Der Lahrer Robert Wagner (rechts) hofft auch künftig auf Einsatzzeiten im Bundesliga-Team des SC Freiburg. Foto: Eibner

Seit einer Woche ist Robert Wagner ein Bundesliga-Fußballer. Bis er das selbst begreifen konnte, dauerte es ein paar Tage, wie er sagt. In seinem Heimatverein SC Lahr ist man stolz auf den 19-Jährigen und hofft auf viele weitere Erstliga-Spiele.

Auch wenn Stefan Wölfle, Jugendleiter vom SC Lahr, am vergangenen Freitag das Spiel nicht verfolgte, so bekam er die aus Lahrer Sicht wichtigste Nachricht des Abends sofort mit. Denn bereits als sich die Einwechslung von Robert Wagner andeutete, gingen die ersten Nachrichten rum. "Das ist wie ein Lauffeuer im Verein und im Vorstand rumgegangen", berichtet Wölfle, der sich im Anschluss dann natürlich die Zusammenfassung des 1:0-Sieg des SC Freiburg gegen Bochum angeschaut hat.

 

Wagner hat es immer noch nicht realisiert

"Da ist man dann schon ein bisschen stolz als Verein – weil er hat ja vorher auch nur bei uns gespielt", so Wölfle über den nach Sascha Riether und Timo Reus dritten Lahrer Bundesliga-Fußballer. "Das ist für alle, die sich bei uns in der Jugendabteilung engagieren, eine kleine Auszeichnung und für unsere Nachwuchsspieler eine Motivation", sagt Wölfle.

Doch nicht nur für die Verantwortlichen beim SC Lahr, die Wagners Werdegang seit Jahren verfolgen, war der vergangene Freitag etwas ganz besonderes. "Ich habe es – um ehrlich zu sein – immer noch nicht realisiert", erzählt der 19-jährige Lahrer in einem Video-Interview, das der SC Freiburg am Mittwoch veröffentlichte. Darin berichtet Wagner von einer sehr kurzen Nacht nach dem Bochum-Spiel. Durch das ganze Adrenalin habe er lange nicht einschlafen können, so Wagner in dem Video, das auf der Tribüne des Europa-Park-Stadions aufgenommen wurde.

Dort erzählt Wagner von seinem Werdegang: Nach der D-Jugend in der Freiburger Fußballschule ging er noch mal zurück zum SC Lahr, der Aufwand mit den langen Fahrtstrecken und der Schule wurde ihm zu viel. Für viele andere wäre der Traum von der Bundesliga damit wohl ausgeträumt. Doch die Freiburger hielten Kontakt, 2017 ging’s vom SC Lahr wieder in den Breisgau. Dort durchlief Wagner die Nachwuchsmannschaften, seit dieser Saison ist er nun Profi und trainiert im Team von Christian Streich mit. "Ich finde es toll, dass er seinen Weg gegangen ist", sagt Stefan Wölfle.

Streich war es dann, der Wagner am Freitag bei strömendem Regen in der 84. Minute aufs Feld schickte. "Er hat mir gesagt, dass es jetzt ums Verteidigen geht", berichtete Wagner von Streichs Worten vor seinem Bundesliga-Debüt, in dem die Bochumer in der Schlussphase auf den Ausgleich drückten. "Es ist bemerkenswert, dass es beim Stand von 1:0 passiert ist. Oft kommen junge Spieler ja erst rein, wenn es entschieden ist. Aber das zeigt, welchen Stellenwert er schon genießt", findet der Lahrer Jugendleiter.

Viel Konkurrenz im defensiven Mittelfeld

Wohin Wagners Weg in dieser Saison noch gehen wird, lässt sich schwer abschätzen. Maximilian Eggestein dürfte nach seiner Handverletzung zeitnah zurück im Kader stehen, womöglich schon am Wochenende gegen Leverkusen. Wenn jedoch in der kommenden Woche die Europa-League-Gruppenphase beginnt, wird für Streich auch die zweite Garde, zu der Wagner gehört, wichtiger. Zudem ist der 19-Jährige auch noch in Liga drei für die Sportclub-Reserve aktiv und gehört dort zu den Leistungsträgern.

Derzeit pendelt er also noch zwischen zwei Mannschaften des SC Freiburg. Seine Ziele für die Zukunft sind jedoch klar: "Ich fühle mich hier wohl und versuche Stammspieler zu werden." Das dürfte in dieser Saison schwer werden, auf seiner Position im defensiven Mittelfeld ist die Konkurrenz groß – neben Eggestein ist auch Nicolas Höfler bei Streich gesetzt. Für Wagner kein Problem, er nutzt die Chance, um von den erfahrenen Spielern wie Höfler, Christian Günter oder Nils Petersen zu lernen und sich Tag für Tag weiterzuentwickeln.