Katharina Jaiser im Ziel mit der frisch gebackenen süddeutschen Meisterin über 3000 Meter, Julia Ehrle (links) Foto: Isabel Sturm/Sturm-Fotografie

Katharina Jaiser aus Gechingen hat bei den süddeutschen Meisterschaften in Karlsruhe ihre letzte Chance genutzt und hofft nun auf ein Ticket für die deutschen Meisterschaften über 3000 Meter.

Da hat Hitchcock Regie geführt: Katharina Jaiser aus Gechingen hat – nach krankheitsbedingten Start-Absagen – die letzte Chance gesucht, sich für die deutschen Leichtathletik-Hallenmeisterschaften in Dortmund zu qualifizieren.

 

Dazu musste sie am vergangenen Samstag bei den süddeutschen Meisterschaften über 3000 Meter die Norm knacken – die B-Norm liegt bei 9:55 Minuten, die A-Norm bei 9:30 Minuten. „Mehr als die B-Norm wollte ich nicht, die A-Norm war für mich eigentlich unerreichbar“, berichtet Katharina Jaiser, die für den VfL Sindelfingen an den Start geht.

„Ich hatte davor echt Nervenflattern, weil mir gerade echt die Wettkampfroutine fehlt“, gibt die Gechingerin zu, „der Druck war also maximal hoch.“ Ein selbst gemachter Druck, denn die DM Halle mitzunehmen, „war mein Hirnfurz“, wie Katharina Jaiser lachend erklärt: „Ich habe das Zepter an mich gerissen und es meinem Coach vorgeschlagen – normal läuft das ja andersrum.“

Kaltstart gegen die Jungen

Der Kaltstart der 38-Jährigen direkt nach einer Krankheitswoche, der auch ihr geplanter Start beim internationalen Hallenmeeting im Glaspalast Sindelfingen zum Opfergefallen war, lief vielversprechend, „ich ein schnelles Feld erwischt habe mit wirklich tollen Mädels“. Dadurch war gleich Zug drin im Rennen „alt gegen jung“. „Klar, die sind alle jünger, aber: ich gegen ich“, gab Katharina Jaiser ihr Motto aus – es zählt ihrer persönliche Zeit.

Die Krankheit wirkt nach

„Ich habe mit dem Podest geliebäugelt, ja, das muss ich ehrlich zugeben. Aber ich habe wirklich nur versucht dranzubleiben und das Beste draus zu machen“, erläuterte sie nach dem Rennen ihre Gedanken zuvor. Aber ganz ohne Tiefpunkt liefen die 3000 Meter nicht. „Ab Runde zwei hatte ich das Bedürfnis rauszugehen, weil ich mich einfach noch nicht ganz gesund gefühlt habe“, berichtet die Gechingerin. Per Selbstmotivation schob sie die düsteren Gedanken beiseite. „Jetzt läufste ja eh schon, dann zieh‘s einfach durch!“

Die ersten 2000 Meter lief die 38-Jährige mit der bis zu 21 Jahre jüngeren Konkurrenz ganz vorne mit, „dann musste ich in Runde 10 die ersten drei Mädels ein bisschen ziehen lassen“, berichtet Jaiser. Die drei waren die spätere Siegerin Julia Ehrle (17) von der LG farbtex Nordschwarzwald, die das Rennen in 9:21,33 gewann, ihre Teamkollegin Kim Bödi (23) vom VfL Sindelfingen (Zweite/9:26,49) und die 27-jährige Leah Hanle vom TSV Holzelfingen (Dritte/9:31,34).

Besser als im Freien

„400 Meter vor Schluss hab ich dann noch mal alle Kräfte mobilisieren können, aber da hab ich einfach gepennt und zu spät mit dem Schlussspurt angesetzt“, bedauert Jaiser, dass am Ende die A-Norm sogar erreichbar schien, sie diese aber in 9:34,13 Minuten knapp verfehlte.

„Aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Alles in allem bin ich – und auch der Coach – sehr zufrieden.“ Keine Wunder: Ihre Freiluft-Bestzeit steht bei 9:42 Minuten, „und Halle ist um einiges schwieriger und langsamer zu laufen“.

Zittern um den Traum

Am kommenden Sonntag ist jetzt Meldeschluss für die DM in Dortmund. „Bis dahin muss ich abwarten.“ Denn 18 Frauen dürfen über 3000 Meter starten. Ein Start Jaisers ist davon abhängig, wer noch A-Norm läuft, und ob sie dann über die B-Norm reinkommt. Dann würde ihr Traum, oder wie sie sagt, ihr „Hirnfurz“, wahr: „Das wäre mein erstes Mal DM-Halle! Aber wie sagt Pippi Langstrumpf so schön: Das habe ich vorher noch nie gemacht, also bin ich völlig sicher, dass ich’s schaffe.“ Und es käme in Dortmund zu einer Wiederholung der besonderen Art von Karlsruhe: „Mit Julia Ehrle zusammen in einem Rennen zu starten, ist echt eine Ehre.“