Der Bäckereikrieg erhält keine Fortsetzung: Der SWR stellt "Laible & Frisch" ein. Foto: AP

Der SWR stellt die Serie "Laible & Frisch" ein. Die Tourismusbranche zeigt sich enttäuscht.

Stuttgart - Der Südwestrundfunk ist als zweitgrößter Sender der ARD national wie international präsent, pflegt aber dennoch seine regionalen Wurzeln. Das Aus für die schwäbische Serie "Laible & Frisch" löst deshalb heftige Reaktionen aus.

Erfolg oder Misserfolg? Darüber entscheidet im Fernsehen immer öfter die Höhe der Einschaltquote. Vor diesem Hintergrund hätte der Südwestrundfunk (SWR) eigentlich die Episodenreihe "Laible & Frisch" fortsetzen müssen. Denn die Dauerfehde zwischen zwei Bäckersfamilien von der Schwäbischen Alb lockte in den Jahren 2009 und 2010 mit durchschnittlich bis zu 680.000 Zuschauern pro Ausgabe so viele Zuschauer vor den Bildschirm, wie sie der Sender auf anderen Programmplätzen gerne hätte. Doch es wird keine Fortsetzung geben. Ein Sprecher des SWR sagte am Mittwoch, die Mundart-Serie werde nicht fortgeführt. "Laible & Frisch war von Beginn an als Mehrteiler und nicht als langlaufende Serie konzipiert. Die Geschichte des Bäckerkriegs ist für uns zu Ende erzählt."

Eine Entscheidung, die nun eine Welle der Kritik auslöst. Politik, Vertreter der Tourismusbranche, Schauspieler und der Produzent wehren sich in einem ungewohnten Bündnis gegen die Entscheidung des öffentlich-rechtlichen Senders. "Es geht hier um mehr als nur eine Fernsehserie. Es geht vielmehr um ein Kulturgut, um den schwäbischen Dialekt, die Schwäbische Alb, eine einzigartige Kulturlandschaft", wettert der Reutlinger Landrat Thomas Reumann.

Es sei nicht nachvollziehbar, dass der SWR dieses "zeitgemäße, unterhaltsame und attraktive" Format aus dem Programm streichen wolle, sagt Reumann, zugleich Chef des Tourismusverbandes Schwäbische Alb. Noch vor einigen Monaten habe SWR-Fernsehdirektor Bernhard Nellessen betont, die Mundart-Reihe erfülle alle Kriterien des öffentlich-rechtlichen Programmauftrags, weil "gesellschaftsrelevante Fragen unterhaltsam aufgearbeitet" würden. Insofern sei die Entscheidung nicht nachvollziehbar, so Reumann. In anderen ARD-Sendern gebe es Serien in bayerischem und norddeutschem Dialekt - "und bei uns spricht nicht einmal mehr der schwäbische Tatort-Kommissar schwäbisch".

SWR entwickelt nun neue Stoffe

Auch Andreas Braun, Geschäftsführer des Tourismusverband Baden-Württemberg, ist ratlos. Er rate dem SWR zum "leichten Umgang mit Heimat". Formate wie "Laible & Frisch" würden über die Region hinausstrahlen: "Das ist eine Visitenkarte unserer Landschaft, das ist Werbung für unser Land." Ins selbe Horn stößt Frieder Scheiffele, Chef der Schwabenlandfilm und Produzent der Episoden. "Worin besteht der Sinn, dass etwas gefördert wurde, wenn es erfolgreich ist und dann nicht mehr fortgeführt wird?"

Die baden-württembergische Medien- und Filmgesellschaft, an der der SWR beteiligt ist, hatte die TV-Serie mit 700.000 Euro gefördert, dazu kamen 75.000 Euro aus den Kommunen und dem Landkreis. Zahlreiche Projektbeteiligten stammen aus der Filmakademie des Landes in Ludwigsburg. "Qualität und Quote, wir haben beides erreicht", so Scheiffele.

Doch der SWR bleibt bei seiner Entscheidung. Die zwei Staffeln von "Laible & Frisch" mit zwölf Folgen hätten dem Sender gute Einschaltquoten und begeisterte Zuschauerreaktionen beschert. Der "erhebliche Finanzierungsaufwand" des SWR sei aber zeitlich stets begrenzt gewesen. Nun gelte es, neue Stoffe zu entwickeln. "Der SWR wird auch in Zukunft auf regionale Serien mit beliebten Darstellern, Mundart und spannenden Geschichten aus dem Südwesten setzen", so der Sprecher. Schon jetzt gebe es Überlegungen "für die Etablierung einer weiteren mundartlichen Unterhaltungsserie" neben den "Fallers".

  
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