Zu ihrem 55-jährigen Bestehen veranstalten die Seelbacher Eulen vom 4. bis 6. Februar ein großes Jubiläumswochenende. Das grüne Licht aus Stuttgart gibt der Zunft dafür jetzt Planungssicherheit. Foto: Schabel

Brauchtum: Landesregierung gibt Fasent grünes Licht / Reaktionen der hiesigen Zünfte

Lahr und Region - Die Fastnacht 2022 soll – unter Auflagen – stattfinden. Die Nachricht aus dem Landesgesundheitsministerium sorgte am Freitag für große Erleichterung bei vielen Zünften rund um Lahr. Für manche indes kommt das Okay bereits zu spät.

Nach dem coronabedingten Ausfall der Kampagnen 2021 hat die Politik grünes Licht für die Narretei 2022 gegeben: "Fastnacht und Karneval sollen in dieser Saison nicht noch einmal ausfallen", heißt es in der Pressemitteilung aus Stuttgart. In Abstimmung mit den Narrenverbänden und kommunalen Vertretern hat das Land Rahmenbedingungen gesetzt – ­für Innen und Außen. Demnach sollen zu Saalveranstaltungen grundsätzlich nur Geimpfte und Genesene Zutritt erhalten, dafür kann dann aber auf Abstand, Maske und eine Besucherbeschränkung verzichtet werden. Bei der Straßenfasent werden individuelle Hygienekonzepte nötig sein. Genaueres dazu soll in den nächsten Wochen und Monaten ausgearbeitet werden (siehe Info).

Auch wenn noch vieles im Ungewissen liegt, war bei den Zünften in der Region am Freitag ein Aufatmen deutlich zu vernehmen. Die LZ hat sich bei den Verantwortlichen umgehört und erste Reaktionen gesammelt.

Eulenzunft Seelbach: "Das sind gigantische Nachrichten", entfährt es Christiane Kupfer, als ihr am Mittag die frohe Kunde von der LZ überbracht wird. Die Seelbacher Eulen feiern im kommenden Jahr ihr 55-Jähriges. Dementsprechend erleichtert zeigt sich die Oberzunftmeisterin: "Bislang war ich ehrlich gesagt etwas unsicher, ob wir alles durchziehen können wie vorgesehen, aber das macht jetzt richtig Mut." In Seelbach ist vom 4. bis 6. Fe­bruar ein Jubiläumswochenende geplant. Unter anderem mit Narrendorf und großem Umzug. "Wir mussten schweren Herzens vielen Zünften absagen, so groß war die Resonanz", sagt Kupfer. Rund 3.700 Hästräger sollen durchs Dorf ziehen. "Jetzt können wir in die Detailplanung gehen, natürlich auch bezüglich des Hygienekonzepts", blickt die Eulen-Chefin voraus.

Lahrer Narrenzunft: Die Lahrer haben ihren Umzug bereits abgesagt, wie Oberzunftmeister Andreas Wehr­le berichtet: "Uns war es zu unsicher, deshalb haben wir uns auf diesen Schritt geeinigt." Es sei "de facto ohnehin nicht möglich", die Stadt abzusperren, um die absehbaren Auflagen zu erfüllen. Auch der Zunftabend falle wohl aus. "Aber wir haben uns für einige Umzüge angemeldet und freuen uns natürlich, wenn diese stattfinden", sagt Wehr­le. "So ein Jahr wie 2021 darf es nicht noch einmal geben."

Schergässler Reichenbach: Die Zunft aus dem Lahrer Stadtteil ist "schon lange am Planen", sagt ihr Vorsitzender Thomas Fischer. Am 15. Januar soll ein Hästrägertreffen stattfinden, tags darauf ein Umzug mit 3.000 Teilnehmern. Auch wenn es noch viel zu prüfen und abzuklären gebe: "Dass wir da jetzt eine gewisse Sicherheit bekommen, hilft uns natürlich sehr." Das gelte auch für den traditionellen Zunftabend und den Schergassen-Jahrmarkt. 

Friesenheimer Fasentzunft: In Friesenheim gilt Ähnliches wie in Lahr: "Es wird bei uns definitiv keinen Umzug geben", sagt Zunftmeisterin Pe­tra Müller-Huber. Aus ihrer Sicht "ist 3 G auf der Straße nicht kon­trollierbar". Stattfinden soll indes der Schmutzige Donnerstag mit Zelt auf dem Rathausplatz und eine Kinder-Rallye durchs Dorf. "An den fünf, sechs externen Veranstaltungen, für die wir uns angemeldet haben, werden wir teilnehmen. Allerdings bin ich da noch etwa skeptisch", so Müller-Huber. "Einige Mitglieder haben auch schon gesagt, dass ihnen das Ganze in der aktuellen Lage zu unsicher ist."

Narrenzunft Sendewelle Altdorf: "Wir sind ungeachtet aller Ungewissheiten schon lange an den Planungen. Diese Nachrichten sind jetzt eine große Erleichterung für das Vereinsleben", sagt Rolf Mösch, Sprecher der Altdorfer "Sendewelle". Die Anmeldungen der Zünfte für den Umzug am Fasentsamstag flatterten bereits ein. Und auch bei den Proben für den Brauchtumsabend "können wir die Handbremse jetzt lösen". Die über die Ortsgrenzen hinaus bekannte Saalveranstaltung findet 2022 ausnahmsweise in Ettenheim statt, weil die heimische Münchgrundhalle derzeit neu gebaut wird. "Ich freue mich sehr über die frühzeitige und deutliche Unterstützung aus der Politik", sagt Mösch.