Mit Wasser spritzen Arbeiter den Baum in der Waldtorstraße ab. Foto: Kupferschmidt

Wasser mit weißen Rückständen läuft am Mittwochnachmittag die Waldtorstraße hinunter. Die Eschenblattnestlaus sorgt für einen kleinen Ausnahmezustand.

Rottweil - Was für ein Ärgernis: Täglich musste Potpourri-Chefin Jeannette Völker am Morgen ihre Tische von weißen, klebrigen Ungeziefer befreien. "Das war wirklich abartig!", so die Gastronomin. Sogar an den Scheiben ihres Restaurants haben Überreste geklebt.

Doch damit ist nun Schluss, Mittwochnachmittag reinigten Bauhofmitarbeiter der Stadt die Esche. Aber was genau ist mit dem Baum passiert? Er sei von einer Eschenblattnestlaus befallen gewesen, berichtet ein Bauhofmitarbeiter vor Ort. Die Tiere zeichnen sich durch eine Wachsproduktion aus und sind auch selbst bewachst. Von diesen weißen Überresten wurde Völker geplagt.

Stadt greift schnell ein

Am Mittwochmorgen habe sie den Ungezieferbefall nicht mehr ausgehalten und sich gegen zehn Uhr an die Stadt gewandt. "Ich habe gemerkt, irgendwas stimmt nicht mit dem Baum", sagt sie. Der Befall sei "wirklich kein Spaß mehr" gewesen. Die Stadt habe schnell reagiert und innerhalb von kürzester Zeit Mitarbeiter in die Waldtorstraße geschickt, die Proben von der Esche genommen haben. Dann war klar: Der Baum muss von der Eschenblattnestlaus befreit werden.

Esche ist letzter Baum in Waldtorstraße

Das Mittagsgeschäft lief im Potpourri noch normal, aber dann gegen 13.40 Uhr räumte die Gastronomin ihre Bestuhlungen weg von der Terrasse. Die Bauhofmitarbeiter waren mit Wasser zu Gange, um die Läuse von der Esche wegzuspritzen. Am Donnerstagmorgen geht es dann mit einer zweiten Aktion weiter, um auch wirklich die letzten Überreste zu entfernen.

Für dieses Eingreifen ist Völker sehr dankbar. Zum einen, weil sie in Zukunft keine Überreste des Ungeziefers mehr von ihrem Restaurant entfernen muss, zum anderen, weil ihr der Baum ans Herz gewachsen sei. "Die Esche ist der letzte Baum in der Waldtorstraße", sagt sie bedauernd. Sie sei froh, dass dieser nun gerettet wurde.

Info: die Eschenblattnestlaus

Charakteristisch für den Befall mit der Eschenblattnestlaus (Prociphilus fraxini) sind verdichtete Blätter. Die Läuse verdichten die Eschenblätter, das Gewebe verkrümmt und verkräuselt sich zu nestartigen Gebilden. Die Eschenblattnestlaus zeichnet sich durch eine geringe Wachsproduktion aus und verursacht an der Esche Nester, die überfaustgroß sind. Die Läuse erreichen als ungeflügelte Tiere eine Größe von zwei bis drei Millimetern. Sie scheiden Wachs aus und wechseln im Juli auf Tannenarten. Anfang Juli findet man in den Blattnestern der Esche dann meist nur noch Wachsreste und Hüllen.

Von der Esche zur Tanne

An der Tanne leben die Läuse dann ausschließlich an den Wurzeln und vermehren sich über mehrere Generationen lebendgebärend. Auch hier zeichnen sich die Tiere durch eine deutliche Wachswollproduktion aus. Die von den Läusen besaugten Wurzeln der Tanne erkennt man daran, dass sie etwas abgeflacht und teilweise auch dunkel bis schwarz gefärbt sind. Oberirdisch kommt es zu Wachstumsdepressionen und Vergilbungen der Nadeln, bei einem starken Befall können die Pflanzen absterben.

Neben der Eschenblattnestlaus gibt es eine verwandte Art, die Eschenzweiglaus (Prociphilus bumeliae). Auch diese Art wechselt den Wirt und verursacht als Schadsymptom eine Kräuselung der Blätter sowie die Stauchung und Krümmung der Triebe, was zur Bildung der auffälligen Blattnester führt. Die Eschenzweiglaus zeichnet sich durch lockerere Nester aus, die Läuse produzieren mehr Wachs als die Eschenblattnestlaus.