Die Initiative „Läwe im Lewe“ bereichert seit mehr als 23 Jahren die Kulturszene im Ried. Im Ichenheimer Gasthaus Löwen organisieren die Ehrenamtlichen Konzerte und Co.
„Wir wollen Kultur auf’s Land bringen“ – mit diesem Gedanken gründete vor mehr als 23 Jahren eine Gruppe von 21 jungen Menschen den Kulturverein Ichenheim, erzählt Anne Müller, eines der vier Vorstandsmitglieder des Vereins. Es sei eine aufregende Zeit gewesen.
Nachdem der Pächter gekündigt hatte, beschlossen die Besitzerinnen des „Löwen“ gemeinsam mit den Inhabern des bereits bestehenden Globus Weltladens, das historische Gebäude mit seinem besonderen Saal neu zu beleben.
Der bereits bekannte und erfahrene Gastronom Rüdiger Held konnte für das Gasthaus gewonnen werden - eine Firma, die den „Löwen“ betreiben wollte, wurde gegründet. Parallel dazu entstand die Initiative „Läwe im Lewe“, die Kultur aufs Land und in den „Löwen“ bringen und ein Ort der Begegnung und des Austauschs schaffen wollte. Ziel war es, Menschenwürde und Toleranz, lokale Demokratie und Ökumene in Ichenheim zu fördern.
Kulturverein ist auf 100 Mitglieder angewachsen
„Start war das Jahrmarktsjubiläum, verbunden mit einem großen Dorffest. An diesem Wochenende hatte der ,Löwen’ erstmals wieder geöffnet“, berichtet Müller. Seitdem organisiert der Verein Veranstaltungen im Löwensaal. Auch gibt es eine Kino AG, die mehrmals im Jahr in Kooperation mit dem Kinomobil Baden-Württemberg und der Gemeinde Neuried Filme zeigt. Einige der Gründungsmitglieder seien bis heute aktiv.
„Mit den Jahren kamen neue Menschen dazu - der Verein hat inzwischen 100 Mitglieder“, erklärt sie gegenüber unserer Redaktion. „Wir haben klein angefangen und Gruppen engagiert, die sehr moderate Bedingungen hatten und wenig finanzielles Risiko bedeuteten“, so Müller weiter. Der Verein finanziere sich ausschließlich über Mitgliedsbeiträge und Gewinne aus den Veranstaltungen. „Zwar gab und gibt es immer wieder Vorstellungen, die nicht so gut besucht sind - in der Summe allerdings sind wir zufrieden.“ Insbesondere Coverbands „zum Abtanzen“ seien zu Beginn sehr beliebt gewesen.
Mit den Jahren schaffte es der Kulturverein, auch überregional bekannte Künstler und Gruppen in den Löwen zu holen. „Einige Kontakte entstanden während der Kulturbörse in Freiburg, die eine Zeit lang regelmäßig von Vorstands- und Vereinsmitgliedern besucht wurde“ erzählt das Vorstandsmitglied. „Inzwischen werden wir von vielen Künstlern direkt angeschrieben und gehen mit ihnen in Kontakt.“ Das Programm werde basisdemokratisch in einer Mitgliederversammlung bestimmt – und die Künstler dann engagiert.
Wunsch nach mehr jüngeren Besuchern
Der Kulturverein habe sich im Lauf der Zeit über die Region hinaus einen Namen gemacht. Hauptsächlich kämen zwar Menschen aus der Umgebung, so Müller, aber ein Teil der Besucher würde einen längeren Anfahrtsweg in Kauf nehmen, um bestimmte Gruppen und Musikrichtungen zu erleben. Einige seien Stammgäste, andere kämen nur gelegentlich. „Junge Menschen besuchen unsere Veranstaltungen leider nur sehr selten – trotz buntem Programm“, bedauert der Vorstand.
Der Vorschlag einer Imagekampagne habe der Kulturverein bisher noch nicht aufgegriffen. Vier Musik- und drei Kinoveranstaltungen organisiere der Verein jedes Jahr, zusätzlich gibt es Kooperationen in Form von Vorträgen, Lesungen und Theatervorstellungen mit dem Globus Weltladen, berichtet Müller. Der Eintritt bewegte sich zwischen acht und zwanzig Euro.
Konzert steht an
Die „Mean Musterds“, eine Beatles-Tribute-Band aus Kenzingen, tritt am 12. September um 20 Uhr im „Löwen“ auf. Die Band gründete sich 2019 und benannte sich nach einem Song des „Abbey Road“-Albums. Im Original heißt das Lied „Mean Mr. Mustard“. Die Band schreibt sich jedoch bewusst mit „e“ – ein Augenzwinkern bei der Schreibweise. Die vier Musiker widmen sich allen Schaffensphasen der Beatles. Ganz nach dem Motto „Come together right now“ – „kommt zusammen, versammelt euch“ hofft sowohl die Band als auch der Kulturverein, dass der „Löwen“ an diesem Abend gut besucht sein wird und die Menschen eine schöne Zeit haben.