Die erste Anti-Corona-Spritze in der Praxis des Lahrer Allgemeinmediziners Johannes Werz (links) erhielt am Mittwochmittag ein 87-jähriger Patient. Den Wirkstoff spritzte die Medizinische Fachangestellte Petra Wangler. Foto: Schabel

Corona: Hausärzte im Raum Lahr impfen erste Patienten / Nachfrage ist riesig

Lahr/Kippenheim - Im Raum Lahr haben am Mittwoch die ersten regulären Corona-Impfungen in Arztpraxen begonnen. Auch wenn der Start schleppend verläuft – bei den Medizinern überwiegt die Freude, ihren Patienten jetzt vor Ort helfen zu können.

Den Impfstoff erhalten die niedergelassenen Ärzte von den örtlichen Apotheken, die ihn wiederum vom pharmazeutischen Großhandel beziehen. Allerdings steht er zurzeit nur begrenzt zur Verfügung. Erst in der Woche ab dem 26. April soll es einen Schub geben, dann können die Praxen mit deutlich mehr Dosen rechnen (siehe Info).

Die Praxen ergänzen so das Angebot des Impfzentrums in der Rheintalhalle, in dem die Vakzine gegen das Coronavirus bisher verabreicht wurden. Besondere Vorgaben zur Infrastruktur, etwa spezielle Warteräume für die Impflinge, haben die niedergelassenen Ärzte nicht.

Grundsätzlich sollen sich die Haus­ärz­te an die durch die Impfverordnung vorgegebene Priorisierung halten. Aber sie dürfen auch flexibel sein, denn sie wüssten am besten, wer jetzt dringend eine Impfung benötigt, heißt es aus der Politik und von der Kassenärztlichen Vereinigung.

Praxis Johannes Werz, Lahr

Die Medizinische Fachangestellte Petra Wangler setzte am Mittwoch um 14.25 Uhr die erste Anti-Corona-Spritze in der Praxis von Johannes Werz. Der Allgemeinmediziner hatte den 87-jährigen Patienten zuvor ausführlich beraten.

Die Nachfrage ist riesig, wie der Arzt im Gespräch mit unserer Redaktion schildert, seine Praxis sei mit Anrufen "bombardiert" worden. Es seien dann "schwierige Entscheidungen" für ihn zu treffen, da der verfügbare Impfstoff bei weitem nicht reicht, um alle Wünsche zu erfüllen.

Werz hat nur eine geringe Liefermenge erhalten: drei kleine Fläschchen, aus denen sich 18 Impfdosen ziehen lassen. Geordert hatte er fünf Impf-Fläschchen. In dieser Woche immunisiere er deshalb ausschließlich Menschen mit der höchsten Priorität. Doch ab kommender Woche wolle er auch Patienten der Prioritätsstufe 2 impfen, also Menschen, die 70 Jahre oder älter sind und bei denen ein hohes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf nach einer Corona-Infektion besteht.

Werz bittet, von Anfragen nach einem Impftermin in seiner Praxis abzusehen. Natürlich beantworte man alle Fragen, doch er habe bereits eine Liste mit der Impfreihenfolge seiner Patientinnen und Patienten erstellt. Für diese Aufgabe habe er an Karfreitag mit seinem Team eine Extraschicht in seiner Praxis eingelegt.

Seine impfberechtigten Patienten würde er von sich aus ansprechen, betont der Lahrer Arzt. nGesundheitszentrum Kippenheim: "Wir sind sehr froh, dass wir jetzt endlich loslegen dürfen", sagt Sebastian Heinze. Das Kippenheimer Gesundheitszentrum hat mit seinen zwei Arztsitzen Anspruch auf 36 Impfdosen, weitere zwölf gab’s zum Start obendrauf, sodass diese Woche 48 Patienten geimpft werden können.

Die ersten 18 Impflinge waren bereits am Mittwoch da. "Wir würden gerne mehr machen, auch wenn der Aufwand zusätzlich zum normalen Praxisbetrieb natürlich groß ist", sagt Heinze, der ein "tolles Praxisteam" hinter sich weiß, wie sein Frau Fides, ebenfalls Medizinerin, ergänzt: "Alle haben sofort ihre Bereitschaft signalisiert, Überstunden zu machen."

Grundsätzlich sieht Sebastian Heinze den Impfstoff bei den Ärzten in den richtigen Händen: "Wir kennen unsere Patienten, wissen, wer eine Immunisierung am dringendsten braucht und können individuell entscheiden." So werde er beispielsweise "auch einen 69-Jährigen mit schweren Vorerkrankungen oder Angehörigen mit erhöhtem Risiko" die Spritze setzen, sagt der Arzt. Wenn nötig komme er mit dem Impfstoff auch zu den Menschen nach Hause.

Das Gesundheitszentrum hat eine Warteliste angelegt: "Das Telefon klingelt unablässig, alle wollen die Impfung." Die Termine mit den wöchentlich zugesagten Dosen seien bereits vergeben, sollte auch künftig überplanmäßig mehr Vakzin geliefert werden, würden zusätzliche Termine kurzfristig vergeben. "Etwa 200 bis 300" Patienten über 70 Jahre habe man in der Praxiskartei, sagt Sebastian Heinze. Wenn auch Menschen ab 60 immunisiert werden dürfen, würde sich die Zahl der potenziellen Impflinge verdoppeln.

Info

In den ersten beiden Wochen erhalten die Hausärzte im Land voraussichtlich ausschließlich den Corona-Impfstoff von Biontech. Danach soll laut Kassenärztlicher Vereinigung auch das Vakzin von Astrazeneca in die Praxen geliefert werden.

Das soll das Terminmanagement einfacher machen, bringt wegen des schlechten Rufs von "Astra" aber auch Probleme mit sich, wie der Kippenheimer Hausarzt Sebastian Heinze prognostiziert: "Da wird viel Überzeugungsarbeit auf uns zukommen, was wiederum zusätzliche Zeit kostet."

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