die Tätigkeit als Lehrer rückte in den Hintergrund. Inzwischen hatte er geheiratet und zwei Söhne bekommen. 1989 zog die Familie nach Florida um. Erst im Jahr 2003 kehrte Martin Krauss nach Königsfeld zurück, weil dort seine Geschwister lebten.