Eine Delegation aus Lahr steigt im Oktober in den Flieger – das Ziel: der Surfpark in Bristol. Auch die Umweltverbände sind eingeladen, lehnen den Trip aber ab. Derweil gibt es eine neue Standort-Option.
Anfänger, die ihre ersten Stehversuche wagen, Fortgeschrittene, die sich immer weiter ins Wasser trauen und Profis, die jede Welle souverän meistern: Was in Lahr bald möglich sein soll, ist in Bristol bereits realisiert. An der englischen Südküste gibt es mit „The Wave“ einen Surfpark, nach dessen Vorbild die Lahrer Version gebaut werden soll. Grund genug für die Stadt, sich das Projekt einmal an Ort und Stelle anzusehen. Am 3. Oktober geht’s per Flieger auf die Insel.
Was genau ist geplant? „Das Programm beinhaltet eine Besichtigung des Surfparks sowie Gespräche mit dem Betreiber und mit zuständigen Behördenvertretern“, erklärt die Stadt auf Nachfrage unserer Redaktion. Eingeladen sind mit dem Thema befasste Mitarbeiter der Verwaltung, ein Vertreter jeder Gemeinderatsfraktion, die Medien, Tourismusverbände und auch Umweltschutzverbände. Genauer: die Lahrer Ortsgruppen von Nabu und BUND. Vertreter beider Gruppen hatten sich zuletzt bereits kritisch geäußert und sich aus Umweltschutzgründen gegen den Surfpark positioniert. Eine Chance, die Vertreter anhand eines praktischen Beispiels umzustimmen, bleibt der Stadt aber verwehrt.
BUND kritisiert Wasser- und Flächenverbrauch
„Wir haben uns noch nicht final entschieden, aber wir werden wahrscheinlich nicht mitfliegen“, sagt Kantinka Mangei, Vorsitzende der Lahrer BUND-Gruppe, im Gespräch mit unserer Redaktion – und macht deutlich: „Die Tatsache, dass wir fliegen, stört uns. Bristol ist sehr weit weg.“ Hätte sich die Stadt beispielsweise entschieden, mit dem Zug nach München zu fahren, wo im August der erste Surfpark Deutschlands eröffnete, wäre der BUND gerne dabei gewesen. „Es ist wichtig, sich mit dem, was man kritisiert, auseinanderzusetzen. Wir wären offen gewesen“, betont Mangei. So bleibt es bei der klaren Haltung des BUND: „Wir sind definitiv gegen den Surfpark. Es ist ein zu hoher Flächenverbrauch, ein zu hoher Wasserverbrauch und ein zu hoher Energieverbrauch“, sagt die Vorsitzende.
Der Nabu sieht dies ganz ähnlich. „Wir werden nicht nach Bristol fliegen“, erläutert Vorstandssprecher Eric Lippe. Zum einen werfe es kein gutes Licht auf einen Umweltschutzverband, für einen solchen Kurztrip in den Flieger zu steigen („Für eine Fahrt nach München wären wir eher bereit gewesen“). Zum anderen gebe es einen Grundsatzbeschluss des Gemeinderats. Heißt, es gehe nicht mehr darum, ob der Surfpark kommt, sondern nur noch wo. „Und das können wir anhand des Kriterienkatalogs auch hier in Lahr entscheiden“, ist Lippe überzeugt.
Wie Mangei habe er beim Surfpark generelle Bedenken in Sachen Wasser-, Energie- und vor allem Flächenverbrauch. „Drei bis fünf Hektar sind eine ganze Menge Fläche. Das entspricht nicht einem sparsamen Umgang“, betont er. Lippe wünscht sich zudem, dass in Lahr der veraltete Landschaftsplan endlich fortgeschrieben wird. Er fordert ein Konzept, das beschreibt, welche Flächen schützenswert sind und auf welchen Projekte wie der Surfpark entstehen dürfen. Ein entsprechender Antrag auf Fortschreibung seitens der SPD-Fraktion nahm der Gemeinderat im Mai an.
Landschaftsplan soll Seepark-Flächen schützen
Das Konzept könnte dann beinhalten, dass die Flächen am Seepark geschützt werden. Aktuell ist das Areal südlich des LGS-Geländes einer der möglichen Standorte, die die Projektentwickler derzeit prüfen. „Es ist sehr beunruhigend zu hören, dass der Surfpark an den Seepark kommen könnte“, sagt Lippe. Die Flächen dort seien sehr naturnah. Deswegen habe man speziell bei diesem Standort „große Bedenken“.
Die Stadt indes denkt – anders als der Nabu – dass sie beim Ausflug durchaus relevante Informationen erhält, die die Standortsuche beeinflussen. „Ziel ist es, durch den Besuch eines sehr gut vergleichbaren Projekts zusätzliche Informationen über die Anforderungen eines Surfparks an seinen Standort, aber auch über die Wirkungen des Projekts auf seine unmittelbare Umgebung wie auch die Stadt zu erhalten“, heißt es aus dem Rathaus. Gerade für ,Surfield’ seien diese Erkenntnisse von großer Bedeutung, das es sich um eine Sondernutzung handelt, „für die nur wenig Erfahrungswerte oder Vergleichsobjekte bestehen“, so die Stadt.
Markus Ibert erfuhr am Mittwoch von der LZ von der Absage von Nabu und BUND. Der OB zeigte sich durchaus enttäuscht: „Ich halte das für eine verpasste Chance. Wir wollen transparent mit dem Thema umgehen, haben deshalb nicht nur die eingeladen, die ohnehin für den Surfpark sind.“ Ibert betonte, dass „noch nichts entschieden“ sei, er zum „jetzigen Zeitpunkt von allen Seiten eine Offenheit für das Projekt“ erwarte. „Es kann doch nicht sein, dass wir in eine Haltung verfallen, dass Neues grundsätzlich als schlecht abgetan wird“, so der OB deutlich.
Dabei nannte er neben den bereits bekannten potenziellen Standorten – südlich des Seeparks, das Zuckerhof-Areal an der Autobahn sowie die Gebiete Stadteinfahrt Nord (an der B 415) und Rheinstraße Nord (am Flugplatz) – eine weitere Option: die bereits versiegelte Fläche zwischen Seepark und Rheintalbahn nördlich der Polizeihochschule, die zu LGS-Zeiten als Parkplatz diente. Anhand eines Kriterienkatalogs, der im Juli vom Gemeinderat beschlossen wurde, läuft derzeit die Prüfung aller möglicher Standorte. „Das Ziel ist, den Gemeinderat noch in diesem Jahr mit dem Ergebnis zu befassen“, teilt das Rathaus mit.
10 000 Euro Kosten
Die Stadt lässt sich den Ausflug einiges kosten. Zwar gilt für jeden Teilnehmer, wie der Einladung zu entnehmen ist, eine Selbstbeteiligung von 270 Euro, diese werden die Kosten aber nicht decken. „Die exakte Höhe der Kosten steht noch nicht fest, da noch Rückmeldungen zur Teilnahme ausstehen. Sie werden aber voraussichtlich etwa 10 000 Euro betragen“, erklärt die Stadt auf LZ-Anfrage.