Kurz vor Schulstart wurde die Maskenpflicht an weiterführenden Schulen auf unbegrenzte Zeit verlängert. Ursprünglich war das Maskentragen nur für die ersten zwei Wochen nach den Sommerferien vorgeschrieben, diese Frist wurde aufgehoben. Foto: Balk

Vorsitzende des Lahrer Gesamtelternbeirats äußert Sorgen zum Schulstart

Lahr - Das neue Schuljahr hat begonnen, Präsenzunterricht ist jetzt wieder die Regelform. Mit der Rückkehr in die Klassenzimmer sieht Christine Marrek, Gesamtelternbeiratsvorsitzende der Lahrer Schulen, aber einige Probleme.

Frau Marrek, mit welchen Gefühlen haben Sie dem Schulbeginn entgegengeblickt?

Mit gemischten Gefühlen. Die Eltern freuen sich über den Präsenzunterricht für ihre Kinder und hoffen, dass er aufrechterhalten werden kann. Es gibt aber auch Sorgen, da Schüler ab zwölf Jahren noch nicht ausreichend Impfangebote erhalten haben – falls sie sie möchten.

Erst recht gibt es Sorgen um Schüler, die jünger als zwölf Jahre sind, da es für sie keinen Impfschutz gibt. Dazu bestehen unter den Eltern aber unterschiedliche Ansichten, die ich als Elternbeiratsvorsitzende respektiere.

Wie denken Sie über Impfungen für Kinder?

Mein Eindruck ist, dass wir durch das Impfen besser dastehen. Den Kindern würde es am ehesten helfen, wenn sich viele Erwachsene immunisieren lassen. Die Eltern sollten mit ihren Kindern darüber sprechen, ob sie sich impfen lassen wollen, und dann gemeinsam entscheiden.

Für Schüler unter zwölf sind keine Impfungen vorgesehen. Wie kann man sie vor Ansteckung schützen?

Die Corona-Verordnung nennt hier die AHA-Regeln: Schüler sollen auf Abstand und Hygiene achten sowie Masken tragen. Aber da sehe ich das erste Problem, dass nämlich kein Abstand gehalten werden kann, wenn man in einer Klasse sitzt, die ihre normale Größe hat. Deshalb wünschen wir Eltern uns kleinere Klassen. Also nicht die Einführung von Wechselunterricht, sondern die Verkleinerung von Klassen. Aber dafür ist kein Lehrerpersonal da.

Nach Aussage von Ministerpräsident Kretschmann bedeutet Quantität beim Lehrerpersonal nicht gleich Qualität. Im Gegensatz dazu sind in der Landesregierung neue Posten geschaffen worden, zum Beispiel für Staatssekretäre. Für uns Eltern ist es schwer zu verstehen, dass dafür Geld da ist und für die Zukunft unserer Kinder angeblich nicht.

Was versprechen Sie sich von Luftfilteranlagen?

In Baden-Württemberg ist leider genau definiert, dass nur schlecht belüftbare Schulräume Luftfilteranlagen erhalten sollen. Gemeint sind Räume, in denen sich Fenster nur kippen, aber nicht öffnen lassen, sowie Schulräume ganz ohne Fenster.­ Für Klassenzimmer, in denen man alle Fenster aufmachen kann, sind dagegen keine Luftfilter vorgesehen. In Hamburg, Bremen und Bayern ist das anders.

Im Vergleich dazu kommt Ihrer Ansicht nach die Gesundheit der Schüler in Baden-Württemberg zu kurz.

Ja, klar. Außerdem hat die Tagesschau im Oktober 2020 berichtet, dass in der Kantine der Landesregierung in Stuttgart Luftfilter aufgestellt worden sind. In Schulmensen hat man das dagegen nicht gemacht. Dabei wäre das nötig, da die Kinder dort ihre Masken zum Essen abnehmen.

Was kann noch getan werden, um Schüler vor einer Infektion zu schützen?

Die Corona-Tests in den Schulen laufen ja weiter, wobei PCR-Tests meiner Ansicht nach eine bessere Wahl als die in Lahrer Schulen praktizierten Schnelltests wären. Denn PCR-Tests sind viel sensitiver und schlagen bei einer geringeren Virenlast an.

Aber PCR-Tests sind halt teurer und aufwendiger.

