Direktkandidaten aus dem Wahlkreis Lahr beantworten im Wahlcheck Fragen, die die Menschen in der Region bewegen. Diesmal geht es um Klima und Umwelt.
Am 8. März sind die Menschen in Baden-Württemberg aufgerufen, einen neuen Landtag zu wählen. Während die Zweitstimme an eine Partei geht, wählen die Menschen mit der Erststimme einen Direktkandidaten für das Parlament.
Unsere Redaktion hat Sandra Boser (Grüne), Marion Gentges (CDU), Benjamin Rösch (AfD), Kai Schröder-Klings (SPD), Udo Zahn (FDP) und Jana Kühl (Linke), Fragen zu verschiedenen Themenkomplexen gestellt. Dieses Mal geht es um die Frage: War der Atomkraftausstieg ein Fehler?
Sandra Boser (Grüne):
Nein, Deutschland hat auch nach dem Ausstieg eine der stabilsten Stromversorgungen in Europa. Erneuerbare, Speicher, Flexibilität und Netzausbau garantieren Versorgungssicherheit. Die Debatte um Atomkraft als tragende Form der Energieerzeugung ist eine Nebelkerze. Sie lenkt von den echten Aufgaben ab: Netze, Speicher und Erneuerbare ausbauen.
Marion Gentges (CDU):
Den Ausstieg aus der Atomkraft muss man rückblickend im Kontext der damaligen Situation einordnen. Fakt ist, dass wir das Rad nicht zurückdrehen werden. Vielmehr müssen wir uns politisch darauf konzentrieren, die Energieversorgung für die Menschen und insbesondere auch für unsere Wirtschaft sicherzustellen.
Benjamin Rösch (AfD):
Der Ausstieg aus der Kernkraft aus Anlass eines Tsunamis in Japan, der dort ein Kernkraftwerk in Meeresnähe zerstörte, war neben der Grenzöffnung von 2015 die größte politische Sünde der CDU und hat unserem Land massiven Schaden zugefügt. Ich verstehe es bis heute nicht.
Kai Schröder-Klings (SPD):
Nein. Atomkraft ist riskant, die Endlagerfrage ungeklärt und neuer Atomstrom wäre heute viel zu teuer. Die Zukunft gehört den Erneuerbaren, denn sie machen uns unabhängig von fossilen Importen. Wir dürfen nicht in die Vergangenheit investieren, sondern müssen jetzt mit voller Kraft in Netze, Speicher und grünen Wasserstoff gehen.
Udo Zahn (FDP):
Ja. Die bereits abgeschriebenen Kernkraftwerke mit befristeter Laufzeitverlängerung weiter zu nutzen, wäre wirtschaftlich sinnvoll gewesen. Die zusätzlichen Einnahmen sollten ursprünglich in Energie- und Klimafonds fließen und die Energiewende finanzieren. Dass die Union den Ausstieg vollzogen hat, hat uns Zeit, Geld und Versorgungssicherheit gekostet.
Jana Kühl (Linke):
Nein, der Ausstieg kam zu spät. Er war richtig und muss unumkehrbar sein. Atomkraft ist ein Hochrisiko und die Entsorgung ungelöst. Wir setzen auf den schnellen Ausbau erneuerbarer Energien und lehnen Laufzeitverlängerungen sowie die Aufnahme von Atomkraft in die EU-Taxonomie ab.