Die Kurven gehen kreisweit nach unten, in Lahr entwickelt sich die Sieben-Tage-Inzidenz mit Abstand am besten. OB Markus Ibert warnt jedoch, diese Zahlen als "alleiniger Gradmesser heranzuziehen". Foto: Stadt Lahr

Corona: OB warnt vor überstürzten Lockerungen / Lahrer Zahlen sinken deutlich

Lahr - Das Infektionsgeschehen in Lahr hat in den vergangenen Tagen deutlich abgenommen. Dennoch mahnt OB Markus Ibert weiter zur Disziplin – und warnt vor einer "Öffnungsrallye".

Tendenz der Neuinfektionen fällt

Es war eine eindrückliche Grafik, die der Oberbürgermeister am Montagabend dem Gemeinderat vorgelegt hat: Sechs Kurven, die den Inzidenz-Verlauf der vergangenen Wochen verdeutlichen, im Land, im Kreis und in den vier größten Ortenauer Städten Offenburg, Lahr, Kehl und Achern.

Überall geht die Tendenz der Neuinfektionen pro Woche und 100.000 Einwohner nach unten. Nirgends so stark wie in Lahr. In wenigen Wochen hat es die Stadt vom unrühmlichen Spitzenplatz der Corona-Tabelle auf den niedrigsten Wert geschafft. Im Kreis lag die Inzidenz am 21. Februar bei 37,6. Von den "vier Großen" in der Ortenau lag nur Lahr mit 27,5 unter dem Schnitt.

Indes, das Landratsamt hatte in den vergangenen Wochen mehrfach davor gewarnt, Inzidenzen für Kommunen auszurechnen. So erklärte Kreis-Sprecher Kai Hockenjos am Dienstag auf Nachfrage erneut: "Nach wie vor gilt, dass eine Inzidenz-Rechnung für einzelne Städte und Gemeinden nicht zielführend wäre. Das Runterbrechen macht weder medizinisch noch epidemiologisch Sinn." Denn: "Sonst hätten wir bei kleineren Gemeinden mit 2000 Einwohnern bei zwei Fällen innerhalb von sieben Tagen schon einen Wert von 100."

Zahlen sind von alleine gesunken

Ibert machte am Tag nach der Sitzung im Gespräch mit der LZ nochmals deutlich, "dass wir mit der Grafik nicht zeigen wollten, wie toll wir sind oder wie gut wir es in Lahr haben", sondern – ganz andere Stoßrichtung – auf die "geringe Aussagekraft der reinen Inzidenz" verweisen.

Denn noch am 13. Januar, auch das ist dem Schaubild zu entnehmen, wies Lahr einen Wert von mehr als 250 auf, standen die anderen großen Städte im Kreis deutlich besser da. Der Druck auf die Verwaltung, das ist Iberts Worten zu entnehmen, muss in dieser Corona-Hochphase immens gewesen sein. "Es herrschte eine große Aufgeregtheit, viele fragten: Was wird in Lahr gemacht, um die Situation in den Griff zu kriegen?" Öffentlich ging die SPD in Person von Roland Hirsch in die Offensive. Der Fraktionssprecher schickte, wie berichtet, einen ganzen Fragekatalog ans Rathaus und forderte eine Erklärung für das hohe Infektionsgeschehen.

Die Antwort des OB jetzt: "Wir haben keine besonderen Maßnahmen ergriffen, die Zahlen sind von alleine gesunken." Das soll freilich nicht die Passivität der Verwaltung beweisen. Vielmehr ist es aus Sicht Iberts "ein Beleg dafür, dass wir eine differenzierte Betrachtung brauchen". Im Guten wie im Schlechten. "So wie ich gegen das Abriegeln einzelner Orte war, als die Werte hoch waren, dürfen wir jetzt nicht in Aktionismus bei den Lockerungen verfallen", erklärt das Stadtoberhaupt.

Ibert sieht "durch die gute Entwicklung Raum, eine zeitnahe Öffnung weiterer Bereiche anzustreben". Dies müsse aber "flächendeckend sinnvoll begleitet werden". Oder anders formuliert: "Es darf kein Wettbewerb der Städte geben, wer am schnellsten öffnet oder am härtesten kon­trolliert." Wichtig ist Ibert dabei, "dass wir klare, verständliche Regeln und Angebote für die Bürger machen".

Info

Um Öffnungen weiterer Bereiche zu ermöglichen, plant die Stadt unter anderem folgende flankierende Maßnahmen:

Weitere Unterstützung des Lahrer Kreisimpfzen­trums (Ibert: "Impfen ist das zentrale Instrument, um eine Öffnung nachhaltig zu ermöglichen.")

Maskenpflicht in der Innenstadt (Ibert: "Ich finde, wer keine Maske tragen will, der muss draußen bleiben.")

Klare Kontrollen (Ibert: "Der Kommunale Ordnungsdienst wird weiterhin präsent sein, kontrollieren, aufklären und überzeugen.")

Schnelltests ermöglichen (Ibert: "Wir arbeiten intensiv an weiteren Optionen, zusätzliches Personal einzusetzen.")

Wirtschaft helfen (Ibert: "Ein weiteres Handlungspaket für Handel und Gastronomie wird bald vorgestellt.")

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