Dass es teurer ist, ist nicht die ganze Wahrheit. In Freiburger Schulen werden PCR-Pool-Testungen bereits vorgenommen, und vom dortigen Gesamtelternbeirat hören wir, das damit gute Erfahrungen gemacht worden sind. Pool-Test bedeutet, dass alle Schüler ihren Tupfer in dasselbe Röhrchen geben.

Dabei werden die Proben vermischt. Dieses Röhrchen geht dann ins Labor. Damit lässt sich deutlich zuverlässiger als bei Antigen-Tests feststellen, ob in einer Klasse eine Infektion vorliegt. Im Vergleich dazu sorgen Schnelltests nur für eine Scheinsicherheit, erst recht, wenn bei einem infizierten Kind keine weiteren Quarantänemaßnahmen in der Klasse erfolgen, sondern nur tägliche Schnelltests für fünf Tage.

Was wünschen Sie sich noch zum Schulstart?

Ein großes Thema, an dem wir dran sind, sind Impfangebote für Schüler ab zwölf Jahren. Hintergrund ist, dass ab dem 23. September Impfaktionen für einige Lahrer Schulen geplant sind, die die mobilen Impfteams des Kreises übernehmen sollen – aber nur für Schüler ab 16 Jahren. Wir wünschen uns, dass auch Kinder ab zwölf Jahren immunisiert werden. Das Sozialministeriums weist ausdrücklich auf die Möglichkeit hin, dass Schulen mobile Impfteams anfordern können, um Kinder ab zwölf Jahren zu impfen. Der Gesamtelternbeirat der Lahrer Schulen hat sich deshalb per E-Mail an den Leiter der mobilen Impfteams im Kreis gewandt mit der Bitte, dass auch Schüler ab zwölf geimpft werden. Natürlich nur, sofern sie es wünschen.

Gibt es weitere Probleme?

Das Kultusministerium hat mitgeteilt, dass in den Schulen ermittelt werden soll, welche Schüler Lernrückstände haben. Diese Rückstände sollen ab diesem Herbst aufgeholt werden, und zwar zusätzlich zum normalen Unterricht. Laut Schätzungen hat nach dem Pandemie-Jahr ein Viertel der Schüler Defizite, es gibt aber auch Stimmen, dass ihr Anteil höher ist. Das Programm ist auf zwei Jahre angelegt und heißt "Lernen mit Rückenwind". Wir Eltern fragen uns, wie der Förderbedarf individuell festgestellt wird und wie die Lernrückstände dann neben dem normalen Unterricht aufgeholt werden können, außerdem, welche Räume zur Verfügung stehen und ob sich dafür ausreichend Lehrer finden lassen. Denn zugleich sollen laut Kultusministerium die Bildungspläne eingehalten werden. Wir Eltern hätten uns gewünscht, dass Bildungspläne verschlankt werden.

Führt die Präsenzpflicht zu neuen Problemen?

Nun, im vergangenen Schuljahr gab es die Schulpflicht, aber keine Präsenzpflicht. Schüler, die sich nicht testen lassen wollten oder andere Gründe vorlagen, konnten also daheim bleiben. Das haben in Lahr auch einige Schüler so gemacht. Jetzt gibt es aber die Präsenzpflicht, außerdem müssen die Schüler eine Maske tragen und sich testen lassen. Diejenigen, die das nicht wollen, haben ein Problem, denn ohne Test dürfen sie nicht in die Schule. Das gilt dann als Verletzung der Schulbesuchspflicht mit allen Konsequenzen, auch für die Eltern.

Können die Kinder noch Spaß an der Schule haben?

Da muss ich ein großes Lob an die Schulleitungen sowie an die Lehrerinnen und Lehrer aussprechen. Sie haben in der Corona-Zeit Unglaubliches geleistet und werden es jetzt bestimmt auch wieder schaffen, eine gute Stimmung zu erzeugen. Außerdem freuen die Kinder sich, ihre Freunde wiederzusehen. Und für die meisten Kinder sind die Masken und das Testen zur Routine geworden wie das Zähneputzen.

Fragen: Herbert Schabel

Zur Person

Christine Marrek leitet den Gesamtelternbeirat der Lahrer Schulen und den Elternbeirat am Scheffel-Gymnasium, wo sie 1994 selbst Abitur gemacht hat und das heute ihre drei Söhne besuchen. Sie ist Krankenschwester von Beruf.