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Lahr Als Bomben das E-Werk zerstörten

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Acht Jagdbomber werfen am 19. Dezember 16 Bomben auf die Innenstadt. Diese Aufnahme stammt vom Angriff auf die Lahrer Serre-Kaserne am 19. Februar 1945. Foto: Archiv Klein

Lahr - Heute vor 75 Jahren fallen 16 Bomben auf Lahr. Die damalige Garnisonsstadt erlebt damit ihren ersten schweren Bombenangriff. Sechs Menschen sterben, das E-Werk wird komplett zerstört. Die Lahrer Zeitung blickt zurück.

In Trümmern liegt das Lahrer Elektrizitätswerk am 19. Dezember 1944 da. Die Mauern des Gebäudes sind eingestürzt, die Fenster zersprungen. Nur die beiden Säulen stehen noch und zieren den ehemaligen Eingang – jetzt Trümmerhaufen (Bild unten).

"Das war nicht mal ein ernst gemeinter Angriff", blickt Lokalhistoriker Norbert Klein auf den 19. Dezember 1944 zurück. Dennoch erlebt die Garnisonsstadt Lahr an diesem Tag ihren ersten großen Fliegerangriff: 16 Bomben werden von acht amerikanischen Flugzeugen um kurz nach 16 Uhr abgeworfen. Sechs Personen kommen dabei ums Leben, zehn werden verletzt. Der verstorbene Lahrer Stadtchronist Emil Baader dokumentiert den Fliegerangriff: "Kurz nach 4 Uhr nachmittags fielen in Lahr Bomben auf das Elektrizitätswerk und die Firma Meurer und Braun. Bei Kerzenlicht sitzt nun die ganze Stadt: vorweihnachtliche Stimmung, auf die man gern verzichten würde."

Angriff auf die Lahrer Energieversorgung ist das ausgemachte Ziel

Betroffen von dem Bombenangriff sind die Schiller-, Lotzbeck-, Moltke- und Tramplerstraße. 200 Gebäude werden zerstört – darunter insbesondere das E-Werk. Stark getroffen werden zudem die angrenzenden Häuser in der Lotzbeckstraße. Im Nachhinein sei der Angriff am 19. Dezember noch vergleichsweise glimpflich ausgegangen, so Klein. Das habe damit zu tun, dass einige Blindgänger unter den 16 abgeworfenen Bomben waren. Zudem ereignete sich der Angriff um 16 Uhr am Nachmittag, da seien die meisten Leute sowieso nicht mehr bei der Arbeit gewesen. Auch das Fliegerabwehrsystem habe die Menschen mit Sirenen im Voraus gewarnt, vermutet Klein. Ansonsten hätte es vielleicht noch mehr Tote gegeben.

Klein geht davon aus, dass die Angriffe auf das E- und Gas-Werk das Ziel hatten, die Energieversorgung auszuschalten. Lahr gilt zu dieser Zeit als wichtige Kriegs-Industriestadt, weil sie eine Kaserne besitzt, so Klein. Obwohl das Elektrizitätswerk aufgrund seiner Bauweise und seiner beiden hohen Kaminen für die feindlichen Flieger gut zu erkennen war, konnten nicht alle Bomben punktgenau abgeworfen werden. So wurden auch die benachbarten Wohnhäuser in der Lotzbeckstraße in Mitleidenschaft gezogen.

Die Lahrer fühlten sich lange Zeit als reine Beobachter, erklärt Klein. Angriffsziele seien oft größere Städte wie München und Köln gewesen, im beschaulichen Lahr habe man sich sicher gefühlt. "Oft hatten die Lahrer beobachtet, wie die Bomber über die Stadt hinwegzogen", so Klein, der viele Kriegsgeschehnisse von Lahrer Überlebenden geschildert bekommen hat. In diesem Zusammenhang könne der Angriff auf Lahr vom 19. Dezember 1944 "auch nicht mit Großangriffen auf andere deutsche Städte verglichen werden", schrieb Stadtchronist Baader in seinen Tagebucheinträgen wenige Tage nach dem Angriff.

Rund 130 Zivilisten werden bei 30 Angriffen getötet

Der tragische Umschwung für Lahr kam am 10. August 1944: Gegen 11 Uhr fielen erstmals acht Bomben auf den Lahrer Güterbahnhof und weitere auf Dinglingen. Zwei Menschen wurden verletzt, noch gab es aber keine Toten zu beklagen. Erst mehr als vier Monate später wurde Lahr wieder Opfer eines Bombenangriff, bei dem zwei Kinder verletzt wurden. Doch das Grauen ließ nicht lange auf sich warten. Nur zwei Tage später waren sechs Menschen tot.

Der Angriff am 19. Dezember war einer von insgesamt 30 Angriffen auf Lahr im Zeitraum vom 10. August 1944 bis zum 18. April 1945. Insgesamt wurden 128 Zivilisten getötet, 160 verletzt. Ein Großteil davon starb erst in den letzten Kriegsmonaten. 130 Gebäude wurden total zerstört, 275 weitere schwer beschädigt. Von den 5480 Wohnungen in Lahr galten 580 (fast zehn Prozent) als verloren. Schätzungen zufolge wohnten im März 1945 nur noch etwa 9000 Menschen in Lahr. Die genaue Zahl der Toten in Lahr wurde um 1960 endgültig veröffentlicht. 822 Soldaten aus Lahr sind gefallen, 377 werden weiterhin vermisst, wie Stadtarchivar Thorsten Mietzner in seinem Buch ""Kleine Geschichte der Stadt Lahr" dokumentiert.

Für Lokalhistoriker Klein ist die Aufarbeitung des Zweiten Weltkriegs in Lahr weit mehr als eine simple Aneinanderreihung von chronologischen Fakten. Es sei für ihn wichtig herauszuarbeiten, was damals geschehen ist. "Die meisten Lahrer wissen das gar nicht mehr", betont er. Auch gebe es immer weniger ältere Menschen, die etwas dazu erzählen. Zudem würden sich immer weniger Kinder oder auch Enkelkinder dafür interessieren, was die Großeltern in der Kriegszeit alles durchlebt haben. Klein möchte durch seine Aufarbeitung vor allem zeigen, wie "sinnlos und menschenverachtend" der Krieg war. "Wir müssen daran erinnern, dass Krieg sinnlos ist. 75 Jahre Frieden. Das ist was wertvolles und das sollten wir erhalten."

Er appelliert deshalb auch an die beiden Weltmächte, Amerika und Russland, ihre Aufrüstungsbestrebungen zu mindern. Er warnt davor, dass die Stadt Lahr wieder zum Angriffsziel feindlicher Angriffe werden könnte. "Wir dürfen nie mehr zum Garnisonsstandort werden."

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