Die Tourismus-Kauffrau Gina Furrer aus Lahr tritt bei der Landtagswahl für die Partei "Die Partei" an. "Wenn Politiker Satire machen, müssen Satiriker eben Politik machen", sagt die 29-Jährige zu ihren Ambitionen, in den Landtag einzuziehen. Foto: Braun

Wahlkampf: Was die Lahrer Kandidatin der Satire-Partei "Die Partei" will / Gymnastikbälle für den Landtag und überall Tampons

Lahr - Das Ziel von Gina Furrer für die Landtagswahl ist klar gesteckt: "100 Prozent plus x" peilt die Kandidatin der Partei "Die Partei" an. Auch sonst ist die 29-jährige aus Lahr stramm auf Kurs der Satire-Truppe. Die Politik etwa will sie "entmannen".

Aufrechte Politik will sie da machen

Ins Polit-Geschäft ist Gina Furrer erst vor Kurzem gestolpert. Doch man kann nicht sagen, dass ihr dieses Feld keinen Spaß macht. Im Gegenteil. Wer sich mit der jungen Frau per Videoschalte austauscht, bekommt einiges zu lachen. Wie es sich für eine Kandidatin einer Satire- und Spaßpartei gehört.

"Die Partei", das ist die Mannschaft um Martin Sonneborn, den früheren Chefredakteur der Satiremagazins "Titanic", der seit einigen Jahren für die von ihm gegründete "Partei" im EU-Parlament sitzt und dort mit allerlei Aktionen für Aufsehen und Wirbel sorgt.

Gina Furrer kann das auch schon, ein paar Kostproben gibt sie im LZ-Gespräch und manche hängen auch schon im Stadtbild von Lahr, dessen Umland und im Kinzigtal. "Politik entmannen" will Gina Furrer zum Beispiel. Zu diesem Spruch auf Wahlplakaten sieht man sie bequem in einem Sessel fläzen, mit knallroten Haaren, der Krawatte auf Halbmast, eine Zigarre in der Hand.

Hinter ihr steht ein Mann, zufällig ihr eigener, der ihr – als ganz Diener – mit Schürze um den Hals einen Aschenbecher reicht und einen Staubwedel schwingt. So also sieht das Rollenbild der "Partei"-Kandidatin aus: Männer sollten aus Politik und Machtzentren am besten ganz verschwinden.

Haben Männer bei ihr überhaupt noch was zu melden? "Ja, wir brauchen sie, aber nur als Berater", meint Gina Furrer. "Manchmal immerhin haben sie ja auch ganz gute Einfälle", fügt sie hinzu und kann im LZ-Videogespräch dann doch nicht wirklich ganz ernst bleiben. Ihren Mann und Parteikollegen Daniel, über den lässt sie persönlich dann doch nichts kommen.

Ihre Ziele für den Landtag? Aufrechte Politik will sie da machen. Dazu werde sie sämtliche ergonomisch ungesunden Abgeordnetenstühle des Stuttgarter Landtags herauswerfen lassen und den Politikern gesunde Gymnastikbälle verordnen.

Auch die Lahrer Stadtkasse wolle sie unterstützen. "Im Landtag werde ich Kugelschreiber mitgehen lassen, Kopier- und Toilettenpapier klauen und dann an die Lahrer Stadtverwaltung verteilen, um Kosten hier in Lahr zu sparen", kündigt sie an.

Drittes Ziel für Stuttgart: "Tampons entstigmatisieren". Menstruationsbedarf für Frauen will Gina Furrer möglichst überall im öffentlichen Raum angeboten sehen, mit eigens aufgestellten Tampon-Spendern. Wo die stehen sollen? "Na, überall.

"Nazis töten." Mit diesem Spruch geht Gina Furrer auf die AfD los

Auch im Wald." Und nicht vergessen will sie auch die klare Forderung: "Schampus für alle!" Die Schaumweinsteuer müsse endlich abgeschafft werden. Dass diese von Berlin und nicht von Stuttgart kassiert wird? Nebensache. "Wenn Politiker Satire machen, müssen Satiriker eben Politik machen", sagt Gina Furrer.

Dann, bei allem Spaß und aller Satire, erklärt die Lahrerin, wie sie zur Politik und zu "Die Partei" gekommen ist. Vor einigen Jahren sei das gewesen, bei einem Musikfestival im Schwarzwald. Da sei sie von fünf Nazis bedroht worden.

"Das geht so nicht weiter, da müssen wir dagegenhalten und gegen Rechts aufstehen", habe sie erkannt. Deshalb sei sie dann auch in "Die Partei" eingetreten und habe sich für die Landtagskandidatur bereiterklärt. Den rechten Kräften im Land wolle sie sich entgegenstellen.

Da passt auch das Wahlplakat dazu, das in Lahr hängt: "Politik ohne Haken" steht darauf und zu sehen ist der Rest eines um seine Haken befreites Hakenkreuz. Bitterböse war zuletzt auch die "Partei"-Satire um den Lahrer AfD-Bundespolitiker Thomas Seitz.

Als dieser mit Corona und dem Tod rang, verdrehte "Die Partei" Lahr ein Zitat des AfD-Mannes und schrieb sinngemäß, Seitz werde den Virus nicht überleben. Kam zum Glück nicht so. "Satire darf das", meint Gina Furrer. "Wir legen den Finger in die Wunde und sprechen aus, was andere nicht aussprechen".

Ein anderes Beispiel, wie sich "Die Partei" mit der AfD anlegt: Direkt neben Plakaten des Lahrer AfD-Kandidaten Johannes Erling klemmte Furrers Partei eigene Plakate mit dem Spruch "Nazis töten." In Offenburg löste das politischen Wirbel und eine Anzeige aus. In Lahr blieb es dahingehend noch ruhig.

Zur Person

Gina Furrer ist verheiratet und lebt mit ihrem Mann Daniel seit fast zweieinhalb Jahren in Lahr. Sie ist zweite Vorsitzende des Ortenauer Kreisverbandes der Partei "Die Partei" und auch im Vorstand des Lahrer Ortsvereins aktiv, der sich vor knapp einem Jahr gegründet hat.

Sie stammt aus dem Kaiserstuhl und ging in Freiburg zur Schule. Von Beruf ist die 29-Jährige Tourismuskauffrau beim Reisekonzern TUI in Endingen. Ihr Mann Daniel unterstützt sie im Wahlkampf. Zu sehen sind beide in und um Lahr auf dem Wahlkampf-Plakat mit dem Motto "Politik entmannen".

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