Mit den 15-Millimeter-Nägeln an den „Glücks-Spikes“ aufs Podest beim Sparkassen-Cross in Pforzheim: Katharina Jaiser. Foto: Florian Walz

Die Läuferin aus Gechingen, auch bekannt als Lauf-Ommmma, zeigte der jungen Konkurrenz wieder zweimal die Fersen und schraubt ihre 17 Jahre alte Bestzeit über zehn Kilometer auf 34:38 Minuten. Zudem erlebt sie eine ganz spezielle Premiere.

Nach einer längeren Pause ist Katharina Jaiser, die mittlerweile für den VfL Sindelfingen startet, wieder aufgetaucht. Und wie!

 

Neustart nach der Pause

„Dieses Jahr hab ich die Saisonpause gewissenhaft durchgezogen“, erklärt Katharina Jaiser lachend, denn mit dem Beine hochlegen hat sie so ihre Probleme „Gegen Nix-tun haben die Hummeln in meinem Hintern was“, gibt sie zu. Aber nach einer langen Saison mit einigen Verletzungsproblemen und Bestzeiten von 800 bis 5000 Metern war eine Pause dringend nötig für die 37-Jährige.

Physisch und mental gut erholt ist sie wieder eingestiegen und hat „schlau trainiert“, wie sie es mit einem verschmitzten Lächeln umschreibt. Das „schlaue Training“ sollte sich auch gleich beim ersten Highlight der Saison auszahlen. Denn an Allerheiligen sorgte die Gechingerin beim Hockenheimringlauf für einen echten Paukenschlag.

Paukenschlag am Hockenheimring

Sie drückte ihre Bestzeit über zehn Kilometer von 34:52 Minuten (aus dem Jahr 2007) auf 34:38 Minuten und kam als zweitplatzierte Frau ins Ziel – hinter Lisa Merkel, die bei der EM in Rom über 10 000 Meter Neunte geworden war.

„Glücks-Spikes“ an den Füßen

„Dass ich gut drauf bin, hab ich geahnt – dass ich aber schon so weit bin hätte ich nicht gedacht. Das freut mich natürlich“, zog sie ein zufriedenes Fazit, ehe sie ein Woche später zum ersten Mal seit Jahren wieder ihre „Glücks-Spikes“ von der Cross-EM 2008 (20. Platz als Katharina Becker bei der U23) hervorkramte „und die ganz langen 15-Millimeter-Nägel reingeschraubt“ hat, wie sie erklärt: „Man weiß ja nie beim Cross!“

Denn sie startete beim Sparkassen-Cross Pforzheim, der bekannt für ein internationales Starterfeld ist. Das liegt daran, dass die Veranstaltung – zum Beispiel in der Schweiz – als Quali-Rennen für die Cross-EM gewertet wird. Der Sparkassen-Cross gehört zum deutschen Cross Cup mit Rennen in München, eben Pforzheim, Darmstadt und mit der deutschen Meisterschaft in Riesenbeck. Und seit diesem Jahr ist der Pforzheimer Lauf der erste deutsche in der „Silver-Level World Cross Country Tour“ von World Athletics. Das bedeutet, dass auch Weltranglisten-Punkte vergeben werden.

„Bock auf ein tolles Rennen“

Aufregend? „Na ja, die Aufregung hielt sich in Grenzen, weil ich weniger scharf auf das Ergebnis war, sondern einfach nur Bock auf ein tolles Rennen hatte“, meint Katharina Becker. „Cross ist nicht messbar, und es zählen keine Zeiten. Nur innerhalb dieses Rennens ist alles vergleichbar – das nimmt den Druck, und der ist in irgendeiner Form im Leistungssport immer da.“

Die Strecke in Pforzheim ist legendär und mit sehr viel Aufwand präpariert: eingebaute Hügel, eine Sandpassage, Baumstämme und Strohballen im Weg, Zickzack-Kurs. Da heißt es, nicht nur im Vorfeld klug zu trainieren, sondern auch klug zu laufen. Was das heißt, umschreibt Katharina Jaiser mit ihrer Renntaktik:“ „Kraft an den richtigen Stellen sparen, um punktgenau angreifen zu können.“

Theorie und Praxis

So weit die Theorie vor dem Rennen der Senioren (fünf Runden, insgesamt 5,5 Kilometer), Juniorinnen und Frauen (sechs Runden/6,6 Kilometer). Doch um am Start dem Gerangel zu entgehen, „bin ich einfach mal kurz an Gesamtposition 3 gelaufen“ – von wegen "klug laufen“: „Nach 500 Metern hab ich‘s bereut und wurde erst mal durchgereicht“, erzählt sie. Bitter. „Ob es körperlich oder mental mehr weh getan hat, kann ich gar nicht sagen.“

Eine „doofe Idee“

Daher bildete sich wieder „die doofe Idee“ rauszugehen. Das rief ihren Trainer endgültig auf den Plan. „Er hat mir hinterhergeschrien und die Idee im Kern erstickt. Wäre ich trotzdem rausgegangen, hätte ich noch schneller laufen müssen, um dem Donnerwetter zu entkommen.“

Das Feld von hinten aufgerollt

Also hat sie sich durchgebissen, und „die anderen Mädels kamen mir Runde für Runde wieder entgegen. Jetzt konnte ich sie einsammeln und Plätze gutmachen.“ In der letzten Runde ging sie dann sogar an ihrer Vereinskollegin Kim Bödi vorbei, die bis jetzt für sie unbesiegbar schien.

Am Ende steht Platz 3

„Im Nachhinein tat es mir ein bisschen leid, aber: Rennen ist Rennen. Im Ziel sind wir wieder Freunde.“ Ihre Platzierung hatte sie noch nicht auf dem Radar, weil noch einige Mädels aus der U23 vor ihr waren. Am Ende war sie im Gesamteinlauf auf Platz 8, in der Frauenwertung als zweitbeste Deutsche Dritte. Platz 1 ging nach Belgien.

Eine spezielle Premiere

Und noch eine spezielle Premiere wartete auf Katharina Jaiser: Sie wurde zur Dopingkontrolle ausgelost. „Das war tatsächlich auch mein erstes Mal.“ Probleme hatte sie damit jedoch nicht: „Das finde ich gut. Nur so kann sauberer, fairer Sport betrieben werden.“

Als nächstes Rennen steht der Crosslauf in Weinstadt am 14. Dezember auf dem Programm, dann wartet der Silvesterlauf in Stuttgart-Weilimdorf – „und dann eine schöne Hallensaison mit hoffentlich zum erstes Mal der Hallen DM.“ Wenn es so weitergeht, bleibt das kein Traum.