Foto: Bockwoldt

Tierschützer in personellen undfinanziellen Schwierigkeiten. Einzig Kastrationen können helfen.

Lahr/Gengenbach - Tierschützer sehen in der unkontrollierten Vermehrung von Katzen ein drängendes Problem. Kastrationen sollen helfen, es in den Griff zu bekommen – allerdings gilt es, mehrere Hürden zu überwinden.

Manuela Bohnert, Vorsitzende des Gengenbacher Tierschutzvereins "Danke Mensch", zieht eine ernüchternde Bilanz: "Man hat den Eindruck, dass es mit der unkontrollierten Vermehrung schlimmer wird." Obwohl sich der Verein um jedes Haus- und Wildfundtier kümmere, habe sich die Arbeit weitestgehend auf Katzen fokussiert.

"Wie alle Tierheime stehen wir bei der Eindämmung von verwilderten Katzenpopulationen vor einem schier nicht zu bewältigenden Berg", bestätigt Martin Spirgatis aus dem Vorstand des Tierschutzvereins Lahr und Umgebung. Das Tierheim sei für die Fundtiere von zwölf Städten und Gemeinden zuständig. "Alleine im Bereich Lahr stehen wir mindestens 14 verwilderten Ansiedlungen gegenüber, die sich größtenteils unkontrolliert vermehren, wenn der Tierschutzverein nicht mit Einfang- und Kastrationsaktionen versucht, die Populationen einzudämmen", so Spirgatis. Einer der aktuellen Brennpunkte sei etwa der Bereich Industriegebiet West.

Die Ausbreitung von Krankheiten wie Katzenaids, Leukose oder Katzenschnupfen lasse sich bei verwilderten Katzen nicht verhindern, schildert Bohnert eines der Probleme. Der Kreislauf sei immer der gleiche. Die Katzenmütter würden aufgrund des Futtermangels nicht richtig fressen, seien krank und mit dem Nachwuchs überfordert. Die Natur sei da eiskalt, die Kleinen blieben auf der Strecke. Deshalb seien noch viele Kastrationen notwendig, gerade auf den Bauernhöfen und im Außenbereich. "Doch Argumente zählen oft nicht. Es ist sehr viel Überzeugungsarbeit zu leisten", weiß die Vorsitzende aus Erfahrung.

Auf das "Unverständnis wohlmeinender Tierfreunde" stoßen auch die Mitarbeiter um Spirgatis bei ihren Aktionen häufig. Mit der unkontrollierten Aufstellung von Futterplätzen befeuerten diese die Problematik noch und behinderten die Aktionen gleichzeitig, so der Lahrer Tierschützer: "Wo Katzen ohne Sinn und Maß einfach nur gefüttert werden, steigt die Anzahl der Tiere sprunghaft an. Oftmals beginnt es mit ein bis zwei hungrigen, verwilderten Katzen." Dann komme der erste Wurf dazu, der auch mit versorgt werde. Irgendwann werde dann der Ruf nach dem Tierheim laut.

"Doch unsere personellen und finanziellen Mittel sind beschränkt. Wo in der Anfangsphase die Kastration von ein bis zwei Katzen ausgereicht hätte, stehen wir dann vor einer kaum lösbaren und finanzierbaren Aufgabe", sagt Spirgatis. "Gerade was wilde Katzenansiedlungen betrifft, halten sich die meisten Gemeinden äußerst zurück. Entweder weil sie die Problematik nicht erkennen oder auch nicht erkennen wollen." Eine Vorbildfunktion komme der Stadt Lahr zu, die den Tierschutzverein seit zwei Jahren mit einem Sonderfonds bei der Kastration von wilden Katzen unterstütze. "Alle weiteren Aufwendungen wie fürs Einfangen, die Nachsorge und Behandlung gegen Parasiten trägt der Verein aber weiterhin alleine", betont Spirgatis.

Helfer kommen oft an ihre Grenzen

Diese Sorge kennt auch der Verein "Danke Mensch". Zwar bestehe ein Fundtiervertrag mit der Stadt und den umliegenden Dörfern, der das finanzielle Fundament sichere. Das reiche aber für die vielfältige Arbeit bei Weitem nicht. "Wir sind auf Spenden angewiesen, und es ist viel finanzielle Eigeninitiative der Mitglieder gefragt", so Bohnert. Tierhilfe werde auch außerhalb des Kerngebiets geleistet, so weit das möglich sei. "Es gibt Situationen, da hat das Tier keine Zeit, nach Zuständigkeiten zu fragen", betont sie. In enger Zusammenarbeit mit der Haslacher Tierklinik wäre jederzeit schnelles Handeln möglich – und doch kämen die Helfer oft an ihre Grenzen. "Das Tierwohl ist das oberste Ziel, wir sind mit viel persönlichem Einsatz gerne bereit zu helfen. Aber das Selbstverständnis seitens der Besitzer oder Außenstehender, mit der Hilfe erwartet wird, und der anschließende Undank sind das Schlimmste", bedauert die Vorsitzende.

Für die verwilderten "Ziegelwaldkatzen" soll in enger Absprache mit der Stadt ein Gartenhaus aufgebaut werden, damit die Futterstelle künftig im Trockenen ist. Auf den neuen Vorstand des Vereins wartet viel Arbeit. Mit dem Kaffee- und Kuchenverkauf beim Hofflohmarkt am Samstag, 24. September, soll Geld für die Vereinskasse erwirtschaftet werden.

Spirgatis fordert eine lokale "Katzenkastrationsverordnung", um das Problem in den Griff zu bekommen. Die Bundesregierung habe den Weg dafür schon vor einiger Zeit frei gemacht. "Allerdings hat sie die Umsetzung an die Länder delegiert", bemängelt er. Diese hätten es ihrerseits den Kommunen freigestellt, ob und wie sie das Problem angehen möchten. Da sich aber kaum eine Gemeinde der Problematik bewusst sei, gehe auch kaum eine das Thema aktiv an.

Weitere Informationen: