Betriebsübergabe am Lahrer Flugplatz: Artur und Harald Günther hören als Geschäftsführer des Tank- und Waschparks auf, Niklas Günther übernimmt.
Einst hat er mit einem Ferienjob im elterlichen Betrieb sein erstes Geld verdient, heute ist er Geschäftsführer: Niklas Günther hat zum 1. Februar die Leitung der Günther Energie und Service GmbH übernommen. Vater Artur Günther und Onkel Harald Günther sahen die Zeit gekommen, die Verantwortung an die nächste Generation abzugeben.
Im Gespräch mit unserer Redaktion blickt der 33-Jährige zurück: „Ich bin mit dem Unternehmen groß geworden. Mein Leben lang habe ich viel damit zu tun gehabt.“ Und doch war es keine Selbstverständlichkeit, dass er einmal die Firma übernehmen würde. Während seines Wirtschaftsingenieurwesen-Studiums an der Hochschule in Offenburg „habe ich auch damit gehadert. Ich habe gesehen, was es bedeutet, die Verantwortung zu tragen“, gibt Niklas Günther offen zu. Doch dann habe ihn sein Onkel in den Schwarzwälder Hof in Seelbach zum Essen eingeladen und ihm den Eintritt ins Unternehmen schmackhaft gemacht. Seit 2019 ist die dritte Generation Teil der Firma – offenbar die richtige Entscheidung: „Ab dem Tag, an dem ich eingestiegen bin, war relativ schnell klar, dass ich den Betrieb übernehmen werde“, erzählt Niklas Günther. Nun war es also so weit.
Die Übergabe hat die Familie nun schon einige Jahre vorbereitet, irgendwann den Jahreswechsel von 2025 auf 2026 als Datum ins Auge gefasst, erklärt Harald Günther. Der 68-Jährige hatte 1986 den elterlichen Betrieb – damals noch in Reichenbach angesiedelt – übernommen und führte ihn rund 40 Jahre lang. „Da wir ohne Unterbrechung geöffnet haben, war man immer in Hab-Acht-Stellung“, beschreibt der Reichenbacher die Herausforderung. „Auch sonntags war ich eigentlich immer hier.“
Seniorchefs sind froh darüber, die Verantwortung abgegeben zu haben
Die Verantwortung nun abgeben zu können, bezeichnet er als „Befreiungsschlag“. Bruder Artur Günther (69) ergänzt: „Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen.“ Er möchte mit seiner Frau nun erst einmal „eine kleine Reise“ unternehmen. Harald Günther hat noch keine konkreten Zukunftspläne, auch ihm ist jedoch erst einmal nach Ruhe: „Ich werde im nächsten halben Jahr keine Ämter übernehmen“, sagt der Stadt- und Ortschaftsrat.
Die Brüder sind sich sicher, dass sie ein gut aufgestelltes Unternehmen in jüngere Hände geben. Unter den rund 40 Mitarbeitern herrsche ein sehr gutes Arbeitsklima. Sie seien froh, berichtet Harald Günther, dass die Leitung der Firma in der Familie bleibt und nicht etwa einem Konzern übertragen wird.
Ladesäulen für Lkws könnten ein Thema werden
Niklas Günther kündigt an, alle Geschäftsfelder – von der Tankstelle über die Waschanlage bis zum Pelletverkauf – weiterführen zu wollen. Zu seinen Aufgaben zählt er, den Betrieb auf die Entwicklungen vorzubereiten, die noch kommen: „Unsere Geschäftsmodelle werden in Frage gestellt. Fossile Brennstoffe stehen auf dem Prüfstand.“ Aktuell mache „grüne“ Energie vom synthetischen HVO-Diesel aus Reststoffen bis zu den Ladesäulen nur einen geringen Teil des Jahresumsatzes von 35 Millionen Euro aus. Doch die Tendenz sei steigend. Für möglich hält der neue Chef Investitionen in Wasserstoff oder in einen E-Ladepark für Lkws. Eine angrenzende rund 6600 Quadratmeter große Fläche bietet Platz für Erweiterung und sei nun endlich bereit, bebaut zu werden.
Unterstützung erhält der 33-jährige Seelbacher von einer langjährigen Mitarbeiterin: Anna Heisler wurde mit dem Wechsel zur Prokuristin ernannt. „Sie ist seit 20 Jahren dabei und hat alles mitbekommen“, so Harald Günther. Aber auch er und sein Bruder werden nicht aus der Welt sein. „Es ist nicht so, dass wir den Schlüssel abgeben und nichts mehr mit dem Betrieb zu tun haben wollen. Wenn Not am Mann ist, sind wir da.“ Niklas Günther greift dieses Versprechen gerne auf: „Es gibt immer etwas zu tun“, entgegnet er lachend.
Dann blickt Harald Günther, der selbst keine Kinder hat, seinen Neffen stolz an und sagt: „Mein Vater war der Kohle-Günther. Mich nennt man Öl-Günther. Mal schauen, wie die Leute dich nennen werden.“
Die Betriebsgeschichte
Luitgard und Arthur Günther gründeten 1950 in Reichenbach ein Gemischtwarengeschäft mit Kohlehandel. 1956 kam der Handel mit Heizöl und Diesel dazu, ab 1964 wurde ein Tankanlagen-Service angeboten. 1988, zwei Jahre nach der Übernahme von Harald Günther, verließ die Firma Reichenbach und siedelte sich in Lahr an. 1999 gründeten Harald, Gabriele und Artur Günther die GmbH in ihrer heutigen Form und starteten mit dem Bau des Tank- und Waschparks am Flugplatz. Der wurde 2000 eröffnet und seitdem immer wieder modernisiert sowie erweitert. Zuletzt gingen 2023 die Schnellladesäulen ans Netz.