Benotmane Adda an der Tür des Lagerraums, in den eingebrochen wurde. Die Täter kamen durch das Fenster, das im Hintergrund zu sehen ist, mit einer Sperrholzplatte statt einer Glasscheibe. Foto:  

Unbekannte sind in den Lagerraum des Vereins Treffpunkt Lahrer Kulturen eingestiegen. Sie stahlen große Mengen an Hilfsgütern für Bedürftige in Algerien, darunter auch teures medizinisches Material.

Als Benotmane Adda im Gespräch mit unserer Redaktion aufzählt, was alles fehlt, bricht ihm aus Verzweiflung immer wieder die Stimme weg. Der 76-Jährige ist Vorsitzender des von ihm 1999 gegründeten Vereins Treffpunkt Lahrer Kulturen, der Hilfsgüter für Kranke und Bedürftige in Algerien sammelt. Aufbewahrt werden die Sachen in einem Raum des früheren Postgebäudes in der Lotzbeckstraße. In der Nacht zu Montag sind dort Unbekannte eingebrochen. Die Täter versuchten erst, eine Tür aufzustemmen. Als sie das nicht schafften, stiegen sie durch ein Fenster ein.

 

Als unsere Redaktion Adda am Mittwoch besucht, ist das demolierte Fenster bereits durch eine Sperrholzplatte ersetzt, das Schloss an der Eingangstür wird gerade ausgetauscht. Was sich aber nicht so leicht ersetzen lässt, sind die Hilfsgüter, die gestohlen worden sind.

Adda zeigt unserer Redaktion den Raum, der vollgestopft ist mit Kisten und Koffern. Die Täter haben dort alles durchwühlt und mitgenommen, was ihnen wertvoll erschien, darunter fünf neue Orthopädiegürtel für Menschen mit Rückenbeschwerden im Wert von jeweils 290 Euro.

Adda ist Mitte der 1970er-Jahre nach Deutschland gekommen, seit 1979 lebt er in Lahr. Ein Jahr später wurde er deutscher Staatsbürger. Seine Heimat Algerien trägt er aber nach wie vor im Herzen. Viele Menschen dort seien von Armut betroffen, könnten sich medizinische Hilfsmittel nicht leisten, die in den Apotheken dort aber auch ohnehin nicht erhältlich seien, erzählt er. Ihnen wolle er helfen.

Krebskranke warten in Algerien auf die Sachen

Vor allem das Schicksal von Kranken berühre ihn, sagt Benotmane Adda, während er eine Schachtel mit einer Brustprothese aus dem Berg an Hilfsgütern hervorkramt. Von den Einbrechern ist sie wohl übersehen worden. Zwölf andere Schachteln mit Brustprothesen, die Frauen zu einem natürlichen Brustausgleich nach einer Mastektomie verhelfen sollen, sind dagegen gestohlen worden. Frauen in Algerien würden darauf warten, er wisse nicht, wie er ihnen erklären soll, dass die Sachen weg sind, sagt er unter Tränen.

Die Hilfslieferungen organisiert Adda in Kooperation mit dem Verein Waisenpate im algerischen Oran, seinem Geburtsort. Von dort macht sich mehrmals im Jahr der 3,5-Tonner des algerischen Vereins auf den Weg nach Lahr. Im Lastwagen sitzen Mitglieder des Vereins, der die Hilfsgüter vor Ort an kranke und behinderte Menschen verteilt. Der nächste Transport von Lahr nach Algerien soll in acht Tagen starten, erzählt Adda. Er wird nun weniger Hilfsgüter enthalten, als geplant war.

Der 76-Jährige glaubt, dass es mehrere Täter waren, weil so viel abtransportiert worden ist. Unter anderem fehlen drei Kartons mit jeweils rund 30 Paar gebrauchten Schuhen, zwei Koffer mit Second-Hand-Kleidung, gebrauchte Schutzkleidung für Motorradfahrer, 54 neue Hemden, noch originalverpackt, außerdem medizinische Halskrausen, Orthesen und Spezialunterwäsche für Männer, die eine Hodenoperation hinter sich haben, sowie für Menschen, die einen Leistenbruch erlitten haben – ebenfalls alles neu.

Brillen hatte er aus eigener Tasche bezahlt

Er erhalte Sachspenden von Orthopädie-Fachgeschäften, die anonym bleiben wollen, erzählt Adda. Auch Privatpersonen würden helfen, teils durch Geldspenden, außerdem die „Schublade 10“ in Friesenheim mit ihrem Ladengeschäft.

Doch Adda verlässt sich nicht nur auf Spenden, sondern hilft auch selbst, so gut er kann. Er bezahlt nämlich auch Hilfsgüter aus eigener Tasche. So schickten ihm Sehbehinderte in Algerien ihre Dioptrienwerte, mit denen er bei einem Optiker in Frankreich 18 Brillen auf eigene Kosten anfertigen ließ.

Die Brillen lagen in einem Kästchen in dem Raum neben dem Lager, der ihm als eine Art Büro dient. Auch dort machten die Einbrecher Beute, sie stahlen die Brillen, darüber hinaus 13 neue Uhren, die ebenfalls für Algerien bestimmt waren. Spendengelder sind nicht weggekommen, da Adda dort kein Geld aufbewahrt.

Der Ruheständler erzählt, dass er in Deutschland 40 Jahre gearbeitet habe, als Werkzeugmachermeister, und keine große Rente beziehe. 18 neue Brillen könne er nicht bezahlen, dafür fehle ihm das Geld. Aber in Algerien würden Menschen auf diese Brillen warten.

Den Einbruch bemerkte Adda am Montag gegen 16 Uhr, als er das Lager betrat. Seither sei für ihn nichts mehr wie vorher, erzählt er. Er schlafe schlecht, nicht nur aus Ärger über den materiellen Verlust, sondern auch, weil er diese Tat nicht begreifen könne. Er verstehe nicht, weshalb die unbekannten Täter Sachen an sich genommen haben, auf die Kranke und Notleidende in Algerien angewiesen seien. Gleichwohl betont Adda auch, dass er in Lahr sehr viel Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft erfahren habe. Und dass er mit seinen Spendensammlungen weitermachen werde. „Ich gebe nicht auf“, sagt er bestimmt.

So kann man helfen

Benotmane Adda freut sich über Spenden für Algerien, erst recht nach dem Einbruch im Vereinslager. Wer helfen will, kann ihn unter Telefon 0176/ 83 24 88 43 anrufen. Die beiden Räume im früheren Postgebäude hat ihm übrigens die Lahrer Volksbank kostenlos zur Verfügung gestellt.